Weihbischof Hauke: Kirche hat nicht bewusst vertuscht

Missbrauch in christlichen Schulen, in Internaten reformpädagogischer Einrichtungen, in Heimen und DDR-Jugendwerkhöfen - eine Welle verstörender Enthüllungen rollt durch das Land. Zum Thema "Gewalt gegen Kinder" diskutierten Bürger und Experten auf Einladung unserer Zeitung bei der zweiten Ausgabe von "Thüringen kontrovers".

Podiumsdiskussion "Thüringen kontrovers" zum Thema "Gewalt gegen Kinder" im Augustinerkloster: v.l.n.r. Manfred May, Prof. Peter Maser, Paul-Josef Raue, Reinhard Hauke und Prof. Michael Winkler. Foto: Marco Kneise

Podiumsdiskussion "Thüringen kontrovers" zum Thema "Gewalt gegen Kinder" im Augustinerkloster: v.l.n.r. Manfred May, Prof. Peter Maser, Paul-Josef Raue, Reinhard Hauke und Prof. Michael Winkler. Foto: Marco Kneise

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Erfurt. Gleich den Anfang der Podiumsdiskussion im Augustinerkloster nutzte der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke, um noch einmal Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen, seine Kirche habe über Jahre Fälle von sexueller Nötigung verborgen. Nichts sei bewusst vertuscht worden, man habe im Interesse der Opfer Informationen über Missbrauchsfälle vor der Öffentlichkeit zurückgehalten.

Doch worüber an diesem Abend eigentlich gesprochen werden sollte, ging weit über die jüngsten Schlagzeilen um katholische Geistliche hinaus. Denn lange, nicht selten über Jahrzehnte, haben sie geschwiegen, Menschen, die als Kinder Opfer von Gewalt, von sexuellen Übergriffen, psychischer Brutalität wurden. Nicht nur in ihren Familien, was erschreckend genug ist, sondern auch dort, wo sie der professionellen Obhut von Lehrern, Erziehern oder Seelsorgern überlassen waren.

"Wo immer geschlossene Einrichtungen mit den ihnen eigenen Hierarchien entstehen, wird Gewalt gegen Schutzbefohlene begünstigt. Strukturell war es im Westen nicht anders als in der DDR", erklärte Michael Winkler, Professor für die Theorie der Sozialpädagogik an der Universität Jena.

Manfred May, Anwalt ostdeutscher Heimkinder, berichtete von seinem Entsetzen, als mehr und mehr Insassen von Heimen und Jugendwerkhöfen der DDR ihm ihr Schicksal eröffneten. Und Peter Maser schilderte, warum in Schulpforte drastische Fälle von Gewalt und Missbrauch ausblieben. Eine ausführliche Dokumentation über die Veranstaltung lesen Sie in der Samstagsausgabe unserer Zeitung.

Debatte um Gewalt gegen Kinder
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