Lauter Knall und Fontäne: Betonwand am Wasserkraftwerk Mihla stürzt ein – Ausfälle in Stromproduktion

Mihla  Ein Unglück am Wasserkraftwerk Mihla verursacht einen immensen Sachschaden, Ausfälle in der Stromproduktion und eine kurze Werra-Flutwelle.

Urplötzlich brach am Freitagabend kurz nach 19 Uhr eine starke Betonwand am Wasserkraftwerk Mihla mit lautem Krachen und einer Fontäne ein. Die Stromproduktion wird wohl für Wochen unterbrochen sein.

Urplötzlich brach am Freitagabend kurz nach 19 Uhr eine starke Betonwand am Wasserkraftwerk Mihla mit lautem Krachen und einer Fontäne ein. Die Stromproduktion wird wohl für Wochen unterbrochen sein.

Foto: Norman Meißner

Nach einem lauten Knall sowie einer Fontäne, die am Freitagabend am Wasserkraftwerk Mihla in die Höhe schoss, leerte sich die dort zurückgestaute Werra binnen kürzester Zeit. Aus noch ungeklärter Ursache stürzte neben dem Turbinenhaus eine starke Betonmauer auf einer Gesamtlänge von etwa sieben Metern ein.

„Ich habe mich gerade mit meiner ganzen Angelausrüstung auf einer Sandbank flussabwärts eingerichtet, als wir kurz nach 19 Uhr einen lauten Knall hörten – es war ein fürchterliches Krachen“, erzählt ein Angler aus Mihla, der am Freitagabend seinem entspannenden Hobby nachgehen wollte. Seine neunjährige Tochter glaubte, einen Donner gehört zu haben. Sie wollte schnell weg und vor dem Gewitter wieder zuhause sein.

„Ich hatte meine Tochter gerade so beruhigen können, als überall am Ufer urplötzlich die Wasservögel verschreckt aufstiegen“, fährt das Vorstandsmitglied des örtlichen Anglervereins fort. Geistesgegenwärtig bringt er seinen kleinen Schatz ans sichere Ufer, kehrt zur Sandbank zurück, die an diesem Abend rund 30 Zentimeter aus dem Wasser schaut, um seine Angelausrüstung zu holen. Binnen Sekunden steht das Wasser bis zu seinen Knöcheln, wenige Sekunden später noch einen halben Meter höher bis zu den Hüften. In letzter Sekunde entkommt der Angelfreund dem sicheren Untergang. „Erst kurz bevor die Welle kam, habe ich die Gefahr realisiert – panisch konnte ich mich und meine Ausrüstung noch retten“, erzählt der Zeuge.

In der momentanen „hitzigen“ Trockenzeit ähnelt die Werra fast einem Rinnsal, aber mit dieser Welle verwandelte sich der hessisch-thüringische Grenzfluss für einige Zeit in einen reißenden Strom. „Sofort kam der ganze Unrat angeschwommen, der sonst am Wehr hängen bleibt“, fährt er in seinem Bericht fort. Das Unglück am Wasserkraftwerk sorgte am Wochenende für wahre Pilgerströme in Mihla, lockte Neugierige und Spaziergänger an. Viele, der Schaulustigen vermuten, dass der angeschwemmte Baum immer wieder im Wasser schaukelte und gegen die Betonwand stieß, bis diese nachgegeben hat. „Es werden viel zu wenig Kontrollen am Wasserkraftwerk durchgeführt“, meint der Zeuge.

So schnell, wie die Flutwelle kam, so schnell war sie auch wieder verschwunden. „Der Wasserstand ist bis nach Ebenau hoch kräftig gefallen – bei den Wassersportfreunden Mihla hängt der Kutter völlig in der Luft“, schildert Mihlas Gemeinderatsmitglied Oliver Rindschwentner seine Beobachtungen. Er schätzt, dass der Wasserstand mit dem Unglück etwa drei bis vier Meter gesunken ist.

Wasserwanderer konnten mit ihren Kanus nirgends mehr anlegen, mussten ihre Boote umständlich durch Schlamm bugsieren. Viele Fische verendeten auf Sandbänken.

Das Wasserkraftwerk, das jährlich zwischen drei und vier Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt, wurde im Sommer 2006 in Betrieb genommen. Es wurde am Platz der alten Anlage errichtet, die bis 1970 in Betrieb war. Zwei Turbinen sorgen heute für die Stromproduktion.