Kirchenmusikdirektor Otto Rudnick: Ein Leben voll Musik

Vor 50 Jahren - im Juli 1960 - zog sich der verdienstvolle Kirchenmusikdirektor Otto Rudnick in Arnstadt von seinem Amt zurück.

In der Amtszeit Otto Rudnicks erklang in der Arnstädter Bachkirche unter anderen sechs Mal das Weihnachtsoratorium. 
Foto: Christoph Vogel

In der Amtszeit Otto Rudnicks erklang in der Arnstädter Bachkirche unter anderen sechs Mal das Weihnachtsoratorium. Foto: Christoph Vogel

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Arnstadt. Einige Arnstädter werden sich noch an Kirchenmusikdirektor Otto Rudnick erinnern können. In Landsberg an der Warthe kam er am 5. Juni 1887 zur Welt als Sohn des Kirchenmusikers, Komponisten und Organisten Wilhelm Rudnick, welcher in Landsberg und Liegnitz das Musikleben bereicherte. Nach Schule und Gymnasium studierte Rudnick an der Musikhochschule Berlin-Charlottenburg und an der Humboldt-Universität Berlin. 1913 wurde der junge Musiker erster Kantor in Striegau in Oberschlesien, danach - als Nachfolger seines Vaters - Organist und Kantor der St. Peter und Paul Kirche in Liegnitz.

Nach kurzer Zeit erfolgte die Ernennung zum Kreisobmann der Kirchenchöre und Landesobmann der Kirchenmusik Oberschlesiens. Gleichzeitig wurde er Lehrer für Orgelspiel und Musikausbilder an der Musikschule Breslau.

Zu dem Organisten Erich Picha und dem Kirchenchorleiter Karl Mühlich in Kreuzburg in Oberschlesien hatte er enge Verbindungen. Dort wirkte Rudnick beim großen Kirchenchorkonzert am 7. April 1935 mit und dirigierte die Ratswahlkantate "Gott ist mein König" von J. S. Bach. Doch der schreckliche Krieg machte auch vor Rudnick nicht halt, und so erfolgte im Februar 1945 die Umsiedlung nach Zella-Mehlis. Dort gründete der Musiker ein Laienorchester und führte mit diesem in fünf Monaten 49 Abendkonzerte in Thüringen auf.

Im November 1945 wurde der schlesische Kirchenmusikdirektor an die neu eingerichtete, hauptamtliche Stelle als Kantor und Organist der Bachkirche zu Arnstadt berufen. In dieser schweren Zeit begann er, den durch den Krieg aufgeriebenen Bachchor in Arnstadt wieder zum Klingen zu bringen.

In seiner Arnstädter Zeit erklangen unter anderem sechs Mal das Weihnachtsoratorium zwei Mal die Lukas- sowie je ein Mal die Matthäus- und Johannespassion, die Passionsmusik von Heinrich Schütz und drei Mal "Die sieben Worte am Kreuz" von Schütz, zwei Mal Haydens "Schöpfung", zwei Mal C-Dur Messe von Beethoven, Mozarts Requiem sowie "Johannes der Täufer", ein Oratorium seines Vaters Wilhelm. Dazu wurden viele Kantaten- und Festgottesdienste gestaltet. Oft begleitete er auch den Gottesdienst der Katholischen Kirche in der Bach- oder Oberkirche an der Orgel.

Rudnick hatte viel Humor, Geduld und Einfühlungsvermögen und übersah menschliche Schwächen. Er erklärte gern die Orgel und spielte auch einmal ein Volkslied darauf. Er prüfte zahlreiche Orgeln und war als kirchlicher musikalischer Fachberater tätig.

Man kann nicht alles auflisten, was Rudnick für Kirche, Bachchor und Arnstadt tat. Wie es ihm ging, fragte keiner. So erklärte der Kirchenmusikdirektor im Juli 1960, sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niederlegen zu müssen. Diese Nachricht wurde nicht nur in der Kirche und beim Bachchor, sondern auch beim Kulturbund Arnstadt, dessen Gründungsmitglied er war, und beim 1955 gegründeten Arbeitsausschuss für Bachpflege mit Bestürzung aufgenommen. 1962 zog er nach Rübenbach bei Koblenz.

Am 17. Juli 1973 verstarb Otto Rudnick. Er legte den Grundstein für die ständige Kirchenmusik in Arnstadt und setzte Grundpunkte für die Bachforschung in Thüringen.

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