Fackelmarsch: Jahrestreffen der Deutschen Burschenschaft in Eisenach

Eisenach  400 Burschenschafter zogen mit Einsetzen der Finsternis in einem Fackelmarsch zur Langemarck-Gedenkstätte, um der gefallenen Studenten des Gefechts am 10. November 1914 in der Nähe des belgischen Ortes Langemarck nördlich von Ypern zu gedenken.

Nachdem noch in der Vorwoche die Langemarck-Gedenkstätte von Gegnern der Burschenschaft beschmiert wurde, blieb es zur Totenehrung ruhig. Foto: Norman Meißner

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Nach der „Beschriftungsaktion“ am Burschenschaftsdenkmal und der öffentlich von den Bundesbrüdern vor dem Abgeordnetenbüro der Linken geforderten Distanzierung von dieser Sachbeschädigung ging am Wochenende das Jahrestreffen der Deutschen Burschenschaft in Eisenach und Seebach doch ruhig, ohne Ausschreitungen, Krawalle und Proteste über die Bühne.

„Es ist alles friedlich – es gibt keine Zwischenfälle“, sagt die Leiterin der Polizeiinspektion Eisenach, Bianka Ißleib, während des Totengedenkens am Fuße des Burschenschaftsdenkmals am späten Freitagabend. Ein überschaubares Aufgebot von Einsatzkräften mit mehreren Streifenwagen sicherte die Veranstaltung ab. Rund 400 Burschenschafter zogen mit Einsetzen der Finsternis in einem Fackelmarsch zur Langemarck-Gedenkstätte, um der gefallenen Studenten des Gefechts am 10. November 1914 in der Nähe des belgischen Ortes Langemarck nördlich von Ypern zu gedenken.

Schmierereien am Burschenschaftsdenkmal gebe es hin und wieder mal, aber bisher nicht in dem starken Ausmaß. Die Verunreinigung konnte die Spezialfirma noch nicht gänzlich beseitigen. „Die Reinigung auf dem Naturstein erweist sich als sehr aufwendig“, informiert Philip Stein, Sprecher der Burschenschaft. Die Farbbeutel wurden teils sehr hoch an das Denkmal geworfen, sodass für die Entfernung ein Baugerüst gestellt werden muss. Der Dachverband als auch der Denkmalverein lobten zusammen eine Prämie für die Ergreifung und Verurteilung der verantwortlichen Schmierer aus. Teils würden deutschlandweit Gebäude der 70 Mitgliedsburschenschaften sogar wöchentlich beschmiert, so Philip Stein.

Die Tagungen der Bundesbrüder waren beim diesjährigen Treffen neben erbittert geführten politischen Auseinandersetzungen auch von interner organisatorischer Arbeit geprägt. Einer der wichtigsten Beratungspunkte war in diesem Jahr das Thema ungewollte Zwangsmitgliedschaft bei der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) und des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS). „Die Zwangsmitgliedschaft wird seitens einiger Burschenschafter scharf kritisiert“, sagt Jörg Sobolewski, Vorsitzender der Berliner Burschenschaft Gothia, der in diesem Jahr Bundesvorsitzender des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft ist.

In jüngerer Zeit musste sich die Burschenschaft des Öfteren mit dem Vorwurf rechtsextremer Tendenzen auseinandersetzen. Sobolewski kandidiert auf der AfD-Liste für die Berliner Abgeordnetenhauswahl im September. Von den über 70 Verbindungen kehrten in den zurückliegenden Jahren mehrere Studentenbünde dem Dachverband der Deutschen Burschenschaft aufgrund radikaler Ansichten, Kontakte von Mitgliedern zur rechtsextremen Szene sowie der geäußerten Forderungen nach einem Abstammungsnachweis den Rücken.

Während des diesjährigen Burschentages wurde ein Strategie-Rat aus der Taufe gehoben, der Leitlinien erarbeiten soll, wie und mit welchen Zielen die Burschenschaft wachsen und in die Zukunft geführt werden kann. Um jüngeren Mitgliedern entsprechende Angebote unterbreiten zu können, riefen die Versammelten eine Bildungsakademie ins Leben.

Ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt ist die Vorbereitung für das Treffen der Deutschen Burschenschaft im nächsten Jahr. Es ist ein besonderes, denn 2017 wird das Jubiläum 200 Jahre Wartburgfest gefeiert.

Aus Anlass des 300. Jahrestages des Beginns der Reformation und des 4. Jahrestages der Leipziger Völkerschlacht versammelten sich Studierende fast aller evangelischer deutschen Universitäten am 18. Oktober 1817 auf der Wartburg. „Wir haben den organisatorischen Fahrplan erarbeitet“, sagt Sobolewski. Für die Feierlichkeiten 2017 werde ein „hochrangiger Festredner“ erwartet, eventuell ein Staatspräsident. Beim diesjährigen Burschentag spielte die Wartburg keine Rolle. Diesbezüglich sind die Hoffnungen für das Jubiläum des Wartburgfestes 2017 noch nicht gänzlich begraben. „Wir sind mit der Wartburgstiftung im Gespräch, aber es wurde noch keine Einigung erzielt“, führt Stein an.

Am Samstagabend feierten weit mehr als 500 Burschenschafter ihren Festkommers. „Wir sind von den Bürgern in Seebach freundlich aufgenommen worden“, sagt Sobolewski. Die Bedingungen seien im Kulturhaus optimal – besser als in der Aßmann-Halle in Eisenach. Ob die Deutsche Burschenschaft sich auch 2017 in Seebach trifft, steht noch in den Sternen. „Es gibt noch keine Vereinbarungen“, sagt der DB-Bundesvorsitzende. Zumindest sind die Verbindungsstudenten nicht von allen Seebachern mit offenen Armen empfangen worden. Häuser „schmückten“ die Gegner mit weniger burschenfreundlichen Spruchbändern.

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