Kein Platz für Wohnmobile in Erfurt

Erfurt  Wer mit dem Wohnmobil nach Erfurt kommt, hat ein Problem – er weiß nicht wohin mit dem Caravan.

Familie Menne aus Paderborn vor ihrem Wohnmobil.

Familie Menne aus Paderborn vor ihrem Wohnmobil.

Foto: Michael Keller

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Freitag, neun Uhr Morgens. Der Parkplatz an der Thüringenhalle ist pickepackevoll. Die Leute aus Ministerien und Sportverbänden, die dort residieren, haben den öffentlichen Gratis-Parkplatz für sich entdeckt. Aber auch diejenigen, die Erfurt erkunden wollen und mit dem Wohnmobil unterwegs sind. 15 solcher Caravans haben, wahrscheinlich schon am Abend zuvor, Glück gehabt und einen Stellplatz ergattert. Wer am Morgen kommt, hat Pech.

Standortstudie von 2005 geriet in Vergessenheit

In Erfurt wird seit über 13 Jahren über einen Parkplatz für Wohnmobile diskutiert. Eine großangelegte Studie hatte einst 20 Kandidaten aufgelistet, die Punkte bekamen. Der Punktbeste sollte gebaut werden. In der Auenstraße, auf dem Gelände der alten Kläranlage kurz vor der Radrennbahn. Vergessen die Pläne, vergessen die Punkte.

Dann, vielleicht so vor sechs oder sieben Jahren erkor man eine Grünfläche in der Nähe des Dreienbrunnenbades zum Idealstandplatz, bedachte aber nicht, dass es da ein Trinkwasserschutzgebiet gibt. 2011 kam der Nordstrand ins Visier. Wieder nichts. Nun wird einer gebaut. In Dittelstedt. Wenigstens.

Reinhard Menne und seine Frau Nadin machen sich gerade mit ihren drei Kindern Lea (14), Luca (11) und Luna (4) stadtfein. Nadin Mennes Mama hat Geburtstag. Sie lebt in einem Erfurter Seniorenheim. Es stellt sich bei näherer Betrachtung heraus, dass die Mennes Ex-Erfurter sind. Nadin ist hier geboren, ihr Mann kommt zwar aus Paderborn, aber er war einst Hotelier in Erfurt. Er betrieb bis 2010 das Hotel „Zum Bären“ in der Andreasstraße. Logisch, dass man dann immer wieder zurück zu seinen Wurzeln kommt.

Im Fall der Mennes mit dem Wohnmobil. Das haben sie schon seit 16 Jahren und nutzen es rege. „100 bis 150 Nächte im Jahr verbringen wir im Caravan“, sagt Reinhard Menne. Die Familie fährt kreuz und quer damit durch Europa. Da kennt man sich aus und da hat man Vergleichsmöglichkeiten und da kann man auch anmerken, dass Erfurt bei dem Thema jede Menge Luft nach oben hat.

Was braucht ein Caravan-Tourist? Einen geeigneten Stellplatz für sein fahrendes Hotel, Strom, Wasser, Entsorgungsmöglichkeiten – mehr nicht. Am Wiesenhügel, sagt Reinhard Menne, da gebe es einen privat betriebenen Platz. Mit Spielplatz daneben und Kaufhalle vor der Tür, eigentlich ideal. Aber eben nur 20 Plätze und immer voll. Auf gut Glück brauche man es dort gar nicht erst versuchen.

Mennes sind mehrfach im Jahr in der Stadt und fänden es durchaus als notwendig, wenn es mehr Caravanparkplätze gebe. Die, die zuweilen aus Verzweiflung auf einem Parkplatz am Juri-Gagarin-Ring stehen, die werden sich nach der ersten Nacht bedanken.

Menne hatte einen Bekannten, der wollte in der Paul-Schäfer-Straße einen solchen Parkplatz für Wohnmobile bauen. Das aber wollte die Stadt nicht. Menne empfiehlt den Stadtoberen einen Trip nach Oberhof. Da funktioniere das bestens. Nadin Menne fällt der Parkplatz der ehemaligen Diskothek am Nordstrand ein. Beste Voraussetzungen mit dem Gewässer, den Sport- und Versorgungsmöglichkeiten seien das dort. Und mit dem Fahrrad sei man ruck zuck auf dem Anger. Warum geht das nicht? Fragende Blicke. Ihr Mann sagt, es gebe einige Leute in Erfurt, die sofort anspringen würden, um solche Parkplätze zu bauen. Man müsste sie nur lassen. Wie so oft scheitere man an der Politik. „Dabei ist Erfurt so eine wunderschöne Stadt und da müsste man doch viel mehr Parkmöglichkeiten für Caravans schaffen“, bekräftigt seine Frau. Und ein Geschäft könnte man damit auch machen. Ihr Mann winkt ab. „Ist aber in Paderborn nicht anders“.

Ein kurzer Anruf bei Messechef Michael Kynast. „Kein Caravanparkplatz bei uns geplant“, sagt er. Und auch Stadtwerkechef Peter Zaiß erklärt, dass man in der Richtung nichts vorhabe. Das Problem wird, trotz Dittelstedt, die Stadt wohl auch in Zukunft weiter beschäftigen.

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