Nordhäuser Student gründet Selbsthilfegruppe für Trennungsväter

Nordhausen  Der Student Sebastian Friedrich hat jetzt eine Selbsthilfegruppe für Trennungsväter gegründet, um den Austausch von Erfahrungen und Freizeitaktivitäten zu ermöglichen.

Sebastian Friedrich hat die Selbsthilfegruppe „Aktive Papas Nordhausen“ gegründet. In Gesprächsabenden vermittelt er nun seine Hilfe.

Sebastian Friedrich hat die Selbsthilfegruppe „Aktive Papas Nordhausen“ gegründet. In Gesprächsabenden vermittelt er nun seine Hilfe.

Foto: Sebastian Friedrich

Kinder sagen frei raus, was sie denken. Wenn ihnen etwas nicht passt, meckern sie, wenn sie ihre Eltern lieb haben, sprechen sie es aus. Was aber, wenn sich Mama und Papa nicht mehr lieb haben?

Eine Frage, die sich Eltern erst dann mehr oder weniger freiwillig stellen, wenn es zu spät ist. Dann muss sich das Kind entscheiden oder im schlimmsten Fall wird es ihm vorgeschrieben.

Sebastian Friedrich ist diesen Prozess durchlaufen. Einmal selbst als Kind und nun aus der anderen Perspektive, als Papa. „Was da auf mich zurollte, hat mich viel Kraft gekostet“, berichtet der 41-Jährige, der sich anderthalb Jahre nach der Geburt seines Sohnes 2015 in einem Rechts-Dschungel wiederfand. Dabei wollte er eigentlich nur Papa mit Leib und Seele sein. Also begab sich der ehemalige Frankfurter Fotograf, der seit Beginn seiner Vaterrolle ein Ingenieurs-Studium an der Nordhäuser Hochschule absolviert, nach der Trennung von der Mutter seines Kindes auf die Suche nach Hilfe. Dabei stellte Friedrich fest, dass er nicht alleine mit seinen Problemen ist.

Eine Plattform, um anderen Vätern zu helfen

„Irgendwo musste einfach meine Energie hin, als es mir so schlecht ging“, erklärt Friedrich und entwickelte sodann aus eigener Betroffenheit die Idee für die Plattform der „Aktiven Papas Nordhausen“, um anderen Vätern helfend beiseitezustehen. „Eigentlich sollte es nur eine Selbsthilfegruppe sein, in der sich Papas zu lockeren Gesprächsabenden treffen, die nicht mit ihren Kindern zusammen leben dürfen, können, sollen oder wollen“, so der Student, der sich gerne mit gleichgesinnten Vätern über deren Sorgen austauscht, gute Ratschläge gibt und eine Anlaufstelle bieten möchte, wo man das Herz ausschütten kann.

Unabhängig davon entwickelte er die Grundidee jedoch weiter und stellte sich die Frage, was eine Gruppe aus Vätern Cooles mit ihren Kids im Südharz und der Umgebung unternehmen kann. Neben geplanten Aktivitäten hat Friedrich eine Liste aus Spielplätzen in Nordhausen und der Umgebung parat und gibt Tipps für Ausflugsziele, bei denen man mit dem Nachwuchs spielen kann, wenn es mal regnet oder wie jetzt, der Winter vor der Tür steht. Dann würde der Nordhäuser Student beispielsweise gerne mit anderen Vätern und deren Kindern in eine Weihnachtsbäckerei fahren. Oder im Sommer bei einer Klettertour in einem Hochseilgarten unbekanntes Terrain betreten und tolle Abenteuer bei einer Nachtwanderung erleben. Hierzu müssen aber genügend Väter zusammenkommen, damit sich die Ausflüge in der Gemeinschaft auch lohnen.

Bei alledem betont Sebastian Friedrich dennoch, wie essenziell beide Elternteile für die Entwicklung der Kinder sind, obwohl sich die Rolle des Vaters gerade in den letzten Jahren vollkommen neu definiert hat. „Kinder sind Frauensache, glaubten bis vor Kurzem die meisten Wissenschaftler. Doch seit einigen Jahren geraten zusehends die Männer in den Fokus der Forscher. Im Kreißsaal hören sie den ersten Schrei, mit dem ihr Neugeborenes die Welt begrüßt. Sie wickeln, sie füttern, sie trösten, sie spielen. Noch vor wenigen Jahrzehnten war all das die Ausnahme. Inzwischen geschieht es mit der allergrößten Selbstverständlichkeit. Väter unterbrechen sogar ihren Beruf für mehrere Monate, um in Elternzeit zu gehen und so die Mutter zu unterstützen.“

Für Trennungseltern ist dennoch nicht alles selbstverständlich. Nur ein Drittel der getrennt lebenden Eltern ist mit den ­getroffenen Betreuungsarrangements laut einer Studie des Instituts für Demoskopie in Allensbach zufrieden. Mehr als die Hälfte wünscht sich eine gleichberechtigte und gleich verantwortliche Elternschaft nach einer Trennung. Anspruch und Wirklichkeit von Eltern klaffen noch weit auseinander. Bisher lag der politische Fokus ausschließlich auf zusammenlebenden Familien, um Müttern bessere Chancen im Beruf und Vätern mehr Zeit in der Familie zu ermöglichen. „Aktuell soll sich da jedoch einiges ändern. So zum Beispiel bei der Doppelresidenz, für die ich plädiere. Das Kind lebt altersgerecht nach bestimmten Zeit-Konzepten bei Mutter und Vater zu gleichen Teilen“, erklärt Friedrich.

Probleme gemeinsam im Gespräch lösen

Warum Väter in der Erziehung so wichtig sind, wie Kinder reagieren, wenn ein Elternteil fehlt, und was eine Eltern-Kind-Entfremdung ist, all das erklärt der angehende Ingenieur gerne bei einem der nächsten Treffen der „Aktiven Papas Nordhausen“. Denn im Gespräch und mit Hilfe lassen sich Probleme gemeinsam lösen.

Der nächste Gesprächsabend für Väter ist am 29. November um 19 Uhr. Wer Interesse hat meldet sich telefonisch unter: (0179) 5153 650. Mehr Informationen unter www.aktivepapas.com

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