Park am Mönchhof in Siebleben zeigte sich nach seiner Sanierung

Siebleben (Gotha). Bettina und Thomas Balling haben das Anwesen hergerichtet. Gerd Hartung besuchte das Fest, weil er als Sechsjähriger schon hier war.

Auch Ortsteilbürgermeister Maik Wachsmuth (48) und seine Frau Sylvia (48) erwiesen den Eigentümern vom Mönchhof im neu gestalteten Park ihre Aufmerksamkeit. Sie kamen als Kanzler zu Friedenstein, Adolf Christian Avemann, und Gattin Susanne Magdalena und waren dem Fest eine Zierde. Foto: Lutz Ebhardt

Auch Ortsteilbürgermeister Maik Wachsmuth (48) und seine Frau Sylvia (48) erwiesen den Eigentümern vom Mönchhof im neu gestalteten Park ihre Aufmerksamkeit. Sie kamen als Kanzler zu Friedenstein, Adolf Christian Avemann, und Gattin Susanne Magdalena und waren dem Fest eine Zierde. Foto: Lutz Ebhardt

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Es ist ein Getümmel im schönen Park. Felix und Evita ziehen die Besucher in der Kutsche durch Siebleben. Der Kutscher rollt voller Stolz durch das geöffnete schmiedeeiserne Tor auf den Mönchhof.

Der ist zum ersten Mal in voller Pracht zu sehen. Das Ehepaar Balling und viele Helfer aus Siebleben sowie beauftragte Firmen haben alles so weit hergerichtet, dass sie es nun mit allen feiern wollen, die gern dabei sind. - Es sind viele.

Sie spazieren auf den gepflegten Wegen, betrachten die Bilder in den Kellerräumen, sitzen verträumt am Teich, trinken Kaffee oder einen Wein, essen Kuchen und reden miteinander.

Direkt vor dem Haus steht Gerd Hartung. Er ist 76 Jahre alt und extra aus Tambach gekommen. Er sagt auch, warum: "Ich wollte noch einmal da stehen, wo mein Vater vor siebzig Jahren gestanden hat."

Und dann erzählt er: "Mein Vater stand in seiner Uniform im Jahr 1944 hier unten direkt vor dem Haus. Ich stand da oben in der ersten Etage am mittleren Fenster, ich war ein Junge von sechs Jahren. Hier war die Isolierstation des Krankenhauses. Ich hatte Nasen- und Rachendiphterie und durfte zu niemandem Kontakt haben. Nur bei Alarm konnten wir aus dem Zimmer. Dann mussten wir schleunigst in den Keller."

Gerd Hartung sieht den Vater noch vor sich, wie er hier voller Sehnsucht stand und doch nicht zu seinem Sohn durfte. Gerd Hartung weiß auch noch, dass er, bevor er hierher musste, den Arzt in Gotha getreten hatte - aus Schmerz, weil die Untersuchung im Rachen höllisch weh tat. Gerd Hartung hat Maschinenschlosser gelernt, auf der Arbeiter- und Bauernfakultät das Abitur nachgeholt und in Erfurt und Jena Medizin studiert. Er war als Arzt jahrelang im ganzen Landkreis unterwegs.

Der Mönchhof, wie er nun geworden ist, gefällt ihm sehr gut.

Das hört Bettina Balling gern und außerdem oft an diesem schönen, lange sonnigen Nachmittag. Noch lieber hört sie alle möglichen Geschichten aus, über und um den Mönchhof. Seit sie hier ist und baut, hat sie bereits unheimlich viel erfahren. Aber es geht ihr wie anderen Leuten mit der Schokolade. Sie kann nicht genug davon bekommen. Sie zeigt auf Georg Meyer. Er steht an seiner Staffelei und malt ein weiteres Bild von diesem prächtigen Haus. Direkt neben ihm liegen Feldsteine so, als wollten sie in einen Keller führen. Er erklärt: "Das nannten wir den alten Milchkeller."

Besucher sind weiterhin nachmittags willkommen

Weiter erzählt er: "Als sich 1975 die Arbeitsgruppe Mönchhof gründete, haben wir zuerst einmal aufgeräumt und bemerkt, dass dieser halb verfallene Keller für die Kinder eine gefährliche Falle sein konnte. Also haben wir ihn vorsichtshalber zusammen geschoben. Das Portal haben wir abgehoben und bei mir zu Hause an der Mönch­mauer hingesetzt. So hat es die Jahre überdauert."

Die neuen Eigentümer fanden die Reste und wollten den Milchkeller wieder herrichten. Als Georg Meyer davon hörte, hat er ihnen gesagt, dass es noch das Portal gibt und dass er es bei sich abbauen und ihnen gern schenken würde.

Bettina Balling sagt: "Das hat uns unheimlich gefreut. Man merkt dann, man ist angenommen. Das ist ein unheimlich gutes Gefühl."

Der Park prangt in stillem Glanz. Das Wasser im Brunnen springt. Die Pflanzen stehen in aller Pracht. Der Rasen ist picobello. Es ist reichlich Rasen. Wer den wohl mäht? Bettina Balling sagt: "Wir haben einen Traktor. Da setzt sich jeder mal drauf, wie eben Zeit ist. Das spielt sich gerade ein."

Sie braucht nicht an jedem Tag den großen Bahnhof, aber sie möchte auch künftig die Türen zum Park für Besucher offen halten. In der Nacht und vormittags werde schon abgeschlossen. An den Nachmittagen aber, wenn sie im Garten arbeite, sind Gäste willkommen. Sie müssen nicht etwa jäten oder Rasen mähen. Sie dürfen genießen. Gut ist es, wenn sie Zeit für ein Gespräch mitbringen - und wer weiß, mancher hat vielleicht eine Geschichte dabei.

Vor zwei Wochen erst haben die Ballings geheiratet. Da spielte das noch junge Spohr-Quartett und eben da kam ihnen die Idee, dass es im nächsten Sommer vielleicht ganz gut passen könnte, ein Konzert mit Picknick oder auch ohne zu veranstalten. Die Idee wird reifen. Der Winter ist lang und gut dafür.

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