Erfurter Bischof Joachim Wanke tritt zurück

Der langjährige Bischof des katholischen Bistums Erfurt, Joachim Wanke, tritt an diesem Montag nach Informationen unserer Zeitung zurück. Papst Benedikt XVI. hat das Rücktrittsgesuch am Montag um 12 Uhr angenommen. Für den späten Nachmittag ist eine Pressekonferenz in Erfurt geplant.

Joachim Wanke, längjähriger Bischof in Erfurt, wird zurücktreten. Das Foto zeigt Wanke gemeinsam mit Papst Benedikt XVI. beim Besuch des Oberhauptes der römisch-katholischen Kirche in Erfurt im vergangenen September. Foto: Dirk Bernkopf

Joachim Wanke, längjähriger Bischof in Erfurt, wird zurücktreten. Das Foto zeigt Wanke gemeinsam mit Papst Benedikt XVI. beim Besuch des Oberhauptes der römisch-katholischen Kirche in Erfurt im vergangenen September. Foto: Dirk Bernkopf

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Erfurt. Hintergrund der Demission ist die angeschlagene Gesundheit des Bischofs, wie die Pressestelle des Bistums Erfurt mitteilte. Der 71-Jährige leidet seit Jahren unter einer Herzkrankheit. Papst Johannes Paul II hatte Wanke vor fast genau 32 Jahren am 2. Oktober 1980 zum Bischof ernannt. Im Jahr 1981 übernahm er das Amt des Apostolischen Administrators des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen. Nach der Neugründung des Bistums Erfurt im Jahr 1994 wurde er Diözesan-Bischof.

Papst Benedikt XVI. hatte das Wirken Wankes in der DDR-Zeit schon früher hervorgehoben. "Deinen Einsatz halte ich für um so lobenswerter, als Deine apostolische Aufgabe unter den ungünstigen Umständen jener Zeit durch viele Schwierigkeiten behindert wurde", gratulierte der Papst zu Wankes silbernem Bischofsjubiläum im Jahr 2006.

Wanke ist Mitglied der Kommission für Glaubensfragen der Deutschen Bischofskonferenz. Außerdem arbeitete er in der Ökumene- sowie in der Pastoralkommission mit, deren Vorsitzender er von 1998 bis 2010 war. Von 1995 bis 2001 amtierte er zudem als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland.

Mit dem Rücktritt von Bischof Joachim Wanke ist der Erfurter Bischofsstuhl vakant. Gemäß dem Kirchenrecht wählt das Erfurter Domkapitel am Dienstag, 2. Oktober, einen Diözesan-Administrator, der das Bistum leitet, bis ein neuer Bischof von der Diözese Besitz ergreift. Bis zur Wahl des Diözesan-Administrators liegt die Leitung des Bistums Erfurt, dem Kirchenrecht entsprechend, in der Hand von Weihbischof Reinhard Hauke.

Offizieller Abschied im November

Bischof Joachim Wanke wird offizell an zwei Tagen verabschiedet. Beim Elisabeth-Empfang am Dienstag, 20. November, nimmt er nach einem Gottesdienst in der Schottenkirche im Erfurter Kaisersaal von der politischen und gesellschaftlichen Öffentlichkeit Abschied.

Von den seelsorglichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verabschiedet sich der Bischof am Mittwoch, 28. November, vormittags im Rahmen der Pastoralkonferenz. Nachmittags findet ein Festakt im Theater Erfurt statt, zu dem Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, der Nachbarbistümer, des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, der Caritas und aus der Ökumene kommen. Außerdem nehmen Delegationen der Kirchengemeinden des Bistums Erfurt sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge und des Bischöflichen Ordinariates teil. Der Tag klingt mit einer Pontifikalmesse um 17.30 Uhr im Erfurter Mariendom aus.

Mike Mohring: "Wanke hat geistiges Klima im Freistaat mit geprägt"

"Thüringen hat Bischof Joachim Wanke viel zu verdanken. Er hat das geistige Klima des Freistaats mit geprägt und immer wieder gezeigt, dass Christen und Kirchen der Gesellschaft viel zu geben vermögen." Mit diesen Worten würdigte der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, Mike Mohring, den scheidenden Bischof des katholischen Bistums Erfurt. "Joachim Wanke hat in seinen stets klaren Worten viel dazu beigetragen, den Menschen in den Umbrüchen des letzten Vierteljahrhunderts Orientierung zu geben", so Mohring, der über viele Jahre an der Männerwallfahrt auf dem Klüschen Hagis teilnahm und Wanke dort predigen hörte.

Über Joachim Wanke

Bischof Joachim Wanke wurde am 4. Mai 1941 in Breslau geboren. Nach der Vertreibung aus der Heimat kam die Familie in der thüringischen Stadt Ilmenau unter. Wanke fühlte sich zum priesterlichen Dienst berufen und studierte nach dem Abitur Philosophie und Theologie in Erfurt. 1966 wurde er zum Priester geweiht und ging als Vikar für drei Jahre nach Dingelstädt (Eichsfeld).

Von 1969 bis 1973 wurde er für ein Aufbaustudium in Erfurt freigestellt, das er mit der Promotion zum Doktor der Theologie abschloss. Schwerpunkt seiner Studien war die Exegese (= Auslegung) des Neuen Testaments. 1975 wurde er als Dozent an das Philosophisch-Theologische Studium in Erfurt berufen und übernahm 1980 als Professor den Lehrstuhl für Exegese des Neuen Testamentes.

Am 2. Oktober 1980 ernannte Papst Johannes Paul II. den damals 39-jährigen Wanke zum Weihbischof mit dem Recht der Nachfolge des schwer erkrankten Apostolischen Administrators in Erfurt-Meiningen, Bischof Hugo Aufderbeck. Am 26. November 1980 wurde Joachim Wanke zum Bischof geweiht. Mit dem Tod von Bischof Aufderbeck am 17. Januar 1981 trat er dessen Nachfolge als Apostolischer Administrator an.

1994, knapp vier Jahre nach der Deutschen Einheit, erhebt Papst Johannes Paul II. das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen am 8. Juli zum Bistum Erfurt. Der bisherige Apostolische Administrator Dr. Joachim Wanke wird sein erster Bischof.

Weitergabe des Glaubens

Schon zu Zeiten der DDR bewegte Bischof Wanke die Frage, wie Christen in einer weitgehend nichtchristlichen Umgebung leben und wie sie das Evangelium den Menschen in eben dieser Umgebung weitersagen können. Einladende und auskunftsfähige Kirche werden, ermunterte Wanke immer wieder seine Katholiken. Denn, so zeigte er sich überzeugt, "die Menschen werden nicht als Atheisten geboren", und als Atheist bewusst zu leben sei auch nicht einfach angesichts der immer noch drängenden Fragen der Menschheit nach ihrem Woher und Wohin. "Christen können Antwort geben und sie wissen, dass unser Leben 80 Jahre und dann eine Ewigkeit dauern kann", machte der Bischof Lebens- und Bekennermut.

Bischof im geeinten Deutschland

Innerhalb der - wiedervereinigten - Deutschen Bischofskonferenz war der Erfurter Bischof Mitglied der Pastoralkommission, die er von 1998 bis 2010 als Vorsitzender leitete, sowie der Ökumene-Kommission. Die gelebte und bezeugte Verbundenheit der christlichen Kirchen und besonders der ökumenische Prozess, der auf die Einheit der geteilten Christenheit zielt, waren für Bischof Wanke immer Herzensanliegen. Die Kirchen hätten durch das Evangelium die gleiche Aufgabe: den Menschen die Botschaft Christi in Wort und Tat zu bezeugen. Von 1995 bis 2001 war er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland. Als 2005 die deutschsprachigen Bischofskonferenzen und Bischöfe, die gemeinsam die Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift herausgegeben hatten, eine Revision der Übersetzung beschlossen, wurde Bischof Wanke zum stellvertretenden Vorsitzenden des Leitungsgremiums gewählt, 2008 übernahm er den Vorsitz.

Seit Juni 1993 ist der Bischof ordentliches Mitglied der Akademie der gemeinnützigen Wissenschaften zu Erfurt. Im Jahr 2001 erhielt er den Predigtpreis der deutschen Wirtschaft für sein "Lebenswerk".

Papstbesuch als Höhepunkt

In besonderer Dankbarkeit sieht Bischof Joachim Wanke auf den Besuch von Papst Benedikt XVI. am 23. und 24. September 2011 in Erfurt und Etzelsbach zurück. Das pastorale Anliegen des Bischofs, den christlichen Glauben in der thüringischen Diaspora und im Eichsfeld zu stärken und das Evangelium zu verkünden, erfuhr durch den Papstbesuch Würdigung und Unterstützung.

Seinen Ruhestand wird Altbischof Joachim Wanke in Erfurt verbringen und dabei, wie es die Kräfte erlauben, auch weiterhin seelsorgerisch tätig sein, getreu seinem Wahlspruch: "Vestigia Christi sequi - Den Spuren Christi folgen".

Bistum Erfurt in Zahlen:

  • Fläche des Bistums Erfurt: 12.000 qkm
  • Gliederung: 7 Dekanate mit 62 Pfarreien
  • Katholiken im Bistum Erfurt (2011): 153.542 Katholiken in Thüringen (2009) laut Statistischem Jahrbuch Thüringen 2011: (Diözesen Erfurt, Fulda und Dresden-Meissen): 175.502 Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung (2,25 Mio Einwohner): 7,8 Prozent

Eckdaten des kirchlichen Lebens (2011):

  • Taufen: 1.289
  • Erstkommunionen: 1.132
  • Firmungen: 948
  • Trauungen: 397
  • Wiederaufnahmen: 20
  • Austritte: 654
  • Bestattungen: 1.334
  • Gottesdienstteilnehmer: 31.000

Erste Reaktionen auf den Rücktritt von Bischof Wanke aus dem Eichsfeld

Luther-Disput Extra: Ein Jahr nach dem Papstbesuch

Heiligenstädter Propst: