Viele ausländische Ärzte arbeiten in Thüringer Kliniken ohne Zulassung

Erfurt  Medizinern aus Nicht-EU-Ländern: Kliniken kritisieren hohe Hürden in Zeiten des Ärztemangels als praxisfremd. Die Landesärztekammer verteidigt die Vorgehensweise.

Nach einer Neuregelung gibt es in Thüringen einen gewaltigen Prüfungsstau. Die längsten Wartezeiten für Mediziner sollen bei eineinhalb Jahren liegen.

Foto: Jan-Peter Kasper/dpa

In Thüringer Kliniken arbeiten viele Ärzte aus Nicht-EU-Ländern in einer rechtlichen Grauzone. Grund sind ausstehende Kenntnis- und Sprachprüfungen, die sie ablegen müssten, damit ihre Abschlüsse anerkannt werden. „Eigentlich dürften diese Ärzte ohne Approbation nur hospitieren, das ist aber im Dienste-Alltag angesichts des Ärztemangels praxisfremd“, sagt Alexander Meinhardt, Leitender Oberarzt für Innere Medizin an der Geriatrischen Fachklinik Georgenhaus in Meiningen.

Hintergrund ist eine Änderung beim Prüfungsreglement in Thüringen. Zuständig ist seit 2016 die Medizinische Fakultät der Uni Jena, die aber nicht nachkommt. Gesundheitsministerin Heike Werner (Die Linke) bestätigte bei der Kammerversammlung der Landesärztekammer den Prüfungsstau. Derzeit harrten knapp 300 Mediziner der Berufserlaubnis, hinzu kämen 350 Neuanträge. Die längsten Wartezeiten lägen bei eineinhalb Jahren. 2017 habe es 34 Prüfungstermine gegeben, bei denen 99 von 130 Kandidaten bestanden. 2018 konnten bisher 39 Kandidaten antreten, von denen 25 bestanden.

Jeder achte Arzt in Thüringen ist Ausländer

Die Landesärztekammer verteidigt die Vorgehensweise. „Gelten die anerkannten ärztlichen Abschlüsse aus EU-Ländern als gleichwertig, muss dies bei der Ausbildung von Ärzten aus Drittstaaten nachgewiesen werden. Ärzte sollen über das gleiche Wissen verfügen wie einheimische Medizin-Absolventen“, sagt Kammersprecherin Ulrike Schramm-Häder. Die Prüfung gestalte sich häufig schwierig, weil Ausbildungsinhalte in den Herkunftsstaaten oft nicht mit den deutschen Studieninhalten übereinstimmten.

Uwe Bust, Chirurg und Geschäftsführer der DRK-Klinik Sömmerda, wo acht Ärzte aus mehreren Ländern betroffen sind, zweifelt nicht am Sinn der Prüfungen, aber an der Neuregelung. „Wären diese Leute nicht gut in ihrem Job, würden wir sie nicht behalten. Ein Qualifikationsnachweis muss sein. Nicht-EU-Kollegen werden aber benachteiligt. Obwohl sie bereits lange im Krankenhaus arbeiten, werden die Wartezeiten auf die Prüfungen nicht für die Facharztqualifikation anerkannt. Das ist ein personeller Verlust für die Kliniken und ein finanzieller für die Ärzte“, sagt Bust.

Zum Einsatz der Mediziner in den DRK-Kliniken will sich Bust nicht äußern, um sein Haus nicht angreifbar zu machen. Als akademische Lehrklinik sei man aber jetzt bei den Prüfungen außen vor. „Jeder achte Arzt in Thüringen ist Ausländer. Es geht es nicht mehr ohne sie. Trotzdem scheint es so, als würden Hürden erhöht, um den Einsatz zu verhindern“, sagt Bust.

Richard Fünfstück, Ärztlicher Direktor des Weimarer Kli­nikums, wo von 22 Ausländern acht aus dem Nicht-EU-Gebiet kommen, fordert mehr Prü­fungstermine: „Solange die Ärzte­ ­formal nur mitlaufen dürfen, sind sie eine Belastung, statt zu helfen. Die Bereitschaft, sie zu prüfen, ist bei vielen Professoren und vielen Ärzten da.“

Approbation für ausländische Ärzte

Grundsätzlich können ausländische Ärzte in Deutschland die Approbation erhalten, wenn sie das deutsche Staatsexamen oder eine gleichwertige Ausbildung absolviert haben. Das gilt für Abschlüsse aus der EU, nötig ist dann nur eine Fachsprachenprüfung. Nicht-EU-Ärzte müssen zusätzlich eine Kenntnisprüfung ablegen. Von den Landesärztekammern wird mittlerweile sogar gefordert, dass alle Ärzte aus Drittstaaten für die Approbation ein deutsches medizinisches Staatsexamen ablegen sollen. Klinikpraktiker kritisieren, dass viele Ausländer dann allein an den sprachlichen Hürden scheitern würden.

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