Ein kleines Stelldichein beim Stellmacher in Stedtfeld

Stedtfeld  Der Stedtfelder Karosseriestellmacher Horst Müller bewahrt den Handwerksbetrieb seines Vaters Friedrich Müller im Originalzustand

Der Karosseriestellmacher Horst Müller zeigt in der 1933 von seinem Vater Friedrich Müller gegründeten Stellmacherei ein Verschleißteil aus einer alten, hölzernen Dreschmaschine. Stellmacher bauten solche Teile exakt nach. Auch zum Denkmaltag 2018 will er die Stellmacherei öffnen.

Der Karosseriestellmacher Horst Müller zeigt in der 1933 von seinem Vater Friedrich Müller gegründeten Stellmacherei ein Verschleißteil aus einer alten, hölzernen Dreschmaschine. Stellmacher bauten solche Teile exakt nach. Auch zum Denkmaltag 2018 will er die Stellmacherei öffnen.

Foto: Norman Meißner

Werkzeugstiele, Schubkarren, Leitern, ganze Rechen und auch der Schlitten zum Rodeln bekommt man im Baumarkt; vor einem halben Jahrhundert bemühte man sich in ländlichen Gegenden für den Erwerb solcher Gegenstände noch zum Stellmacher. Bis 1956 betrieb Friedrich Müller eine eigene Stellmacherei in Stedtfeld. „Er hat sie 1933 eröffnet und hatte damals gerade seinen Meister gemacht“, erinnert sich sein Sohn Horst Müller, der in die Fußstapfen seines Vaters trat. 1955 startete er in der väterlichen Werkstatt die Stellmacher-Lehre; sie endete jedoch zwei Jahre später in der Karosseriebaufirma Aßmann in Eisenach als Karosseriestellmacher.

Die zunehmende maschinelle Fabrikation machte den Stellmachern damals ihr Handwerk schwer. Friedrich Müller wechselte zur Eisenbahn, um die Familie auskömmlich ernähren zu können. Die Stellmacherei betrieb er nur noch nebenbei mit Auftragserledigungen für die LPG. Dank der Umsicht seines Sohnes existiert die Stellmacherei Müller noch heute.

Als Horst Müller im Wendejahr 1989 erstmals einen Baumarkt betrat und die ungewohnte Fülle an Elektrowerkzeugen betrachtet, wollte er spontan alle klobigen Stellmacher-Maschinen von einem Schrotthändler abholen lassen. „Ich konnte mich zunächst nicht durchringen“, erzählt der heute 77-Jährige. In den 90er Jahren war es der glückliche Umstand, dass dem Berufstätigen einfach die Zeit fehlte, um über das Für und Wider der Stellmacherei zu sinnieren. „Später wusste ich nicht, wie ich damit umgehen sollte, weggeschmissen ist ja alles schnell“, fährt er fort. Bis ins Wendejahr schnurrten die Bandsäge, die Abrichte, die Langlochbohrmaschine oder die Drechselbank noch anstandslos, die ein Elektromotor über Transmissionen in Bewegung setzte. „Aber nur in Nachbarschaftshilfe, wenn mal etwas zu reparieren war“, erzählt Horst Müller.

Die Stellmacherei erfuhr seit 1933 keine Modernisierung – die Zeit scheint seit damals in dem Schuppen in der Oberlandstraße stehengeblieben zu sein. Seit 2015 ermöglicht der Stedtfelder jedes Jahr zum Denkmaltag Interessierten eine Zeitreise in das Stellmacherhandwerk. Das Motto „Handwerk“ zum Denkmaltag 2015 sprach ihn an und er sprach Fritz Jäger aus Herda an. „Er war 1955 mein Lehrgeselle bei meinem Vater“, erklärt der Stellmacher. Dieser habe ihm Mut gemacht, die Stellmacherei für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kürzlich nutzten mehr als 70 Technikinteressierte die Gunst der Stunde und pilgerten zum Denkmaltag zur Stedtfelder Stellmacherei. Die Gäste zeigten sich begeistert und staunten nicht schlecht, dass Horst Müller hier Schlitten, Schubkarren, Wagenräder, Leitern und Bäckerwerkzeuge herstellte und reparierte. Eine alte, an die Wand der Stellmacherei gelehnte Muskrücke, in dem inzwischen der Holzwurm Nahrung hat, verdeutlicht nicht nur, wie aufwendig die Herstellung des Gerätes ist, sondern auch wie schwer das stundenlange Musrühren im Kessel war. „Ein ganzer Schäferwagen für den Schäfer in Stedtfeld war das letzte Großprojekt“, erinnert sich der Stellmacher an die 50er Jahre.

Nicht nur Horst Müller trat in die beruflichen Fußstapfen seines Vaters. Auch Friedrich Müller erlernte das Handwerk seines Vaters. „Mein Großvater Christoph Müller stammt aus Bischofroda und kam 1892/93 nach Stedtfeld und baute sich eine eigene Stellmacherei auf, sie existiert heute nicht mehr.“

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.