Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt in Erfurt muss vom Wenigemarkt weichen

Erfurt  Wilfried Wolf und seine Mannen sind zum Umzug gezwungen: Den gewohnten mittelalterlichen Weihnachtsmarkt auf dem Wenigemarkt in Erfurt wird es in diesem Jahr nicht mehr geben. Die Stadtverwaltung hat Steine in den Weg gelegt.

Impressionen vom weihnachtlichen Mittelaltermarkt auf dem Wenigemarkt: Schmied Karsten Stadermann (M.), David Günter von der Elben-Schmiede (u.r.), Melanie Merkel und Andreas Reiter von der Falafel-Bäckerei (u.l.), Hartmut Priemer von "Die lachenden Bäcker" (o.l.), Barbara Leim von Wolle's Mittelalterlicher Gewandungsstand (ebenfalls o.l.) sowie Franziska Bernhardt von Taramar (o.r.). Archivfotos: Maik Ehrlich

Foto: zgt

Wolf hat im Kreise der Bewerber diesmal den Kürzeren gezogen und ist im Interessenbekundungsverfahren einem Mitbewerber unterlegen. "Zunächst war ich stinksauer", sagt Wolf. Schließlich nimmt er für sich die Idee in Anspruch, den Wenigemarkt mit einem Weihnachtsmarkt überhaupt zu bespielen. 2004 war er erstmals dort vertreten, hat sich seither als feste Adresse unter Freunden des mittelalterlichen Marktes einen Namen gemacht. Die Stadtverwaltung indes habe ihm zunehmend Steine in den Weg gelegt, ihm von Jahr zu Jahr das Leben und Markttreiben erschwert: "Irgendwem muss ich wohl auf den Schlipps getreten sein", vermutet Wolf.

"Doch in allem Schlechten steckt auch immer etwas Gutes", sagt Wolf. Denn inzwischen ist nicht nur der Ärger verraucht, sondern auch ein Ausweichstandort gefunden: "Wir werden auf der Marienwiese auf dem Domberg einen Adventsmarkt auf die Beine stellen", freut sich der Veranstalter schon jetzt, mitten in den Vorbereitungen steckend.

Bistum Erfurt lässt Wolf auf Marienwiese freie Hand

Am Ende sei es ein "staatlich verordneter Mittelaltermarkt" gewesen auf dem Wenigemarkt, mit mancher Einschränkung hier und dort. Verwaltung sei so, da mache er ihr gar keinen Vorwurf. Mittlerweile würde er wohl ablehnen, würde er gebeten, auf den Wenigemarkt zurückkehren, sagt Wolf. Denn das Bistum Erfurt lasse im weitestgehend freie Hand, was die Gestaltung auf der Marienwiese angeht. Hier müssten es nicht nur feste Hütten sein, sondern wären auch Zelte möglich. Hier finde auch der Schmied wieder einen Platz, dem aus Brandschutzgründen der Wenigemarkt verwehrt gewesen sei. Mehr Platz ist zudem: Ein Mittelalterkarussell soll aufgebaut werden und ein Streichelzoo eingerichtet. "Wir entfalten uns", sagt Wolf, der bei den Ständen weiter auf heimische Händler setzen will.

Eine Wiese ist kein gepflasterter Platz, kann bei Regen und Kälte schnell ungemütlich werden – doch Wolf winkt ab. "Wir werden eine Lösung finden, wie wir es gemütlich gestalten können und jeder trockenen Fußes unterwegs sein kann."

Außerdem ist ein "umfangreiches Kulturprogramm" geplant, kündigt Wilfried Wolf an, mehr wolle er erst in den nächsten Wochen verraten. Zeit wohl auch, die der Veranstalter zur Klärung einzelner Dinge mit der Stadtverwaltung braucht.

Neue Optik auf dem Wenigemarkt

Auf seinen Antrag zur Marktfestsetzung jedenfalls erhielt er die Aufforderung der Verwaltung, er solle erklären, warum er denn sonntags öffnen wolle. Eine Frage, die sich bei einem Adventsmarkt, rund um die vier Adventssonntage doch eigentlich von selbst beantworten ließe, findet jedenfalls Wolf.

Sven Kaestner, verantwortlich für Feste und Veranstaltungen in der Stadtverwaltung, verweist auf eine "ergebnisoffene Ausschreibung zum Wenigemarkt" und die Auswahl, die von einer ämterübergreifenden Vergabekommission getroffen worden sei.

"Es wird jemand Neues auf dem Wenigemarkt eine neue Optik bieten", kündigt Kaestner an. Dessen Konzept habe überzeugt und werde einen neuen Akzent auf dem Weihnachtsmarkt setzen, der vom 22. November bis 22. Dezember wieder tausende Besucher erwartet in der Stadt.

Vom Domplatz über den Fischmarkt, die Schlösserbrücke, den Anger bis zum Willy-Brandt-Platz werden Händler in mehr als 200 Holzhäusern alles anbieten, was zum Weihnachtsfest gehört, heißt es auf der Erfurter Weihnachtsmarkt-Seite. Vom Domberg mit der Marienwiese ist dort aktuell noch keine Rede.

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