Mühlhausen: Freimaurer sind kein Geheimbund

Mühlhausen  Die Loge „Hermann zur brüderlichen Einigkeit“ in Mühlhausen ist die einzige im Osten, die noch zu DDR-Zeiten gegründet wurde

Das Bijou mit dem Wappen, Bibel, Zirkel und Winkelmaß: Freimaurer-Symbole.

Foto: Alexander Volkmann

Mythen ranken sich um die Freimaurer; gar von einem weltumspannenden Geheimbund ist oft die Rede, mit merkwürdigen Ritualen und Symbolen. Das hat wohl in erster Linie mit sprachlichen Eigenheiten zu tun. Freimaurer nennen ihren Treffpunkt Tempel, reden sich untereinander mit Bruder an und die Gründung einer Loge ist die „Lichteinbringung“.

In Mühlhausen wird seit 200 Jahren Freimaurerei betrieben. Das feiert dieser Tage die Loge „Hermann zur brüderlichen Einigkeit“, die selbst erst am 28. September 1990 gegründet wurde – noch vor der Wiedervereinigung. Sie ist die erste Loge nach dem Krieg im Osten und die einzige, die noch zu DDR-Zeiten entstand. Wolf-Dieter Kirchner ist „Meister vom Stuhl“ der Loge – man könnte auch einfach Vorsitzender sagen.

Es war ein Bund von Handwerkern, vor allem Steinmetzen, die sich im Hochmittelalter zusammenfanden, um ihre Zunftgeheimnisse weiterzugeben. Vielleicht rührt der Mythos des Geheimbundes daher. Zur Zeit der Aufklärung nutzten Freigeister diese Bauhütten, die keiner Gerichtsbarkeit unterstanden, um ihre damals revolutionäre humanitäre Weltanschauung ohne Restriktionen auszutauschen. Dieser Gedankenaustausch, um die Welt besser zu machen, ist heute noch geistige Grundlage der Freimaurerei.

Die Rituale und Symbole, wie der rechte Winkel als Zeichen für „richtiges Handeln“ oder die Setzwaage als Sinnbild für die Gleichheit aller Menschen werden weltweit verstanden. Mozart, Goethe und Friedrich II. waren Freimaurer.

Was also ist deren Geheimnis? Es gibt keins, sagt Kirchner, nur, dass man sich der Vertraulichkeit verpflichtet habe. Nichts von dem, was im Tempel besprochen wird, dringt an die Öffentlichkeit. „Aber das ist genauso ‚geheim‘, wie ein Vorstandstreffen in einem Unternehmen“, stellt Karl-Henning Kröger fest. Er ist stellvertretender Großmeister der Großloge der „Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland“ – der größten deutschen Vereinigung von Freimaurern. Und er ist derzeit Gast bei den Mühlhäuser Brüdern, wie auch der Brite Terry Mahoney aus Hastings in England, der mit einer 30-köpfigen Gruppe anreiste.

Mühlhausens erste Loge wurde 1818 unter dem Namen „Hermann zur deutschen Treue“ gegründet. Seit 1856 nutzten die Freimaurer das Gebäude des heutigen Puschkinhauses als Logenhaus und Treffpunkt für die Familien der bis zu 200 Mann starken Loge. 1935 wurde das Haus konfiziert, die Logen in Deutschland verboten.

Zu DDR-Zeiten war die Freimaurerei nicht erwünscht. Aber das Gedankengut wurde weiter getragen – in Mühlhausen beispielsweise im Kulturbund. Erst mit der Wende eröffneten sich die Möglichkeiten, wieder eine Loge zu gründen und das Logenhaus zurück zu erwerben. Erster Meister vom Stuhl aus Mühlhausen war Frank Nöthlich.

So gehört Mühlhausen wieder zur größten Bruderschaft der Welt mit geschätzt etwa fünf Millionen Mitgliedern. Und vielleicht sei es in der heutigen Zeit mit Twitter und Facebook wichtiger denn je, dass der Mensch einen Rückzugsort bei Vertrauten findet, meint Kröger.

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