Domplatz 1: Miriam Agischewa - die Chefärztin aus „In aller Freundschaft“

Erfurt. In der Krankenhaus-Serie „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“ spielt Marijam Agischewa die Rolle von Prof. Dr. Karin Patzelt, Chefärztin des Erfurter Klinikums. Im Domplatz 1-Interview erlebten sie die Leser unserer Zeitung als liebenswürdige und freundliche Gesprächspartnerin.

Die Schauspielerin Marijam Agischewa beim Leser-Interview in der Erfurter Stadt- und Regionalbibliothek am Domplatz 1. Aktuell spielt sie Prof. Dr. Karin Patzelt in der ARD-Vorabendserie „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“. Foto: Marco Kneise

Die Schauspielerin Marijam Agischewa beim Leser-Interview in der Erfurter Stadt- und Regionalbibliothek am Domplatz 1. Aktuell spielt sie Prof. Dr. Karin Patzelt in der ARD-Vorabendserie „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“. Foto: Marco Kneise

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Christine Voigt: Was ist Prof. Dr. Karin Patzelt für eine Frau?

In der Serienbibel wurde Frau Prof. Dr. Patzelt als eine Frau beschrieben, deren Blick „Ozeane gefrieren“ lässt. Das war für mich eine große Herausforderung! Ich habe ausführlich überlegt, wie ich das umsetze. Ich glaube, nicht nur für mich ist eine souveräne Chefin das, was man sich wünscht. Und wie schwer es ist, gerade in Konfliktsituationen souverän zu bleiben, weiss wohl jeder aus eigener Erfahrung. Frau Prof. Patzelt schafft es ganz gut. Sie ist eine faire Führungskraft mit höchster Qualifikation. Sie stellt ihr Privatleben in den Dienst des Krankenhauses, was ihr aber durchaus auch Probleme bereitet.

Monika Besser: Sie haben ein bewegtes Leben mit vielen Stationen – was ist für Sie Erfolg?

Ein befreundeter Psychologe hat mal zu mir gesagt: Erfolg ist, wenn man sein eigenes Lebensziel erreicht. Manchmal kommt man da ein bisschen vom Weg ab. Wie beim Konsum: man lässt sich blenden und kauft Dinge, die man eigentlich gar nicht braucht. Wenn man sein Lebensziel verfolgt, sollte man schon sehr genau unterscheiden zwischen dem, was man wirklich will und dem, was man nur gerne hätte. Das schützt vor Unzufriedenheit.

Uwe Koch: Acht Millionen Menschen sehen „In aller Freundschaft“, zweieinhalb Millionen den Ableger „Die jungen Ärzte“. Wie wichtig ist es Ihnen, dass Ärzte und Krankenhaus dabei realistisch dargestellt werden?

Das so viele Menschen unserer Serie ansehen, macht uns sehr glücklich, zumal wir inzwischen eine echte Fangemeinde haben. Natürlich geben wir uns alle Mühe, die medizinischen Fälle so realistisch wie möglich darzustellen, aber es ist und bleibt Fiktion. Wir drehen eine Fernsehserie zur Unterhaltung, es ist keine Dokumentation über den medizinischen Alltag im Krankenhaus. Aber natürlich werden aktuelle Themen aufgegriffen.

Dass man uns mit besonderen Augen sieht, ist uns bewusst. In den 80er-Jahren sind viele Leute in der Schwarzwaldklinik angereist, um sich behandeln zu lassen. Wir haben in der Serie auch schon Flüchtlinge umsonst behandelt im Krankenhaus, was viele unterschiedliche Reaktionen ausgelöst hat.

Monika Besser: Haben Sie Einfluss auf das Drehbuch?

Wir sprechen in regelmäßigen Abständen über unsere Arbeit an der Serie, werten Erfahrungen aus und diskutieren neue Vorschläge. Natürlich können wir als Schauspieler auch eigene Ideen einbringen. Die Anregungen werden notiert.

Ob sie am Ende in den Drehbüchern umgesetzt werden können, hängt von sehr vielen Faktoren ab.

Christine Voigt: Was bereitet Ihnen eigentlich am meisten Spaß beim Drehen?

Wir sind eine ganz tolle Truppe! Ich weiß das sehr zu schätzen, denn das ist ja nicht immer so, wenn viele verschiedene Charaktere aufeinandertreffen. Am meisten mag ich die Szenen, in denen der Mensch hinter dem Prof.-Dr. zum Vorschein kommt. Naja, aber manchmal muss man eben auch Abläufe bedienen, wie zum Beispiel nach einem Skalpell fragen.

Helmut Besser: Vermissen Sie beim Drehen den Applaus, den man auf einer Theaterbühne manchmal sogar während eines Stückes bekommt?

Nein, den vermisse ich nicht. Bühne und Film sind zwei völlig unterschiedliche Arbeitsformen. Was durchaus Vor- und Nachteile hat. Am Theater hat man natürlich die sofortige Resonanz und man kann Einfluss auf das Publikum nehmen. Allerdings gibt es auch Tage, da gibt das Publikum keinen Pieps von sich und lacht auch nicht.

Dafür kann man beim Filmdreh Szenen wiederholen. Theaterspielen als Dauerprogramm wäre aber nicht meins. Man muss immer zur Tagesschau-Zeit zur Arbeit. Die anderen haben Feierabend, man selbst steht auf der Bühne und kommt erst nach Haus, wenn schon alle schlafen. Irgendwann bewegt man sich nur noch unter den eigenen Theaterkollegen. Das entspricht nicht meinem Lebenskonzept.

Nele Kühn: Haben Sie durch die Serie an medizinischem Wissen dazugelernt?

Man lernt immer mal wieder was dazu. Dazu erzähle ich Ihnen gern eine Anekdote: Ich habe vor vielen Jahren mal in einer anderen Arztserie eine Krankenschwester gespielt. Da gab es einen Fall von einer Hautkrankheit. Nun hatte ausgerechnet die Tochter meiner Nachbarin genau damit Probleme, die Ärzte sagten allerdings mal so und mal so.

Mit meinem Wissen aus dem Drehbuch konnte ich der Familie immerhin einen Tipp geben. Und was soll ich Ihnen sagen, das war es! Das Kind ist geheilt. Solche Dinge passieren – auch wenn es in diesem Fall natürlich eher ein Zufall war.

Christine Voigt: Welche Rolle würden Sie denn in Zukunft gerne einmal spielen?

Ich habe mal in einer Produktion eine Manisch-Depressive gespielt. Das war sehr gut recherchiert. Die Rolle war sehr anspruchsvoll und die Umsetzung hat mir sehr viel Spaß gemacht. Alles, was irgendwie ins Psychische geht, finde ich einfach spannend. Ich habe aber auch durchaus Lust auf eine richtig trockene Komödie.

Am Kudamm-Theater in Berlin habe ich in dem Stück „Kalendergirls“ gespielt. Es ist eine wahre Geschichte von schon reiferen Frauen vom Lande, die sich für einen Kalender nackt fotografieren ließen, um für einen wohltätigen Zweck Geld zu spenden.

Am Ende konnten sie 650 000 Pfund spenden! Aus der Not, mit dem Thema Nacktfotos umzugehen, ergab sich eine wunderbare Komik.

Helmut Besser: Sie haben einen fremdländisch klingenden Namen, der manchen vielleicht nicht so leicht über die Lippen geht. Haben Sie schon einmal über einen Künstlernamen nachgedacht?

Nein, man kennt mich schon zu lange unter dem Namen Agischewa. Aber ganz eigentlich heiße ich Melan Schwarz. Ich bin ja in China zur Welt gekommen. Melan ist ein chinesischer Vorname, der so viel bedeutete wie „Woge von Pflaumenblüten“. Und Schwarz ist der Name meines Vaters, er war Österreicher. Während der Kulturrevolution sind meine Eltern ausgereist. Meine Mutter, eine Tatarin, hieß Agischewa, was aus rein bürokratischen Gründen auf mich übertragen wurde.

Monika Besser: Waren Sie schon mal in Ihrer chinesischen Geburtsstadt?

Ja, ich war mal in Hangzhou. Das ist in der Nähe von Shanghai und mit 8 Millionen Einwohnern für chinesische Verhältnisse eher eine Kleinstadt. Sie liegt wunderschön am Westsee, über den es sehr viele Geschichten und Gedichte in China gibt.

Christine Voigt: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Wenn ich frei habe, koche ich leidenschaftlich gerne. Mein Mann isst auch sehr gerne, deshalb habe ich da eine dankbare Aufgabe. Wir haben auch oft Freunde zu Gast, die ich dann bekoche. Mein Mann und ich sind große Museumsgänger. Berlin hat ja viel zu bieten. Wir haben eine Jahreskarte und können immer und überall ohne Probleme hinein. Deshalb sind wir eigentlich jede Woche unterwegs. Außerdem lieben wir es auch, in die Oper und in das Ballett zu gehen.

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