Bratwurst macht winterhart und wetterfest – Rostkultur auf dem Erfurter Domplatz

Erfurt  Start der Grillsaison auf dem Domplatz von Dauerschneefall begleitet – Dennoch bildeten Fans des Thüringer Kulturguts lange Schlangen.

Die amtierenden Thüringer Wursthoheiten, die Thüringer Wurstkönigin Anne Sonntag und der Thüringer Bratwurstkönig Gerhard Herbst, zelebrierten mit einer extralangen Bratwurst den offiziellen Bratwurstanbiss.

Die amtierenden Thüringer Wursthoheiten, die Thüringer Wurstkönigin Anne Sonntag und der Thüringer Bratwurstkönig Gerhard Herbst, zelebrierten mit einer extralangen Bratwurst den offiziellen Bratwurstanbiss.

Foto: Frank Karmeyer

Zwischen großem Geschäftserfolg und geringem Interesse lagen am Samstag auf dem Domplatz nur wenige Meter: Hier gab es begehrten Glühwein, an dem sich die Rostkultur-Besucher gern wärmten, dort harrte wegen der Wetterkapriolen ein Eisverkäufer beinahe völlig vergebens auf Kundschaft. Denn nicht nur die Riesenbratwurst im Brötchen, als Werbeträger für das Thüringer Grill- und Kulturgut auf halbem Weg zwischen beiden Ständen platziert, trug neben einer Senf- diesmal auch eine Schneeschicht. Bei Minusgraden war die Grillsaison bereits einmal in den vergangenen zwölf Jahren eröffnet worden, erinnerte sich Uwe Keith vom Bratwurstmuseum in Holzhausen, nun aber kam erstmals für das Fest auch Schnee hinzu.

Vermeintlich kennt ein echter Thüringer das Wort „Angrillen“ nicht, weil er ganzjährig und wetterunabhängig die Bratwurst auf dem Rost platziert, erwiesen sich die Besucher der Rostkultur am Samstag ebenso winterhart und wetterfest. Der Riesen-Thüros-Grill war von Oberbürgermeister Andreas Bausewein noch nicht entzündet, das waren die ersten quasi Frühstückswürste schon vertilgt. Die Fackel zum festlichen Akt hatten Läufer in den Vorjahren immer aus Holzhausen zum Domplatz gebracht. Diesmal, so verriet Michael Seever alias „Johann von Siebleben“, der die heldenhaften Frauen und Männer anführte, hatten sie die Strecke auf 21 Kilometer abgekürzt. Acht Kilometer weniger und ein Start in Arnstadt standen diesmal auf dem Programm der erfahrenen Rennsteigläufer, um dem eisig-scharfen Wind und glattesten Strecken zu entgehen.

Die besten Plätze hatten am Samstag die Bratwurstbrater an den 14 Bratwurstständen an ihrem wärmenden Grill, angesichts von Temperaturen um Minus sechs Grad. Rund 12 500 Besucher zählten die Veranstalter dennoch, aus Frankreich, Japan, Berlin und Meiningen. „Diese Rostkultur hat gezeigt, dass die Veranstaltung bei den vielen Bratwurstanhängern trotz Winterwetter einen festen Stellenwert besitzt“, zieht Uwe Keith im Namen des Veranstalters „Herkunftsverband Thüringer und Eichsfelder Wurst und Fleisch e.V.“ das Fazit. Trotz Dauerschneefalls bildeten sich lange Schlangen an den Bratwurstrosten der 14 Bratwurstproduzenten aus allen Regionen Thüringens. Ebenso zum Verkosten dessen, was die „Freunde der Thüringer Bratwurst e. V.“ auf einer zweiten Bühne als exotische wie traditionelle Rezepte mit der Bratwurst vorstellten. Tanja Harding kredenzte hier mit den „Grilltypen 1404“ manch leckere Kreation – vom Grillkäse bis zum Bratwurst-Sushi. In der „Thüringer Wurstmanufaktur“ wurde dargestellt, wie vor 200 Jahren die Original Thüringer Rostbratwurst aufwendig noch in Handarbeit hergestellt wurde.

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