750.000 Besucher in 16 Tagen: Erfurter Oktoberfest so beliebt und so bayerisch wie nie zuvor

Erfurt. Unter einer strahlenden Herbstsonne ist am Sonntag auf dem Domplatz das Erfurter Oktoberfest zu Ende gegangen. Bei der Besucherzahl, beim Umsatz und bei den laufenden Buden-Metern brach es alle Rekorde. Trachten, Dirndl und Maßbier kommen eben auch bei uns immer mehr in Mode.

Das spektakuläre Wildwasser-Fahrgeschäft "Piraten-Fluss" war zum ersten Mal auf dem Erfurter Oktoberfest dabei.Fotos: Marco Schmidt

Das spektakuläre Wildwasser-Fahrgeschäft "Piraten-Fluss" war zum ersten Mal auf dem Erfurter Oktoberfest dabei.Fotos: Marco Schmidt

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"Wir haben bei den Besuchern an der Dreiviertel-Million-Marke gekratzt", sagte Marktmeister Sven Kaestner bei einer improvisierten Pressekonferenz im 55 Meter hohen Riesenrad "Wheel of Vision". Im Vorjahr waren es 600.000 Besucher gewesen.

Das Riesenrad mit vollklimatisierten Kabinen war nur eine der Premieren. Da durch den Abbau der Fahnenmaste am Domplatzrand mehr Raum geschaffen wurde, standen in der Rummel-Stadt in diesem Jahr erstmals über 700 laufende Meter statt bisher 620 Meter zur Verfügung. 55 Schausteller, darunter zehn mit Fahrgeschäften, sowie das große Festzelt mit 1000 Plätzen nahmen teil.

"Der Platz ist damit ausgereizt", sagte Kaestner über den 18.000 Quadratmeter großen Domplatz.

Für einen Stand auf dem Erfurter Oktoberfest hatten sich rund 400 Schausteller beworben. Bereits jetzt sei abzusehen, dass für das nächste Jahr noch mehr Bewerbungen einträfen, meinte Kaestner. "Wir spielen in der ersten Liga der deutschen Herbstfeste", sagte er.

Diesen Eindruck bestätigte der Autoscooter-Betreiber Fritz Krebs von der Arbeitsgemeinschaft Erfurter Schausteller. "Es war mit Abstand das tollste, vollste Volksfest, das wir jemals hatten", sagte er. Das gnädige Wetter und die zusätzlichen Öffnungszeiten etwa an den Samstagvormittagen hätten ebenfalls zu dem Rekord beigetragen.

Von 15 Prozent mehr Bierumsatz sprach René Geiger, der Betreiber des Festzeltes. Zudem machte der Wirt einen Trend zum Maßkrug aus. Von dem dunklen, eigens für das Erfurter Oktoberfest gebrauten Fest-Braugold wurden allein im Festzelt 28.000 Liter-Krüge verkauft, sagte Geiger.

Nicht nur beim Bier nahmen die Besucher bayerische Traditionen an. Trachten und Dirndl erlebten einen großen Aufschwung. Gleich 20 Prozent mehr Trachten als im Vorjahr will Geiger ausgemacht haben.

"Besucher in Trachten haben gute Laune"

Der Wirt weiß diese Kundschaft zu schätzen. "Alle, die in Trachten kommen, haben gute Laune", ist er überzeugt.

Von einer friedlichen Stimmung des Erfurter Festes konnte auch Polizeikommissar Sören Oeftger berichten. "Wir hatten mit kleineren Körperverletzungen und Taschendiebstählen zu tun", meinte er. "Aber insgesamt war es ruhig."

Mit der eigenen Polizeiwache für das Fest, aber auch einem wohl überlegten Sortiment erwies sich das Oktoberfest deutlich familienfreundlicher als andere Herbst-Volksfeste. "Wir sind nicht so groß wie München oder Stuttgart, aber das, was da ist, erfüllt höchste Ansprüche", nannte Schausteller Fritz Krebs einen weiteren Pluspunkt.

Von dem erfolgreichen Fest würden auch die Taxifahrer, die Gastronomie und der Tourismus profitieren. "Die ganze Region gewinnt", meinte er. Für die Schausteller seien der sonnige 3. Oktober und das anschließende Wochenende die erfolgreichsten Tage gewesen.

Im Festzelt herrschte dagegen laut René Geiger zum Bieranstich am 27. September der meiste Andrang. Schwache Tage habe es überhaupt nicht gegeben, fügte Sven Kaestner hinzu.

Der Marktmeister hob die gemeinsamen Interessen aller Akteure hervor. "Ob Festzelt, Riesenrad oder Volksfest - jeder weiß, dass es ohne den Anderen nicht funktioniert", sagte er.

Für den Abbau haben die Schausteller bis Dienstag 18 Uhr Gelegenheit. Das Festzelt und das Riesenrad, das in 26 Übersee-Container verpackt wird, haben noch bis Donnerstag Zeit.

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