Christine Grabe ist tot: Die Mutter der friedlichen Revolution in Eisenach

Norman Meißner
| Lesedauer: 2 Minuten
Christine Grabe starb nach langer Krankheit kurz vor Weihnachten. Foto: Gitta Schäfer

Christine Grabe starb nach langer Krankheit kurz vor Weihnachten. Foto: Gitta Schäfer

Foto: zgt

Eisenach  Nachruf: Die gelernte Krankenpflegerin und mutige Bürgerrechtlerin, ist nach langer Krankheit gestorben

Mit einer Kerze in der Hand begehrt Christine Grabe im Herbst 1989 als eine der ersten Mutigen in Eisenach gegen den bis an die Zähne bewaffneten DDR-Machtaparat auf. Ihren unerschrockenen Einsatz ehren viele Wartburgstädter damals mit der Bezeichnung „Mutter der friedlichen Revolution“. Die couragierte Eisenacherin ist nach einer zwei Jahre währenden schweren Krankheit kurz vor Weihnachten im Alter von 68 Jahren verstorben.

Welches Waffenarsenal damals für den Machterhalt des totalitären SED-Regimes erforderlich ist, offenbart sich Christine Grabe, als sie mit anderen im Spätherbst 1989 die Kreisstelle der Staatssicherheit in der Eisenacher Kurstraße ausräumt. Trotzdem stemmt sie sich damals gegen eine Vergeltung der Mitläufer. Mit ihrer Geradlinigkeit und offenen Art erreicht sie die Herzen vieler Menschen.

Wolf Biermann nennt sie in seiner Biografie

Sie weicht keinen Schritt von ihren Maximen ab, auch nicht, als sie 1990 bei Protesten gegen die erste Vereidigung von Bundeswehrsoldaten in den neuen Bundesländern unsanft abgeführt wird. Ihr humanistisches Weltbild gerät nie ins Wanken. Eine Bitte brauchte kein zweites Mal an sie herangetragen werden – ihr Organisationstalent beeindruckte immer wieder.

Mit dem Eisenacher Ralf Päsler streitet sie in der ersten frei gewählten Volkskammer für ihre Ideale eines modernen Staates. Mit Bündnis 90/Die Grünen zieht sie darauf in den neuen Thüringer Landtag ein.

Im Ausschuss für Soziales und Gesundheit sowie im Gleichstellungsausschuss ringt Grabe Anfang der 90er-Jahre für mehr soziale Gerechtigkeit. Doch es offenbart sich für die Fraktionsvorsitzende immer stärker die Macht des Politkommerzes. Sie resigniert und zieht sie sich auch aufgrund des verpassten Wiedereinzuges der Grünen ins Landesparlament aus der Politik zurück. Christine Grabe ist die einzige Westthüringer Politikerin, die der frühere DDR-Liedermacher Wolf Biermann in seiner jetzt veröffentlichten Autobiografie „Warte nicht auf bessre Zeiten!“ erwähnt.

Christine Grabe kommt am 29. Juni 1948 in Fürstenwalde-Süd zur Welt. In Neustadt/Orla und Saalfeld erlernt die junge Frau nach der Schulzeit ab 1965 den Beruf der Krankenpflegerin, den sie mit Hingabe ausübt. Ihren späteren Mann Carl-Heinz Grabe lernt die junge Krankenschwester im evangelischen Säuglingsheim Magdeburg kennen, als er während seiner Diakonenausbildung dort ein Praktikum absolviert.

Die Trauerfeier findet am Samstag, 7. Januar, 10 Uhr, auf dem Friedhof in Eisenach statt.