Das Totenbuch der Mühlhäuser Franziskaner

Mühlhausen  Neu-Edition des historischen Werks wird in der Kornmarktkirche in der Kreisstadt vorgestellt.

So sieht das Original, das Totenbuch der Mühlhäuser Franziskaner aus.

So sieht das Original, das Totenbuch der Mühlhäuser Franziskaner aus.

Foto: Michael Fiegle

Nur unter Glas und in geschlossenem Zustand wurde sie im Mühlhäuser Stadtarchiv bisher der Öffentlichkeit präsentiert: Die Originalhandschrift des Totenbuchs der Mühlhäuser Franziskaner.

Einen Blick hinein ermöglichte die Vorstellung des neu erschienenen gleichnamigen Buches am Freitagnachmittag in der Kornmarktkirche in Mühlhausen. Zum „Stöbern nach historisch Sonderbarem“ forderte Christian Loefke zum Schluss seines Kurzvortrages ein. Der Dortmunder Historiker ist Mitarbeiter der Fachstelle für Franziskanische Forschung in Mühlhausens Partnerstadt Münster und widmet sich unter anderem seit 2011 der wissenschaftlichen Erforschung des Mühlhäuser Totenbuchs.

Die Neuerscheinung wurde als Band 21 durch die historische Kommission für Thüringen herausgegeben und enthält im ersten Teil die Eintragungen zu Verstorbenen von etwa 1300 bis 1465. Die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit hat Loefke dem Buch als Kommentar vorangestellt. Der zweite Buchteil umfasst eine Zusammenstellung von Ablässen für das Mühlhäuser Franziskanerkloster, die Kustodie Thüringen und die Sächsische Franziskanerprovinz. Mit 150 Brüdern befand sich in Mühlhausen einer der größten Franziskaner-Konvente der ehemaligen Provinz Saxonia. Die Kornmarktkirche war die ehemalige Kirche „Sankt Crucis“ des Mühlhäuser Franziskanerklosters und wurde daher als Veranstaltungsort für die Buchpräsentation gewählt. Im Totenbuch verzeichnet sind nicht nur Hunderte Namen der in Mühlhausen verstorbenen Kloster-Brüder selbst, sondern auch deren Eltern, bei den Brüdern Begrabene und Wohltäter des Ordens. Das Buch sei aufgebaut wie ein Kalender und habe auf dem Altar gelegen. So habe man im Gottesdienst den Verstorbenen eines jeden Kalendertages gedenken können. Als das Franziskaner-Kloster in Mühlhausen 1542 aufgelöst wurde, kam das Totenbuch in den Besitz des Mühlhäuser Stadtarchivs. Nur von Coburg, Hamburg, Bremen und Görlitz seien weitere Totenbücher erhalten geblieben, sagte Loefke.

Mühlhausens Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD) würdigte das Buch in seinem Grußwort als „eine hochbedeutende historische Quelle aus unserem Stadtarchiv“. Er bedankte sich beim Freistaat Thüringen, bei der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Sparkasse Unstrut-Hainich und beim Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegeverein, die den Druck des Buches durch Fördergelder und Spenden ermöglicht hatten.

Helge Wittmann hatte am Freitagnachmittag das Schlusswort. Der Leiter des Mühlhäuser Stadtarchivs wies ausdrücklich darauf hin, dass erst die Restaurierung der Original-Handschrift in der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen die Neuedition ermöglicht habe.

Auf einen kuriosen Eintrag im Totenbuch machte er zudem OB Johannes Bruns aufmerksam. Es verzeichnet mit Johannes Brunse einen Laienprediger ähnlichen Namens, der um 1400 in Mühlhausen lebte.