Reformation und Toleranz: Luther-Themenjahr 2013 eröffnet

Mit einem Gottesdienst und Festakt ist am Freitag in der Waltershäuser Stadtkirche das diesjährige Thüringer Luther-Themenjahr eröffnet worden.

Das diesjährige Thüringer Themenjahr zur Lutherdekade ist am Freitag in der Waltershäuser Stadtkirche offiziell eröffnet worden. Die Predigt zum Thema "Reformation und Toleranz" hielt die Evangelische Landesbischöfin Ilse Junkermann. Foto: Peter Riecke

Das diesjährige Thüringer Themenjahr zur Lutherdekade ist am Freitag in der Waltershäuser Stadtkirche offiziell eröffnet worden. Die Predigt zum Thema "Reformation und Toleranz" hielt die Evangelische Landesbischöfin Ilse Junkermann. Foto: Peter Riecke

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Waltershausen. Eine durchaus passende Mischung. Denn als gemeinsame Veranstaltung von Staat und Kirche praktizierte gleich dieser Auftakt das, was der Titel fordert: Toleranz.

Zur Halbzeit der Lutherdekade hat sich Thüringen zweifellos keine einfache Thematik gewählt. Eher einen bewusst gesetzten Stolperstein, wie es Kultusminister Christoph Matschie (SPD) nannte. Schließlich hätten die Begründer der Reformation in der Frage der Toleranz "keine Heldenrolle" gespielt.

Jene Gewissensfreiheit, die Luther vor dem Reichstag in Worms für sich in Anspruch nahm, habe er für andere nicht gelten lassen. "Aber er hat einen Prozess angestoßen, der nicht mehr aufzuhalten war", sagte Matschie. Nach Luther habe es ganz unterschiedliche religiöse Überzeugungen gegeben, die wiederum Unterschiede in den Meinungen und der Lebensweise der Menschen nach sich zogen.

So sei das Themenjahr sowohl Anlass für eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der Reformation als auch für die Toleranz als menschlichen Gradmesser für unser heutiges Miteinander.

Den weiten Bogen vom Gestern ins Heute hatte zuvor auch die Evangelische Landesbischöfin, Ilse Junkermann, gezogen. Wahrheitsfragen sind nie im Leben abgehakt, sagte sie, niemand habe die Wahrheit für immer gepachtet: "Sie ist eine Lebensaufgabe schlechthin." Und deshalb habe auch kein Staat der Welt das Recht, seine Überzeugungen mit Gewalt durchzusetzen. Und sie fragte: Wie können wir trotz unterschiedlicher Überzeugungen miteinander leben? Auch ihre Antwort hieß: Toleranz.

Für Matschie wäre es ein "handfestes Ergebnis" dieses Themenjahres, wenn etwa die restriktiv gehandhabte Residenzpflicht für ausländische Mitbürger in Thüringen gelockert würde. Er nannte das eine "gemeinsame Herausforderung" von Staat und Kirche.

"Wenn wir Andersartigkeit nicht nur akzeptieren, sondern wirklich zulassen wollen und sie als Bereicherung verstehen, dann müssen wir den Menschen aus anderen Ländern mehr Raum in der Mitte der Gesellschaft geben und ihnen auch mehr Bewegungsfreiheit eröffnen", sagte Matschie. Letztlich sei Toleranz die Voraussetzung dafür, dass die Menschen in Frieden miteinander leben.

Das diesjährige Themenjahr zur Toleranz ist das fünfte nach der Eröffnung der Lutherdekade 2008 und den folgenden Themenjahren zu Bekenntnis, Bildung, Freiheit sowie Musik.

Wie das Kultusministerium mitteilt, sind thüringenweit 40 Veranstaltungen geplant - als lange und intensive Zeitreise. So fragen im Rahmen des Projektes "DenkWege zu Luther" die Evangelischen Akademien von Thüringen und Sachsen-Anhalt nach Ideen und Ansätzen zur Toleranz. Mehrere Wochenendseminare mit Jugendlichen verfolgen die Toleranzidee von der Geschichte bis in die Gegenwart hinein und beleuchten auch die Schattenseiten der Reformation. Für eine breite und vielfältige Diskussion soll die fünfteilige internationale Konferenzreihe "Reformation heute" sorgen, die bis zum Jahr 2017 in mehreren Bundesländern die Folgewirkungen der Reformation behandelt.

Auch Gotha ist einbezogen. Auf Schloss Friedenstein wird am 28. April die Ausstellung "Gotha macht Schule" eröffnet. Forschungsbibliothek und Historisches Museum zeigen dann Exponate zur Bildung von Luther bis Francke.

Die Thüringer Hochschulen widmen sich mit Forschungen der historischen Analyse der Reformationszeit in Thüringen. So hat das Landesgraduiertenkolleg der Universität Jena das Projekt "Protestantische Bildungstradition in Mitteldeutschland" angestoßen.

Alle Veranstaltungen und Aktivitäten im Themenjahr werden vom Freistaat Thüringen mit 300.000 Euro gefördert, hieß es. Weitere 450.000 Euro seien für übergreifende Projekte im Bau- und Denkmalpflegebereich und Tourismus eingeplant.

So wichtig jegliche Förderung für all diese Vorhaben ist, letztlich wird der Erfolg an jedem selbst liegen. Die Politik könne Toleranz ja nur ermöglichen, sagte Matschie. Umsetzen muss sie jeder selbst.

Täglich. Und überall.

Gedenkstele in Reinhardsbrunn enthüllt

Mit der Enthüllung einer Stele mit Gedenktafeln durch Bischöfin Ilse Junkermann und Kultusminister Christoph Matschie (SPD) ist am Freitag in Reinhardsbrunn an die Verbrennung von sechs Täufern am 18. Januar 1530 im einstigen Kloster Reinhardsbrunn erinnert worden. Die zwei Männer und vier Frauen waren nicht bereit, ihren reformatorisch-täuferischen Standpunkt zu widerrufen und wurden deshalb hingerichtet. Sie waren die ersten Täufer, die allein wegen ihres Glaubens unter einer lutherischen Regierung umgebracht wurden.

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