„Die Tigermücke muss bekämpft werden“

Jena  Nach dem erneuten Nachweis von Aedes Albopictus in Jena fordern Mückenexperten Unterstützung durch die Stadt.

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) stammt wahrscheinlich aus Italien oder Kroatien. Seit 2015 wird sie in Jena nachgewiesen.

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) stammt wahrscheinlich aus Italien oder Kroatien. Seit 2015 wird sie in Jena nachgewiesen.

Foto: Doreen Walther

Ist die Asiatische Tigermücke wieder in Jena? „Nein, denn sie war nie weg“, korrigiert Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF). Walther verantwortet zusammen mit Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) den Mückenatlas, mit dem Mückenfunde bundesweit dokumentiert werden. Zudem sind beide in der Expertenkommission „Invasive Stechmücken in Deutschland“. Wie in den Jahren zuvor seit 2015 konnten die Forscher Anfang Juni Aedes albopictus, so der lateinische Name des Eindringlings aus Südeuropa, erneut in Jena nachweisen. Fünf Standorte seien beprobt worden, vier davon waren positiv, darunter drei Friedhöfe. Damit müsse man von einem etablierten Stamm in der Saalestadt ausgehen. Offenbar habe sie in den vergangenen Jahren Nischen gefunden, um zu überwintern, so Walther.

Die Insekten seien per se zwar zunächst „nur“ auf eine Blutmahlzeit aus. Als gefährlich gilt die Tigermücke aber wegen ihres aggressiven Anflugverhaltens und der Fähigkeit, Chikungunya- und Dengue-Fieber sowie das Zika-Virus zu übertragen.

Die Jenaer Bestände seien nicht vergleichbar mit Heidelberg oder Freiburg, wo es um diese Jahreszeit schon Hunderte Tigermücken gibt, so Walther. „Trotzdem sind die Tiere auch in Thüringen da. Bevor es zur Explosion der Population kommt, sollte sie aktiv bekämpft werden“, mahnt Walther, die mittlerweile alle 14 Tage vor Ort ist. Nötig wäre ein ständiges Monitoring mit Fallen und personeller Betreuung. Dem habe die Stadt aber weitere finanzielle Unterstützung verweigert. Umso unerfreulicher finden es die Wissenschaftler, dass Jena die Funde zum Anlass für eine eigene Veröffentlichung nahm, ohne die „Entdecker“ von ZALF oder FLI zu nennen.

Die Stadt bestätigte gestern die Nachweise durch ZALF und FLI. „Zudem hat ein Friedhofsmitarbeiter eine Tigermücke gefangen. Diese wurde vom Mückenatlas bestätigt“, sagt Sprecherin Roswitha Putz. Der Nachweis erfolge auch über Lockstofffallen auf Jenaer Friedhöfen. Laut Helge Kampen vom FLI war das aber 2017. „Die Fallen wurden von uns betreut und darin Tigermücken nachgewiesen. Unseres Wissens stehen solche Fallen dieses Jahr dort nicht, jedenfalls keine von uns.“

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