Goldmedaille für Erfinder Mario Neugärtner aus Eckstedt

Eckstedt (Landkreis Sömmerda). Ein Zollstock, der mit dem Eckigen das Runde misst. Mario Neugärtner aus Eckstedt erhielt vorige Woche auf der weltgrößten Erfindermesse in Genf eine Goldmedaille.

Mario Neugärtner zeigt, wie mit seiner Erfindung - einem besonderen Zollstock - der Durchmesser ermittelt werden kann. Foto: A. Reiser-Fischer

Mario Neugärtner zeigt, wie mit seiner Erfindung - einem besonderen Zollstock - der Durchmesser ermittelt werden kann. Foto: A. Reiser-Fischer

Foto: zgt

"Wir waren dabei. Einer von 725 Ausstellern aus 45 Nationen. Auf der 42. Internationalen Messe für Erfindungen in Genf. Und wir haben eine Goldmedaille." Mario Neugärtner aus Eckstedt kann sein Glück noch gar nicht fassen. Er gehörte mit seiner Erfindung zu den Stars auf der weltgrößten Exposition dieser Art.

Seine Erfindung, mit der er weltweit für Aufsehen sorgte, passt in die Hosentasche jedes Handwerkers: Ein Zollstock, mit dem man Durchmesser messen kann. Ein "Diametre", so der französische Ausdruck, der in Genf immer wieder im Tonfall größten Respekts fiel, wenn von dem Deutschen mit den langen lockigen Haaren die Rede war.

Warum aber erfindet man so etwas? Und wie wird‘s gemacht, das Erfinden? "Eigentlich war der Zollstock ein geistiges Abfallprodukt", meint der 41-Jährige, um dann die ganze Geschichte zu erzählen: 2008 hatte der Softwareentwickler die Dreyse-Mühle am Ufer der Unstrut in Sömmerda gekauft. Viel Geld und Arbeit hat er investiert. Eines Tages musste der Durchmesser eines Rundholzes für das Geländer ermittelt werden.

Neugärtner hatte aber keinen Messschieber dabei, der für so etwas bis dahin üblicherweise verwendet wurde. Der aber ohnehin nur wenige Zentimeter erfassen kann. Mit dem üblichen Zollstock waren nur ungenaue Angaben zu ermitteln.

"Über den Innenkreis im Dreieck habe ich daraufhin die Werte ausgerechnet, dafür ein Computerprogramm geschrieben und die Werte auf einen Zollstock projiziert", erzählt er. Jetzt wird der Zollstock einfach um den runden Gegenstand gelegt und an einem Pfeil der Durchmesser abgelesen. Auf einer Seite zeigt nun der neue Zollstock die Länge in Zentimetern an, auf der anderen den Durchmesser, zwischen einem Millimeter und 330 Millimetern sind messbar, auch in der Maßeinheit "Zoll". Geeignet für Messungen an Rohren, Blumentöpfen, Gardinenringen. Geeignet für jeden Klempner, Tischler, Gärtner, Heimwerker. Das Patent hat er angemeldet und es ist international geschützt.

Einen Hersteller hat Neugärtner inzwischen gefunden. Seit sechs Wochen ist der neue Zollstock auf dem Markt. 3000 Stück wurden schon produziert und sind weg. Mit den großen Baumärkten laufen die Gespräche. In drei Jahren, so hofft er, könnte er einen Marktanteil von zehn Prozent bei Zollstöcken haben. Das wäre ein Ziel. Der Stückpreis könnte um die fünf Euro liegen.

"Ich war noch nie auf einer Erfindermesse, auf einer internationalen schon gar nicht", erzählt er aufgeräumt. Ermöglicht hatte ihm die Teilnahme die Wirtschaftsvereinigung Erinet, die ihn an ihren Gemeinschaftsstand einlud, Models der Sondershäuser Agentur ZK Medien halfen bei der Werbung.

Eigentlich habe er nur die Kundenreaktionen testen wollen, so der junge Mann. Als dann die Jury zu seinem Stand kam, fragte diese immer wieder nach: Ein Zollstock? Nur ein Zollstock? Ach, so ein besonderer? Selbst der Messechef habe danach begeistert zehn Stück bei ihm bestellt, berichtet Mario Neugärtner. Und dann gab‘s schließlich die Goldmedaille.

Zwei neue Erfindungen hat er schon wieder in Arbeit. Mit dem Messen wird‘s dabei wohl weiter gehen. Auch seinen beiden Söhnen zeigt er im Bastelkeller des Eckstedter Hauses schon immer mal, wie das geht, mit dem Erfinden. Da werden kleine superschnelle Modellautos gebastelt.

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