Junger Erfurter Existenzgründer vor Schutt und Schulden

Erfurt  Paul Posse wurde mit dem Bandhaus Opfer eines riesigen Wasserschadens und von Vermieter und Baufirma im Stich gelassen.

Paul Posse auf den herausgerissenen Dämmmatten im Bandhaus

Paul Posse auf den herausgerissenen Dämmmatten im Bandhaus

Foto: Michael Keller

Paul Posse ist das Lachen längst abhanden gekommen. Eigentlich könnte er nur heulen, denn er sitzt buchstäblich auf den Trümmern seiner Existenz. Einem Haufen Schutt. Entstanden bei zwei Unwettern, deren Wassermassen sich in den Keller seiner Geschäftsräume – dem Erfurter Bandhaus in der Hohenwindenstraße 13 – ergossen.

Am 3. September ging es los. Sieben Zentimeter Wasser nach einem Wolkenbruch. Es wurde, wie sich herausstellte, durch ein Rohr im Boden des Bandhauses in jenen Bereich gedrückt, der gerade erst fertig geworden war und in dem eigentlich kurz darauf losgelegt werden sollte. Mit Bandproben. Paul Posse, selbst Schlagzeuger in einer Countryband, hatte nämlich eine richtig gute Geschäftsidee.

Erfurter Bands – und nicht nur die – haben immer wieder große Probleme, geeignete Probenräume zu finden. Paul Posse wollte das ändern. Er mietete sich im Februar 2018 in die Hohenwindenstraße 13, einer alte Gerberei, ein. Und investierte in den Umbau der Tiefgarage richtig viel Geld – 130.000 Euro. Finanziert mit Krediten. Soll heißen, auch die Banken mussten wohl von seiner Idee überzeugt gewesen sein.

16 schalldichte Probenräume entstanden auf einer 800 Quadratmeter großen Grundfläche in der Tiefgarage. In der ersten Etage – der Kreativetage, wie sie der 25-Jährige nennt – wurde ein Videostudio eingerichtet, eine Mediengestalterin begann dort zu arbeiten, ein Musiklabel zog ein, ebenso ein so genannter E-Commerce-Webshopdesigner und ein Merchandisingproduzent. Alles für die jungen aufstrebenden Bands, im Komplettpaket sozusagen, aus einer Hand, um so richtig Gas zu geben für die musikalische Karriere. Es kam jedoch ganz anders.

Die Schäden des ersten Unwetters waren noch nicht beseitigt, da folgte am 23. September das nächste. Und diesmal stand das Wasser elf Zentimeter hoch in den nagelneuen Proberäumen. Die Feuerwehr rückte an, pumpte alles aus. Der Schaden: riesig. Proben unmöglich, also auch keine Einnahmen. Geblieben sind Posse nur Schutt- und Schuldenberge. Die Bank will monatlich den Kredit bedient sehen – um die 1000 Euro – der Vermieter, eine Firma aus Oberdorla im Unstrut-Hainich-Kreis, verlangt für die unbeschädigte erste Etage 1600 Euro.

Der Punkt ist nicht mehr fern und Posse ist pleite. Er hält sich momentan mit Schlagzeugunterricht und mit Vermietung der ersten Etage im Bandhaus über Wasser. Freunde spenden hin und wieder etwas. Eine Einnahmeausfalleversicherung hat er nicht. Sein gut durchdachtes Konzept ist im wahrsten Wortsinne – um im Bild zu bleiben – ins Wasser gefallen.

Was Posse fassungslos macht, ist die Ignoranz des Vermieters und anderer Beteiligter. Erst nach mehreren Wochen hat der Vermieter, ein Herr S., den Schaden überhaupt der Versicherung gemeldet. Die spielt auf Zeit, versucht sogar, Posse den schwarzen Peter zuzuschieben. Und mit Drohgebärden den jungen Mann einzuschüchtern. Die Erfurter Installationsfirma, die er nach dem ersten Wassereinbruch händeringend um Hilfe gebeten hatte, die ihn aber mit Ausflüchten vertröstet hatte, wäscht – natürlich – ihre Hände in Unschuld.

Dem jungen Musiker und Existenzgründer läuft die Zeit davon. Bausachverständige waren da, haben sich alles angeschaut. Ein Gutachten fehlt bislang. Antworten auf Telefonate oder Mails? Keine. Posse hat in seiner Verzweiflung einen Erfurter Anwalt beauftragt, ihm zu helfen. Der Vermieter beteuert zwar, er wolle alles regeln, aber es passiere nichts, sagt Posse. Man habe lediglich begonnnen Trockenbau, Schalldämmung und Fußböden herauszureißen. Einsam brummen ein paar Lüfter vor sich hin. Der junge Mann will aber nicht nachgeben. Es geht ihm darum, dass die Ursache für das Desaster mit dem Kanalrohr gefunden wird, von wo das Wasser in den Keller drückt. Und er will, dass die Versicherung für den Schaden schnell zahlt und der Urzustand wie vor dem verheerenden Wassereinbruch wieder hergestellt wird. Denn seine Idee lebt weiter.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.