Mitten im Herzen Gothas wächst ein Campus

Gotha  Die Universität Erfurt eröffnet am oberen Hauptmarkt im Landschaftshaus der Residenzstadt ihr Forschungszentrum Gotha

Die Universität Erfurt zieht mit dem Forschungszentrum Gotha in das von Grund auf sanierte Landschaftshaus am Schlossberg. Studenten wie Meike Katzek, Gina Wiedemann, Florian Fürstenau und Philipp Metzler (von links) gehen von nun an dort ein und aus.

Die Universität Erfurt zieht mit dem Forschungszentrum Gotha in das von Grund auf sanierte Landschaftshaus am Schlossberg. Studenten wie Meike Katzek, Gina Wiedemann, Florian Fürstenau und Philipp Metzler (von links) gehen von nun an dort ein und aus.

Foto: Wieland Fischer

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Das Landschaftshaus am Fuße des Gothaer Schlossberges hat in seiner langen Geschichte vielfältigste Nutzungen erfahren. Es diente unter anderem als Parlamentssitz, Palais, Hygiene-Institut und war zuletzt fast verfallen. Nun bildet das von Grund auf sanierte Gebäude Sitz des Forschungszentrums Gotha der Universität Erfurt. Von hier aus werden Studierende aus aller Welt die „Schätze“ der Forschungsbibliothek im Schloss Friedenstein „heben“. Mit einem Festakt ist das Forschungszentrum Dienstagabend eröffnet worden, das im neu hergerichteten Tagungssaal mit Galerie.

„Der Umzug ist für uns ein Schritt hin zum Campus Gotha“, sagt Martin Mulsow, Direktor des Forschungszentrums. Es sei „ein Ausweis der wachsenden Größe.“ Als der Professor für Wissenskulturen der europäischen Neuzeit vor zehn Jahren nach Gotha kam, war das Forschungszentrum im Schloss Friedenstein in einem Turm untergebracht. Später folgte der Umzug ins Pagenhaus, nun in das prächtig hergerichtete Landschaftshaus. Mit der Aussicht, im September zum Semesterbeginn das Nachbargebäude in Besitz nehmen zu können.

Hier entstehe wirklich, was den Namen Forschungszentrum verdiene, stellt Walter Bauer-Wabnegg fest. „Und es wächst und wächst“, fügt der Präsident der Universität Erfurt an.

Als 2003 die Perthes-Sammlung, das einzigartige Verlagsarchiv des 19. und 20. Jahrhunderts mit kartographischem Schwerpunkt, vom Freistaat Thüringen mit den Mitteln der Kulturstiftung der Länder erworben und in die Forschungsbibliothek Gotha integriert worden war, gab das den Anstoß, in Gotha das Forschungszentrum zu gründen. „Ohne das langjährige Engagement der Fritz-Thyssen-Stiftung wäre das Forschungszentrum nicht das geworden, was es ist“, streicht Iris Schröder, Professorin für Globalgeschichte des 19. Jahrhunderts, heraus. Das trägt dazu bei, das gebündelte Wissen von Natur, Theologie, Philosophie und Geschichte der Zeit um 1800 Wissenschaftlern und Stipendiaten aus aller Welt zugänglich zu machen. Die Stiftung habe seit 2004 es mit mehr als 1,5 Millionen Euro ermöglicht, dass über 300 Stipendiaten nach Gotha gekommen und forschen konnten, sagt deren Vorstand Frank Suder.

Die Stadt Gotha und Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) unterstützen tatkräftig, aus Gotha wieder einen „Ort der Wissenschaften“ zu machen, wie Iris Schröder hervorhebt.

Jahrzehntelanger städtebaulicher Missstand ist durch die Baugesellschaft Gotha beseitigt worden. Kreuch nennt das Landschaftshaus jetzt einen „Saphir im Schmuckkästchen Gotha“. 4,5 Millionen Euro wurden investiert, um aus den Überresten des 1993 geschlossenen Hygiene-Instituts und die durch jahrelangen Leerstand verursachten Schäden wieder einen prachtvollen Bau werden zu lassen.

Ein Saphir im Schmuckkästchen

Mit 970 Quadratmetern Nutzfläche bietet das neue Domizil des Forschungszentrums Räumlichkeiten in zentraler Lage, direkt am oberen Hauptmarkt. Kreuch: „Auf Sicht zum Schloss Friedenstein kann von hier aus gearbeitet werden.“

Seit Anfang Mai sind Direktion und Verwaltung im sanierten Landschaftshaus am Gothaer Schlossberg 2 zu finden. Auch ein Teil der wissenschaftlichen Mitarbeiter und Gastwissenschaftler hat dort neue Arbeitsplätze erhalten. Die übrigen verbleiben voraussichtlich bis Anfang September im bisherigen Sitz des Forschungszentrums im östlichen Pagenhaus. Dann sollen auch sie in das direkt neben dem Landschaftshaus gelegene Gebäude, Hauptmarkt 17a-b umziehen, dort stehen neben zwei Büroetagen Gästewohnungen für Stipendiaten zur Verfügung.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.