100 Schlösser und Burgen (46): Der versteckte Charme des Schlosses in Ballhausen

Ballhausen  Ballhausen. DDR-Flickwerk und historische Bausubstanz ergeben beim Schloss in Ballhausen eine eigenartige Melange.

Die Rückseite des Schlosses offenbart die Mischung aus alter und neuer Architektur. Die Seitenflügel sind noch recht unverändert, das Mittelstück wurde zu DDR-Zeiten zur Hälfte abgerissen und mit einem Neubau ersetzt. Mittlerweile ist es neu verputzt. Foto: Jens König

Die Rückseite des Schlosses offenbart die Mischung aus alter und neuer Architektur. Die Seitenflügel sind noch recht unverändert, das Mittelstück wurde zu DDR-Zeiten zur Hälfte abgerissen und mit einem Neubau ersetzt. Mittlerweile ist es neu verputzt. Foto: Jens König

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Wirklich schön ist es nicht, das Schloss in Kleinballhausen. Wenigstens nicht im klassischen Sinne eines Schlosses. Interessant ist wohl der treffendere Ausdruck. Keine der sonst üblichen Ornamente eines Schlosses begrüßen den Besucher. Das mag daran liegen, dass das Schloss kein Schloss, sondern ein Rittergut ist – oder doch eine kleine Burg? Jede dieser Bezeichnungen wird in der Region genutzt. Ob Schloss, Burg oder Gut – das Gebäude offenbart seinen Charme erst bei genauem Hinsehen. Große Eingangsportale, geschwungene Türgriffe, schmiedeeiserne Handläufe oder gar eine prächtige Innenausstattung gibt es hier nicht.

Viele herrschaftliche Charakteristika gingen im Laufe der wechselvollen Geschichte verloren. Nur in den Chroniken des Ortes und seiner Gebäude finden sich noch Fotos der früheren Pracht. Anfang des 12. Jahrhunderts wurde ein Sitz derer „zu Balenhusen“ erstmals erwähnt. Seit dem 14. Jahrhundert wechselte das Haus mehrfach den Eigentümer. 1851 beginnt die Ära der Familie Lucius, die hier knappe 100 Jahre lang wohnte und wirtschaftete.

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs plündern Bürger das Schloss und nehmen mit, was nicht niet- und nagelfest ist. Später nutzen die Sowjets das Haus als Kommandantur. In den 60er- und 70er-Jahren folgt ein Intermezzo als Kindergarten und Hort. Ein damals baufälliger Turm muss abgerissen werden.

Hier und da gibt es noch Zeichen früherer Macht

Schließlich werden in die langen Flure und weiten Räume acht Wohnungen eingebaut. Mit Plattenbau-Versatzstücken werden Wände eingezogen, wo bis dato keine waren. Die hohen Holzdecken werden unter einfachen Zwischendecken verborgen. In die Fassade werden Fenster eingesetzt, die nicht zur Form des Mauerwerks passen. Gipskartonplatten dichten die steinernen Zierelemente der Fensternischen ab. Der Hauptteil des Anwesens, das Mittelstück, wird durch einen Neubau ersetzt. Der historische Teil steht heute nur noch zur Hälfte.

Doch sie existieren noch, die Zeichen der Macht vergangener Tage. Es sind die Seitenflügel, die ursprünglich nur Anbauten an das Mittelstück waren, die dem Haus auch heute ein gehobenes Gepräge geben. Hier gibt es sie, die knarrenden Holzstufen, schmiedeeisernen Handläufe und dunkel vertäfelten Holzdecken. Auch die ehemalige Küche des Anwesens ist eine Reminiszenz an früher. In dem hohen Raum, der heute als Werkstatt dient, kleben alte Fließen auf dem Boden und den Wänden.

Die Bleiglasfenster sind zwar verschmutzt, aber gut erhalten. Sie fügen sich perfekt in die kleeblattförmigen Öffnungen im Mauerwerk ein. Wer dort hindurch schaut, blickt in eine weitläufige Grünanlage mit einem Bach und Radwegen, die über die Dörfer an der Unstrut entlang führen.

Das Parkfest mit Musik ist ein fester Termin im Kalender des Dorfes. Dann wird auch die Betonbühne genutzt, die zu sozialistischen Zeiten an die Rückfassade angesetzt wurde.

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