Gut gebettet im Heiligenstädter „Norddeutschen Bund“

Heiligenstadt  Eine Sonderbriefmarke erinnert an ihn in diesem Jahr ebenso wie eine Sonderausstellung in Friedrichsruh.

In der Bismarck-Suite gibt es für Geschichtsinteressierte so manchen Hingucker.

In der Bismarck-Suite gibt es für Geschichtsinteressierte so manchen Hingucker.

Foto: Sigrid Aschoff

Die Jahreszahl, um die es sich dreht, ist rund, der Jubilar aber schon ein wenig angestaubt: Es geht um den 150. Jahrestag der Gründung des Norddeutschen Bundes. Der preußisch dominierte Staaten-Zu-sammenschluss nördlich des Mains gilt als der unmittelbare Vorläufer des 1871 gegründeten Deutschen Kaiserreichs. In Heiligenstadt trägt ein Hotel, das sich in einem Gebäude von 1703 befindet, den geschichtsträchtigen Namen.

Das Gasthaus gehört laut Stephen Kaufhold, der es 1991 übernommen hat, zu den drei ältesten der Kreisstadt. Und auch wenn heute der Großteil der Gäste Geschäftsreisende sind, so kann der interessierte Gast doch bei ihm einen besonderen Ausflug in die Vergangenheit unternehmen und in der Bismarck-Suite übernachten. Otto von Bismarck war von 1867 bis 1871 auch Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes.

In der eigens eingerichteten Suite stellt beispielsweise der Teppich die Landkarte des Bundes dar. Bilder und Sofakissen zeigen Bismarck. Den Tisch bildet eine große Trommel, und den Fernseher sieht man erst auf den zweiten Blick.

„Wir legen Wert auf Traditionspflege“, sagt Stephen Kaufhold über das Hotel, das über zwanzig Zimmer verfügt und das er zusammen mit seiner Frau Elke führt. Einmal mehr wird Detailliebe auch bei den Teppichen auf den Fluren deutlich, in die Wappen und Logos sowie Soldaten samt Reitern in Uniformen eingewebt sind. Und ab und zu hilft der Chef einem Gast geschichtsmäßig auf die Sprünge – über den Norddeutschen Bund kann er das gut.

Im Hotel will Stephen Kaufhold Altes und Modernes verbinden – darunter auch in der Küche. Unterstützt werden er und seine Frau von 15 Mitarbeitern und vier Lehrlingen, die im Hotelfach beziehungsweise zum Koch ausgebildet werden. „Wir bilden seit 25 Jahren aus, und bislang haben wir 90 Prozent der jungen Frauen und Männer übernommen“, erklärt der Hotelbetreiber. Sein Team ist zwischen 17 und 30 Jahre alt.

Der Chef steht in der Regel jeden Tag selbst in der Küche und kocht mit. „Regionale Produkte sind wichtig, und Kreativität ist gefragt“, meint er. So manche Anregung – das gibt er zu – bringt er auch von Reisen mit, einige zum Beispiel aus dem letzten Urlaub.

Pläne für das kommende Jahr sind geschmiedet

Doch worum es sich bei diesen genau handelt, das will er noch nicht verraten. „Das muss ich erst aufarbeiten“, sagt Stephen Kaufhold. Mit Blick auf das kommende Jahr lässt der Hotelier allerdings schon einmal durchblicken, dass es Pläne „in Richtung einer Küchenparty“ gibt – Veranstaltungen „in der Küche und mit der Küche“, und zwar mit Gastköchen. „Man muss jedes Jahr etwas Neues einbringen“, lautet Stephen Kaufholds Devise.

Das wünscht er sich auch in und von seiner Stadt. „Hier fehlt Leben auf der Straße.“ Gut vorstellbar ist für ihn ein „Frischemarkt“. Einer, auf dem man regionale Produkte kaufen kann und der für Einheimische genauso interessant ist wie für Gäste.

Nach Ansicht des Gastronomen wäre es schön, wenn „die Stadt nicht nur mit dem Weihnachtsmarkt und dem Stadtfest von sich reden machen würde“. Und über einen belebteren Wilhelm würde er sich ebenfalls freuen. „Der hat nämlich ein riesiges Potenzial.“ Dass die Innenstadt attraktiver wird – beispielsweise auch mit einheitlichen Ladenöffnungszeiten – das sieht der Gastronom als wichtig an, denn er weiß, dass viele Eichsfelder heute oft in die benachbarten größeren Städte fahren, um sich dort einen schönen Tag zu machen.