Ginkgo am Weimarer Fürstenhaus wohl meistbesuchter Baum

Täglich versammeln sich Menschentrauben um den Ginkgobaum am Weimarer Fürstenhaus, dem heutigen Hauptgebäude der Musikhochschule. Es sind meist Gruppen, die eine Stadtführung gebucht haben. Sie machen den Gingko zum vermutlich meistbesuchten Baum Thüringens.

Geadelt wurde der Ginkgo nicht dank des botanischen Interesses des Dichters, sondern dadurch, dass er ihm ein Gedicht widmete. Foto: privat

Geadelt wurde der Ginkgo nicht dank des botanischen Interesses des Dichters, sondern dadurch, dass er ihm ein Gedicht widmete. Foto: privat

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Weimar. Wie so vieles in Weimar hat dieser Baum etwas mit dem Dichterfürsten zu tun. Er gehört deshalb ins Besucherprogramm vieler Gäste. Zurzeit Goethes erreichten die Ginkgobäume nur Höhen von drei bis vier Metern, denn sie waren erst im 18. Jahrhundert hier angezüchtet worden. Eigentlich ist der Ginkgo (Ginkgo biloba) ein in China heimischer Baum.

Goethe liebte Parks und Gärten, diese Leidenschaft teilte er mit dem Weimarer Herzog Carl August. Ein Hofgärtner war vom Herzog zur Ausbildung nach England gesandt worden, lernte dort den Ginkgo kennen und machte dann in Belvedere die ersten Vermehrungsversuche für den Baum. Die Bemühungen waren von Erfolg gekrönt. Um 1820 wurde der Ginkgo südlich des Fürstenhauses gepflanzt. Er ist heute der älteste Weimars.

Geadelt wurde der Ginkgo aber nicht von dem botanischen Interesse des Dichters, sondern dadurch, dass er ihm ein Gedicht widmete. Der 66 Jahre alte Goethe schrieb es in seiner Sammlung "West-östlicher Diwan". Das Gedicht ist Goethes später Liebe, Marianne von Willemer, gewidmet und stellt das Ginkgoblatt aufgrund seiner Form als Sinnbild der Freundschaft dar.

Viele Weimarbesucher denken, Goethe wurde durch den Ginkgo am Weimarer Fürstenhaus zu seinem Gedicht angeregt. Dem ist wohl nicht so. Goethe befand sich zur Entstehungszeit des Gedichtes auf einer mehrwöchigen Reise nach Frankfurt und Heidelberg. Die Ginkgoblätter, die dem Gedichtblatt im Düsseldorfer Museum beigelegt sind, sollen aus Gärten in Frankfurt stammen.

Viele Weimarbesucher nehmen sich trotzdem ein Ginkgoblatt mit und trocknen es. Doch nicht nur vom Ginkgo am Fürstenhaus kann man sich ein Blatt ins Gepäck stecken. Viele Läden führen das Blatt des lebendigen Fossils in Schokolade oder als leckeres Gebäck und das Goethegedicht bekommt der Käufer gratis mit dazu. Ein tolles Mitbringsel. Als wertvolles Schmuckstück sind die Ginkgoblätter in Edelmetall ebenfalls zu haben.

In den letzten Jahren ist Weimar wahrhaftig zu einer Stadt des Ginkgo geworden. Nicht nur den Ginkgo von Goethe kann man besuchen. Die Stadt hat auch ein Ginkgo-Museum am und eine Ginkgo-Allee. Die Liste der Weimarer Ginkgobäume ist lang. Dem Baum am Fürstenhaus folgten viele weitere. Große Einzelexemplare stehen in der Humboldtstraße und im Garten des Goethe-Schiller-Archivs.

Der Ginkgo ist der einzige lebende Vertreter einer ausgestorbenen Gruppe von Samenpflanzen. Er wird daher auch als lebendes Fossil bezeichnet.

GINKGO BILOBA
von Goethe

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie's den Wissenden erbaut.
Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt,
Sind es zwei, die sich erlesen,
Dass man sie als eines kennt.
Solche Frage zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Dass ich Eins und doppelt bin.