Märchen, Zauber und Feen im Hainich

Weberstedt  Für Katrin Wenk-Olschowsky ist der Feensteig von Beginn an heilsam gewesen. Sie hat inzwischen zwei Bücher über ihn veröffentlicht.

Katrin Wenk-Olschowsky auf der umgefallenen Feensteig-Eiche mit ihren Büchern „Feensteig im Hier und Jetzt“ und „Wintertagebuch“, von dem es nur 25 Exemplare gibt.

Katrin Wenk-Olschowsky auf der umgefallenen Feensteig-Eiche mit ihren Büchern „Feensteig im Hier und Jetzt“ und „Wintertagebuch“, von dem es nur 25 Exemplare gibt.

Foto: Sabine Spitzer

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Der Feensteig ist für Katrin Wenk-Olschowsky der Garten Eden. Die Weberstedterin schöpft Kraft auf dem Natur-Erlebnis-Pfad im Hainich und fühlt sich auf besondere Weise mit ihm verbunden. Sie hat dort Wunderbares erlebt und zwei Bücher über den Rundwanderweg veröffentlicht.

Genau heute vor 14 Jahren wurde der 2,5 Kilometer lange Pfad eröffnet. Katrin Wenk-Olschowsky war vermutlich eine der erste Besucherinnen. Denn einen Tag vor der Eröffnung hatte die Tierärztin ihre Sprechstunde beendet und ging joggen. Wie immer. Doch als sie von der alten Panzerstraße am Weberstedter Wanderparkplatz bei den verfallenen Kasernen der Nationalen Volksarmee (NVA) in den Wald biegen wollte, sah sie die Schilder des Feensteigs. Allein der Name berührte sie. Plötzlich. Tief in ihrem Herzen. Sie bekam Gänsehaut, Tränen schossen ihr in die Augen.

Sie las den Wegweiser am Eingang, der einlud, in das Land der Märchen und Feen einzutauchen. Katrin Wenk-Olschowsky ließ sich auf den Pfad ein. Am Ende hatte sie das Gefühl, dass sie sich selbst ein Stück näher kam. „Es war unbeschreiblich, ich fühlte mich unglaublich beschenkt“, erinnert sie sich.

Der Weg hat sie verzaubert. Und gefangen genommen. „Man ist bei sich selbst, im Hier und Jetzt“, erklärt Katrin Wenk-Olschowsky. Man sei mit allen Sinnen dabei. Man sieht, riecht, fühlt, hört und schmeckt den Wald. „Und kann sich wieder besinnen“, sagt sie.

Für sie ist der Feensteig deshalb ein Schatz, das Paradies. Und sie ist sicher, dass er heilsam ist. Wenn sie den Wald betritt, hat sie das Gefühl, sie bricht auf in eine Welt voller Schönheit, Freiheit und Ruhe. „Es ist, als ob ich ankomme in der Heimat meiner Seele“, erzählt sie. Wenn sie ein Problem hat, geht sie den Rundweg besonders achtsam – bis sich der Kreis wieder schließt. „Am Ende gehe ich gestärkt in die Alltagswelt“, so Katrin Wenk-Olschowsky.

Der Feensteig hat ihr Leben verändert. Ihren Beruf ließ sie hinter sich. Sie wollte keine Tierärztin mehr sein. „Es hat sich nicht mehr richtig angefühlt.“

Wintertagebücher gehen auf einjährige Reise

Auch das Wald-Resort sollte nicht ihr Nest werden, wie sie sagt. Dort hatte sie in der Anfangsphase ihre Ideen eingebracht, wollte als Trainerin und Coach für Persönlichkeitsentfaltung arbeiten. Doch damals habe sie immer nur die Geschichte des Gründers Jürgen Dawo erzählt. „Irgendwann wollte ich aber meine Geschichte erzählen und damit mir ein Gesicht geben“, sagt sie. „Und vielleicht brauche ich auch gar kein Nest, sondern Freiheit.“ Jetzt arbeitet sie unter anderem als Selbstständige und hilft Menschen, die ihre eigenen Pfade suchen.

Und sie hat 2018 ihr erstes Buch veröffentlicht: „Feensteig im Hier und Jetzt“. Darin erzählt sie ihre Geschichte und die Märchen vom Feensteig, gibt Tipps für das Finden des eigenen Wegs zu Selbsterkenntnis, Selbstliebe und Selbstvertrauen. Bevor die Bücher in den Verkauf gehen, wandert sie mit ihnen den Feensteig entlang, damit sie die Energie des Pfads aufnehmen.

Dass der Feensteig sogar enger mit ihr verbunden ist, als sie dachte, hat sie durch Recherchen herausgefunden. Er entstand nämlich dort, wo sich einst der Truppenübungsplatz befand. Dessen Geschichte begann im Jahr 1965 als sie geboren wurde und endete an ihrem 32. Geburtstag. Für Katrin Wenk-Olschowsky ist der Wandel des Areals ein märchenhaftes Wunder. „Aus dem ehemaligen NVA-Übungsplatz ist ein Weg des Heilwerdens geworden“, sagt die Weberstedterin.

Den Feensteig geht sie inzwischen fast täglich, manchmal sogar zweimal. Jetzt hofft sie, dass aus dem Hainich, der grünen Mitte Deutschlands, ein besonderer Impuls ausgehen wird. Deshalb hat sie ein Wintertagebuch zum Feensteig-Buch geschrieben, für das ihr Internet-Blog Grundlage war. Es gibt nur 25 Exemplare und ist ein Experiment. Denn sie will 14 dieser Tagebücher auf die Reise schicken, die am Samstag startet.

Jeder, der ein Buch bekommt, soll es weitergeben – mit Unterschrift und liebevollen Gedanken auf den rund 30 noch leeren Seiten. Geplant ist dann im Mai 2020 ein Feensteig-Treffen – mit all denen, die das Tagebuch in den Händen hielten.

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