Der Wald als Lernort

Finsterbergen  Förster Ulf Köbis organisiert mit Helfern die Waldjugendspiele im Landkreis Gotha. Die Wissensvermittlung in der Natur ist für ihn Herzenssache.

Förster Ulf Köbis in seinem Büro mit dem Schlaufuchs – den bekommt der Sieger der Waldjugendspiele 2018 als Wanderpokal für ein Jahr.

Foto: Klaus-Dieter Simmen

Wann auch immer im Forstamt Finsterbergen Waldjugendspiele stattfanden, Ulf Köbis war natürlich dabei – wie all seine anderen Kollegen auch. „Ohne den Einsatz aller läuft gar nichts“, sagt er. Es mussten sogar Helfer aus dem benachbarten Forstamt Oberhof und Pensionären hinzugezogen werden.

Immerhin sind in der Regel mehr als 300 Grundschüler an diesem Tag zu betreuen. Wenn heute erneut der Wald um Finsterbergen für Mädchen und Jungen zu einem Klassenzimmer der besonderen Art wird, ist der Revierförster aus Winterstein erneut mit von der Partie. Doch diesmal hat er den Hut auf.

Was Axel Dreißigacker über Jahre hinaus organisiert hat, wurde nun in Köbis’ Hände gelegt. Nicht von ungefähr, denn der Förster ist gern mit Kindern im Wald. Egal ob Kindergarten-Gruppen oder Schüler, mit Leidenschaft erzählt er ihnen vom Wald. „Dabei erfahre ich immer wieder, wie wichtig Waldpädagogik ist“, sagt er.

Einmal sei von den Kindern aus der Kita ein Mädchen auf ihn zugekommen und habe gesagt, wie schön es doch im Wald sei und wie sehr sie sich freue, das gesehen zu haben. Auf Nachfrage, erzählt Köbis, habe ihm das Mädchen gestanden, noch nie im Wald gewesen zu sein. „Das ist kein Einzelfall, umso wichtiger sind daher die Waldjugendspiele.“

Was in wenigen Stunden vorbei ist, braucht lange Vorbereitung. Beginnend mit der Einladung an die Grundschulen. Und die müssten nicht selten wiederholt werden, weil darauf keine Reaktion erfolge. Das erledige dankenswerterweise Sekretärin Monika Recknagel, sagt Köbis. Er muss sich mit der Regionalen Verkehrsgemeinschaft in Verbindung setzen, damit der Transport zu und von den Waldjugendspielen funktioniert. „Es ist schon passiert, dass die Kinder vor der Siegerehrung abgeholt wurden und gar nicht mehr mitbekamen, wie gut sie abgeschnitten haben.“ Das will der Förster auf alle Fälle vermeiden.

Wichtig auch die Sponsorensuche. Klar, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gibt Geld für die Aktion. Doch die Kinder wollen auch verpflegt werden. Darum kümmert sich seit Jahren schon die Fleischerei Zitzmann aus Erfurt, die Bockwürste liefert. Und für das Rahmenprogramm am Forsthaus müssen Jahr für Jahr wieder die Akteure angeheuert werden. „Zum Glück kommen sie alle gern“, freut sich Köbis. Der Naturschutzbund (Nabu) ist ebenso regelmäßig vertreten wie die Bergwacht aus Ohrdruf.

Ersterer bringt den Kindern Tiere zum Anfassen mit, wie Feuersalamander und Laubfrosch. Dafür sorgt Kreisvorsitzender Ronald Bellstedt. Die Bergwacht bringt mit ihrer mobilen Kletterwand sportliche Herausforderung zum Forstamt. Mit dabei regelmäßig auch Manfred Göring. Das Nabu-Mitglied macht die Kinder mit Singvögeln und deren Gesang vertraut.

Geschicklichkeit beim Zapfenzielwerfen

All das steht am Ende, denn zuvor müssen die Mädchen und Jungen an verschiedenen Stationen im Wald ihr Wissen testen – und Geschicklichkeit beweisen, etwa beim Zapfenzielwerfen. Wer hier siegt, bekommt den Schlaufuchs als Belohnung. Der steht dann für ein Jahr in der Siegerschule. Im vergangenen Jahr zeigten sich die Emleber Aktivschüler als beste Waldexperten.

Köbis macht eine Fortbildung zum Waldpädagogen. Dabei findet er Anregungen, die er bei den Waldjugendspielen umsetzen will. Spielerisch sollen biologische Zusammenhänge vermittelt und Kinder für Wald und Umwelt sensibilisiert werden. Vielleicht, sagt der Förster, werde er den Fokus weniger auf den Wettbewerb der Kinder untereinander legen und mehr auf spielerische Wissensvermittlung.

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