Auszeichnung für die Bewahrer ländlicher Historie in Hopfgarten

Hopfgarten (Weimarer Land). 18. Kreisheimattag des Weimarer Landes würdigte engagierte Leute aus Niederroßla, Hohenfelden, Mellingen, Altdörnfeld und Hopfgarten.

Preisträgerin Evely Vent. Foto: Hannsjörg Schumann

Preisträgerin Evely Vent. Foto: Hannsjörg Schumann

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Zu behaupten, Hopfgarten sei reich, würde bei den Hopfgartenern selbst und den Wächtern über die Gemeindefinanzen wohl für ungläubiges Stirnrunzeln sorgen. Dass sich Reichtum nicht allein an verfügbarem Guthaben auf der Bank bemisst, unterstrich das Dorf im Grammetal indes gestern: als Gastgeber des 18. Kreisheimattages im Weimarer Land.

An die 120 Ortschronisten und Heimatfreunde waren der Einladung von Kreisheimatpflegerin Gudrun Braune in die Hopfgartener "Weintraube" gefolgt. Sache von Bürgermeister Roland Bodechtel war es, den Gästen Hopfgarten in Tradition und Gegenwart vorzustellen. Immerhin reicht die Ortshistorie bis zur urkundlichen Ersterwähnung 1172 Jahre zurück.

Einem Hopfgartener Erbstück, der aus dem 14. Jahrhundert stammenden und bis heute erhaltenen "Warte", widmete Frank Boblenz vom Thüringischen Hauptstaatsarchiv den zentralen Vortrag des diesjährigen Kreisheimattages. Hopfgartens Wartturm gehört zu einem von 16 Beobachtungstürmen, die die Stadt Erfurt im Mittelalter rund um ihr Territorium zur Verteidigung errichtet hatte.

Die Beobachterrolle kam im Vorfeld des gestrigen Tages auch dem Landkreis zu - um aus der Vielzahl der Heimatpfleger in der Region jene auszuwählen, die sich in diesem Jahr den Heimatpreis des Weimarer Landes verdient haben. Die Ehre wurde zwei Vereinen und zwei Ortschronistinnen zuteil.

Für einen Kraftakt, der seit zehn Jahren währt und noch längst nicht gestemmt ist, wurde der Burg- und Heimatverein Niederroßla belohnt. Die Enthusiasten aus der Ilmgemeinde setzten sich das Ziel, ihre aus dem 12. Jahrhundert stammende Wasserburg zu erhalten und gaben selbst da nicht auf, als 2008 der Nordost-Giebel einstürzte. In die vormals baupolizeilich gesperrte Burg, die über Deutschlands höchsten Bergfried verfügt, konnten inzwischen das Gemeindebüro und Vereine einziehen. Um Geld für die bisherige Teilsanierung zusammenzutragen, rief der Verein Benefiz-Veranstaltungen ins Leben, etwa den Adventsmarkt und die Versteigerung "unbezahlbarer Gelegenheiten".

Anerkennung für unbezahlbare Vereine

Ebenfalls mit dem Heimatpreis wurde der Brau- und Kulturverein Hohenfelden geehrt - im 35. Jahr des Thüringer Freilichtmuseums. Schließlich übernahm der 2001 gegründete Verein für einige Zeit auch die Rolle des Fördervereins des Museums, warb Sponsoren und übernahm Führungen auf dem Eichenberg. Im Kern aber widmet er sich dem Bewahren der Brautradition, füllt das historische Hohenfeldener Brauhaus bei Brautagen mit Leben und lädt auch zum Braufest ins Museumsdorf.

In den Dienst eines Museums stellte sich auch die Altdörnfelderin Barbara Koch. Aus dem "Stammhaus Luge", das 1651 erbaut wurde und seit 1980 leer stand, ließ sie mit ihrer Familie ein Heimatmuseum entstehen. Die Ortschronistin packte bei der denkmalgerechten Sanierung selbst an und richtete eine museale Begegnungsstätte für ihr Dorf und Gäste ein. Zudem gehört sie zu den Initiatoren, die vor zehn Jahren die Sanierung der Dorfkirche anschoben und sie bis zur Fertigstellung vor wenigen Monaten begleiteten.

Für ihre Gemeinde ist auch die Mellingerin Doris Erbse unverzichtbar. Sie führt die Ortschronik und ist erster Ansprechpartner, wenn es um die Herausgabe hochwertiger Festschriften geht - so auch jener zum 875. Jahrestag der Gemeinde. Zudem lenkt Doris Erbse jene Arbeitsgruppe, die in der restaurierten Malzdarre die Heimatstube einrichtet. Dafür erhielt sie gestern den Heimatpreis.

Eine Anerkennung blieb derweil bei den Gastgebern. Aus den Händen von Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht erhielt die Hopfgartenerin Evelyn Vent den Alexander-Wilhelm-Gottschalg-Preis. Sie ist seit 1996 ehrenamtliche Organistin in der Gemeinde. Anstatt ein Honorar zu beanspruchen, sieht sie das Geld in der Instandsetzung von Hopfgartens Kirche und deren Orgel besser aufgehoben. Nicht ohne Grund ist Evelyn Vent auch Mitglied im Hopfgartener Förderverein zum Erhalt der Kirche "St.Vitus".

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