Besucherstrom in der Waltershäuser Stadtkirche

Waltershausen  Auf ihrer Abschiedstour beglückten die Wise Guys aus Köln am Tag der deutschen Einheit 1200 ihrer Fans

Die Wise Guys aus dem Rheinland begeisterten ihre Fans vom ersten Song an: Björn Sterzenbach, Nils Olfert, Daniel Dickopf (Dän), Marc Sahr (Sari) und Edzard Hünecke (Eddi, von links). Foto: Dieter Albrecht

Die Wise Guys aus dem Rheinland begeisterten ihre Fans vom ersten Song an: Björn Sterzenbach, Nils Olfert, Daniel Dickopf (Dän), Marc Sahr (Sari) und Edzard Hünecke (Eddi, von links). Foto: Dieter Albrecht

Foto: zgt

Die 1200 Sitzplätze in der Stadtkirche, vom Parterre bis zur dritten Empore, wo man dem Himmel ein beträchtliches Stück näher ist, waren restlos ausverkauft, schließlich war es das erste und definitiv auch das letzte Konzert der Wise Guys an diesem Ort. Kommenden Sommer wollen sie sich nach 25 erfolgreichen Jahren auflösen. Leider.

„Es ist nichts für die Masse, es entspricht ja nicht der Norm“ sangen sie in ihrem Auftrittssong, doch die „Masse“ lauschte ihnen begeistert. Kein aufwändiges Akustik-, Nebel-, Licht- und Choreografiespektakel – einfach fünf Männer, die a cappella singen. Und wie! Sonor und leuchtend der Klang der kultivierten Stimmen, rein die Intonation, klar und präzise artikuliert die Sprache, raffiniert die Harmonien, ansteckend der Swing. Schlagzeug und Zupfbass, die für den nötigen Drive des Jazzgesangs sorgen, sind auch dabei – vokal und per Fingerschnipsen einfach perfekt imitiert.

Das Publikum ist gemischt: Vom Schüler bis zum Rentner ist alles vertreten. Und wenn die bekannten und geliebten Texte noch einmal in den Raum schwirren, bewegen sich im Publikum viele Lippen mit.

Die Wise Guys singen deutsch. Nur so lassen sich knackige Botschaften mit Hintergrund vermitteln. Popmusik muss eben nicht anspruchslos sein – diese fünf Vollblutmusikanten beweisen es mit jedem ihrer Lieder. Billige Mätzchen, die solides Können ersetzen, haben sie nicht nötig.

Ihr Stil ist mit dem der Comedian Harmonists nicht zu verwechseln, ihre künstlerische Qualität aber schon. Gleich an zweiter Stelle huldigten sie diesen phantastischen Musikern, denen ihre Kunst nichts nützte in einem Land, das auf ganz Anderes zusteuerte: „Doch dunkle Wolken zogen auf, der Wind blies kalt und scharf, dann die Verzweiflung, weil man nicht mehr auf die Bühne darf ...“

Kurz und gut – Bassist von Format

Diesen Song, wie die meisten anderen auch, schrieb Daniel Dickopf, genannt Dän, der Größte der Fünf. Björn Sterzenbach, ein respektabler Bass, der Kleinste, erst kürzlich zur Gruppe gestoßen, zog diesbezüglich eine lustige Show ab, indem er etwa sang: „Kleine Männer müssen sich den Kopf nicht dauernd stoßen ...“

Die Wise Guys bringen das Kunststück fertig, ernste Fragen mit kabarettistischem Esprit unters Volk zu bringen. Wie sie die üble Manipulationsstrategie, Menschen mit einem Wust an banalen englischen Versatzstücken an tiefgründigem Denken zu hindern, in ihrem Song „Denglisch“ auf die Schippe nehmen, das ist einfach toll: „O Herr, bitte gib mir meine Sprache zurück, ich sehne mich nach Frieden und ‘nem kleinen Stückchen Glück. Lass uns noch ein Wort versteh‘n in dieser schweren Zeit, öffne unsre Herzen, mach’ die Hirne weit.“

Die Themen ihrer Songs sind so vielfältig wie das Leben selbst. Komisch und ein wenig Mitleid erregend ist der Song von einem einstigen Schüler, der seine Deutschlehrerin immer noch liebt, aber offenbar – sein schräges Deutsch beweist es – nicht viel von ihr gelernt hat. Ob Suche nach Identität („Es ist nicht immer leicht, ich zu sein“), vergebliche Liebeshoffungen in „Romanze“, penetrante Selbstüberschätzung („Hallo, hallo, ich bin dein Ohrwurm“), Geborgenheit („Ein Engel, der dich an die Hand nimmt“) – die Liste der Lebensthemen, die die Wise Guys besingen, scheint unendlich.

Zum Schluss erhielt die Gruppe begeisterten Beifall, und drei Zugaben genehmigten die Musiker ihren Fans. Bereits nach dem offiziellen Schlusstitel erhoben sich alle von ihren Plätzen. Nur einer nicht – der Rezensent. Der hatte die ganze Zeit gestanden, denn an einen Presseplatz hatten die Veranstalter nicht gedacht.

Möge so ein Engel wie der im Song auch den dreien zur Seite stehen, die nach der Auflösung der Gruppe beim A-cappella-Gesang bleiben wollen. Dann nämlich als „Alte Bekannte“.