Besonderer Glockenguss direkt in Weingarten

Weingarten. Ein Spektakel der besonderen Art konnten die Bürger von Weingarten erleben. Die neue Glocke für ihre Dorfkirche wurde Freitagabend direkt neben dem Gotteshaus gegossen.

Die Kirche in Weingarten bekommt eine neue Glocke, Glockenguss am 03. und 04.Mai. Foto: Lutz Ebhardt

Foto: zgt

Und schon am Samstagnachmittag konnten sich die Bürger davon überzeugen, ob der Guss gelungen ist. Ortsbürgermeister Klaus Klar schlug die Glocke erstmals an.

Die Glockenspezialisten vom Kloster Maria-Laach waren für das Schaugießen in den Ortsteil der Gemeinde Hörsel gereist. "Drei bis vier Mal im Jahr machen wir das", erzählt Bruder Michael Reuter. "Es ist auch für uns eine besondere Herausforderung."

Immerhin muss die Glockenform aus Lehm, Stroh und Pferdemist in die Erde eingegraben und die nötige Menge Bronze in einem transportablen Ofen auf die richtige Temperatur erhitzt werden.

Das Gießen selbst ist ebenfalls eine Herausforderung. Hier unter freiem Himmel können sich die Handwerker nicht auf einen Kipptiegel verlassen, sondern müssen die flüssige Bronze mit Kellen in die Form füllen. Dabei darf der Gusskanal nicht leer laufen. Das würde die Arbeit unweigerlich verderben.

Eine Kelle mit Inhalt wiegt beachtliche 15 Kilogramm. Kein Wunder, dass Sven Schneider und Markus Lutherer trotz der frischen Temperaturen in Weingarten ins Schwitzen kamen.

Bevor die beiden Glockengießer allerdings so weit waren, erhitzte seit Mittag ein Ölbrenner die Bronze aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn auf knapp 1100 Grad. Dabei wurden rund 100 Liter Öl verbrannt.

"Wir haben 300 Kilogramm Bronze mitgebracht", sagt Sven Schneider. Am Ende flossen davon 220 Kilogramm in die Glockenform. Damit gehört die neue Glocke für die Weingartener Kirche zu den großen, die beim Schaugießen entstehen.

Pfarrer Christian Schaube freut sich, dass die im Krieg eingeschmolzene Glocke nun ersetzt wird. "Die Kirche verlor ihre Glocke für den Krieg, wir lassen die neue für den Frieden gießen", betont er.

Am Samstag konnte die Form aus der Erde geholt werden. "Jetzt zeigt sich, ob wir einen Kohleneimer oder eine Glocke gegossen haben", scherzte Bruder Michael. Doch bei der Erfahrung, die die Glockengießer aus Maria-Laach mitbringen, war ein Misslingen wohl kaum in Betracht zu ziehen.

Reiner Klang zeugte vom guten Gelingen

Nachdem die Form freigelegt und von einem Bagger herausgehoben war, gingen Sven Schneider und Markus Lutherer daran, die äußere Lehmform zu entfernen. Rein optisch präsentierte sich den Zuschauern eine gelungene Glocke. Verzierungen und Aufschrift zeigten sich sauber abgebildet. Nun musste noch der Ziegelkern entfernt und das Werk notdürftig gesäubert werden. Dann hing die neue Glocke für Weingarten erstmals – zwar nur notdürftig von einem Bagger gehalten, doch das reichte völlig aus, damit Ortsteilbürgermeister Klaus Klar sie anschlagen konnte. Der reine Klage verkündete: Das Werk ist gelungen.

Zimmermeister Roberto Ruft aus Ebenhain hatte den Zuschlag von der Kirchengemeinde für die neue Glocke bekommen. Er stellte den Kontakt zu den Glockengießern her und organisierte auch das Schaugießen. Die Kosten dafür stellte die politische Gemeinde zur Verfügung.

Bis allerdings die Glocke im Turm der Weingartener Kirche ertönt, vergehen einige Wochen. Die Glockengießer haben sie mit ins Kloster genommen, um sie gründlich zu säubern und auf Hochglanz zu polieren.

Dann wird geprüft, ob die Glocke auch ganz genau den vorgegebenen Ton trifft. Und erst wenn das so weit ist, kommt sie zurück an den Ort, wie sie gegossen wurde.

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