Auf der Spur der Langensalzaer Ziegen, die ausgestorben sind

Bad Langensalza  Familie Billhardt entdeckt auf Rügen eine historische Kutsche. Jetzt befasst sie sich mit der Tierrasse

Axel Billhardt und Sohn Ronny interessieren sich für die Langensalzaer Ziegen, denen auf dem Neumarkt ein Denkmal gesetzt wurde.

Axel Billhardt und Sohn Ronny interessieren sich für die Langensalzaer Ziegen, denen auf dem Neumarkt ein Denkmal gesetzt wurde.

Foto: Daniel Volkmann

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Einen „Scheunenfund im Urlaubsheim“ nennen die Billhardts das, was sie im Urlaub auf Rügen erlebt haben. Tatsächlich stießen sie dort auf ein seltenes Relikt aus ihrer Heimatstadt: Eine der letzten Langensalzaer Ziegenkutschen. „Unsere Vermieterin sah unser LSZ-Autokennzeichen und sagte, dass sie eine Überraschung für uns hat“, erzählt Ronny Billhardt.

Am nächsten Tag führte Elke Schur die Familie „mit einem geheimnisvollen Lächeln in eine ehemalige Scheune“, schildert Billhardt. Und da stand eine Kutsche, an deren Seite der Schriftzug „Wilhelm Schmidt, Langensalza“ prangte.

Für ihren Ziegenbock, den „dicken Moritz“, musste Schur allerdings die Deichsel wechseln. „Der passte nicht rein“, sagt Vater Axel Billhardt. Denn die Kutsche war für die Langensalzaer Ziege gebaut. Und die war schmal. Die Billhardts wollten nun mehr über diese Rasse wissen. „Doch viel nachzulesen gibt es über die Tiere nicht“, sagt Billhardt senior.

Bekannt ist, dass die Rasse seit 1989 als ausgestorben registriert ist. Sie ging in der weißen deutschen Edelziege auf. Andere Quellen besagen, dass 1970 die letzten Exemplare der einst in ganz Deutschland bekannten Ziegenart im Arnstädter Zoo starben. Sogar ein Denkmal wurde ihr gesetzt: Die drei Lan­gensalzaer Ziegen aus Bronze auf dem Neumarkt sind ein beliebtes Fotomotiv und locken fast pausenlos Kinder an, die sich auf die metallenen Tiere setzen oder sie streicheln.

2009 wurde das Denkmal eingeweiht und erhielt im Volksmund schnell den Namen „Meckerecke“. Die dazugehörige Tafel besagt, dass die Ziegen „bis über die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts“ gezüchtet wurden. Ihre Eigenschaften laut Inschrift: weiß, kurzhaarig, hornlos, große Milchleistung.

Gespanne gehörten einst fest ins Stadtbild

Und kräftig müssen die Tiere, die oft als „Kuh des kleinen Mannes“ tituliert wurden, trotz ihrer schmalen Statur gewesen sein. Denn vor die Kutsche mit vier Sitzplätzen wurde nur je eine Ziege gespannt.

Billhardts haben schon einiges herausgefunden. Unter anderem in einer Broschüre des Stadtmuseums „Meine Reise nach Langensalza“ nach den Tagebüchern von Georg Adam Debertshäuser aus Meiningen, der sich vor gut 200 Jahren hier im Schwefelbad behandeln ließ.

17 Ziegenkutschen habe es damals gegeben, die die Kurgäste zwischen Bad und ihren Unterkünften hin- und hertransportierten, schildert Debertshäuser. Bis in die 1950er-Jahre gehörten die Gespanne noch zum Stadtbild. Im Stadtmuseum fanden die Billhardts weitere Spuren: Unter anderem ist dort seit 2006 ein Ziegenschlitten zu sehen. Als vor Jahren auch eine Kutsche zum Verkauf stand, ging der Zuschlag jedoch an jemand anderen. „Jetzt weiß ich, an wen“, sagt Axel Billhardt: die Vermieterin auf Rügen.

Die Kutsche sei bis auf die Deichsel original erhalten. Nur die Sitzpolster seien verschlissen. Genutzt wird das Gefährt dennoch, etwa zu Märkten. Und es sei nicht verkäuflich, habe die Gastgeberin gleich klargestellt. „Sie bietet sogar für Kinder an, einen Ziegenführerschein zu machen“, sagt Axel Billhardt. Nächstes Jahr dürften auch seine Enkel diese Kutschen-Fahrererlaubnis machen, auf dem Bock des historischen Gefährts aus ihrer Heimat .

An anderer Stelle, etwa im Rockstuhl-Verlag, sind die Billhardts noch nicht weiter gekommen. Auf einem Ponyhof in Behringen, der früher Langensalzaer Ziegen gezüchtet haben soll, waren sie auch schon. Und im Internet gibt es ein Video, angeblich von 1994, das ein paar Exemplare in einem Gatter zeigt.

Auch ein Mitarbeiter des Stadtmuseums und der frühere Erfurter Zoodirektor hätten sich intensiv mit den Tieren beschäftigt, weiß Axel Billhardt. In der Tat hielt Fritz-Dietrich Altmann im August 2009 zur Einweihung der Skulpturen auf dem Neumarkt eine Rede, in der er von den Ziegen erzählte.

Nun hofft Familie Billhardt, auch über die Veröffentlichung in der Zeitung Menschen zu finden, die Wissen über die Langensalzaer Ziege beisteuern können. Denn selbst im Internet gibt es zu der einst weit verbreiteten Rasse nur spärliche Angaben.

Wer Informationen hat: bitte per E-Mail an langensalza@thueringer-allgemeine.de oder Tel. (03603) 880315

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