Der Opel Adam aus Eisenach ist Geschichte

Eisenach  Der Opel Adam aus Eisenach ist Geschichte. Die Beerdigung erfolgt im engsten Familienkreis. PSA krempelt Werk und Logistik um. Große Unsicherheit herrscht auch bei Zuliefer-Betrieben in der Region.

Einige der letzten produzierten Opel Adam stehen aufgereiht auf dem Parkplatz am Opelwerk in Eisenach.

Einige der letzten produzierten Opel Adam stehen aufgereiht auf dem Parkplatz am Opelwerk in Eisenach.

Foto: Jensen Zlotowicz

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Der letzte Opel Adam (in blau) und der letzte Corsa (in rot) rollten am Freitag vom Band im Werk am Gries. Damit geht eine Ära zu Ende, die beim Adam 2013 und beim Corsa vor 26 Jahren begann. Er wird künftig in Spanien gebaut. Dem Corsa weinen viele der derzeit etwa 1400 Opelaner kaum eine Träne nach. Den Adam hat man dagegen ins Herz geschlossen. Sein Ende sei bedauerlich, heißt es von Werkern. Die Adams, die derzeit zahlreich auf den Werksparkplätzen stehen, seien verkauft. Eine Bestellung des Kleinwagens ist nur noch bis Ende des Jahres möglich. Viele Großhändler hätten deshalb noch geordert. Im Werk werden bis nächste Woche noch reichlich Autos repariert, um alle Fahrzeuge zum Kunden zu bringen.

Im Eisenacher Opelwerk herrscht gerade Hektik und großer Druck auf alle Beteiligten. Der Umbau für den Bau der Produktionslinie für das neue Model „Grandland X“ ist bereits im Gange, nimmt ab der nächsten Woche dann volle Fahrt auf. Bis zu 1000 externe Leute sollen daran beteiligt sein, heißt es aus der Projektgruppe bei Opel.

Derzeit gibt es keine offiziellen Kommentare

Offizielle Verlautbarungen gibt es nicht. Auch da geht PSA neue Wege. Führungsetage, Presseabteilung und Betriebsrat geben derzeit keine offiziellen Kommentare, ducken sich auf Anfrage sogar ab. Die Nerven im Werk liegen ob der großen Herausforderungen und Unwägbarkeiten zum Teil blank, berichten Mitarbeiter. War der Start der Adam-Produktion im Januar 2013 sogar noch Thema im ZDF-Morgenmagazin, rollte der letzte Adam trotz Medienanfragen unter Ausschluss der Öffentlichkeit vom Band. Die Beerdigung fand im engsten Familienkreis statt. Bei den Zulieferern herrscht derweil große Unsicherheit. Sie stehen vor einer ungewissen Zukunft. Keiner von ihnen habe für den „Grandland“ bisher einen Vertrag mit PSA, weiß IG-Metall-Bevollmächtigter Uwe Laubach, der das Verhalten der Franzosen „unerträglich“ findet.

Die TVS Supply Chain Solutions GmbH soll angeblich den Auftrag für die Heckklappe bekommen haben, wird kolportiert. Mitarbeiter von Zulieferfirmen werden wie Opelaner selbst bis Mitte/Ende August in Kurzarbeit geschickt, nicht wissend, ob sie danach einen Job in dieser Firma haben. Laubach habe Ähnliches noch nicht erlebt.

Beim Start des Grandland werde alles mit heißer Nadel gestrickt. Im schlimmsten Fall drohten in den nächsten Wochen Betriebsschließungen. In einer kleineren Firma sei schon ein Sozialplan aufgestellt worden. Die Opelaner nehmen in der Kurzarbeit ihren Jahresurlaub, werden zudem in Trainingsmaßnahmen für die neuen Aufgaben geschult. Die Grandland-Produktion soll im September starten.

Auch von Liegenschaften (Freiflächen, Produktionshalle, Lager, Büros) östlich des Werkes getrennt

Im Zuge des Werksumbaus hatte sich PSA zum 1. Januar auch von Liegenschaften (Freiflächen, Produktionshalle, Lager, Büros) östlich des Werkes getrennt. Die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) erwarb diese Immobilien, bestätigte die LEG.

Mit der Übernahme von Opel durch PSA sei allen Beteiligten klar gewesen, dass man sich auf Veränderungen einstellen müsse. „Die neue Strategie, die Logistik von der Schiene auf die Straße zu verlagern, gefällt mir politisch und ökologisch nicht, muss aber letztlich als unternehmerische Entscheidung respektiert werden“, kommentiert Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) den Plan des französischen Mutterkonzerns, die Logistik am Opel-Standort Eisenach komplett auf die Straße zu verlagern und den Gleisanschluss samt Container-Terminal am Werk auszublenden.

Die Bahnanschlüsse hatte PSA zum 30. Juni 2018 gekündigt und damit die Hörseltal-Bahn als Dienstleister auf das Abstellgleis gestellt, so Geschäftsführer Stefan Lohr. Das selbe Schicksal hat den bisher für Opel tätigen Logistiker Raben Group ereilt (wir berichteten mehrfach).

Seit der Übernahme großen Aufwand betrieben

PSA will die gesamte Logistik des Automobilbauunternehmens auf neue Füße stellen und betreibt dafür seit der Übernahme großen Aufwand. Sogar die Entwidmung und den Rückbau von Gleisen hatten die Franzosen beantragt, um Werksstraßen zu verbreitern. Dafür bekam PSA allerdings keine behördliche Genehmigung. Im Anhörungsverfahren gab es Widerstand. Das neue Logistikkonzept ist dem Vernehmen nach mit einer veränderten Betriebserlaubnis verbunden. Von Seiten der zuständigen Landesministerien (Infrastruktur/Umwelt) gab es dazu bisher noch keine Stellungnahme.

Die Zahl der für Opel rollenden Lastwagen auf Eisenachs Straßen würde sich somit vervielfachen. Insider sprechen von mehr als 200 Lkw täglich. Derzeit sind es 50 bis 60. „Neben der Sicherung der Arbeitsplätze und des Knowhows unterstütze ich auch alle Anstrengungen, wieder eine Vollauslastung des Eisenacher Opel-Werkes zu erreichen. Damit verbinde ich auch die Hoffnung, dass das in Aussicht gestellte Konzept zur Rückkehr auf die Schiene auch realisiert wird“, sagt Eisenachs OB Katja Wolf.

Im Gries brechen neue Zeiten mit französischer Note an, die nun mehr denn je auch spürbar wird. Das Gros der Opelaner blickt dennoch positiv in die Zukunft. Wie viele Autos künftig gebaut werden, dazu kursieren bisher auch nur Gerüchte. Diese berichten von 98.000 Stück im niedrigsten und 120.000 im höchsten Fall. Ein zweites Modell wie von vielen gefordert ist derzeit Utopie.

Unsichere Zukunft für Zulieferer des Eisenacher Opel-Werkes

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