Politisch, rassistisch, sexistisch? Initiative sieht historische Gartenzwerge bedroht

Trusetal  Gartenzwerge stehen in so manchem Vorgarten. Ihre Anhänger sehen sie jedoch oft missbraucht: für Werbung, politisch, rassistisch, sexistisch. Das wollen sie jetzt ändern.

Gartenzwerge stehen im Zwergen-Park in Trusetal auf einer Wiese. Foto: Sebastian Kahnert, dpa

Gartenzwerge stehen im Zwergen-Park in Trusetal auf einer Wiese. Foto: Sebastian Kahnert, dpa

Foto: zgt

Im Trusetal im Thüringer Wald wollen sich am morgigen Samstag Anhänger für eine ganz besondere Spezies stark machen: die deutschen Gartenzwerge. „Immer wird auf den Zwergen herumgehackt, die sich nicht wehren können“, sagte der Leiter des dritten Zwergenkongresses, Frank Ullrich, der Deutschen Presse-Agentur. „Warum wird nicht eine andere Figur genommen?“

Die kleinen Männchen mit ihren roten oder blauen Zipfelmützen müssten für alle möglichen Vergleiche und Diffamierungen in Politik und Gesellschaft herhalten. Sie würden für rassistische oder sexistische Zwecke missbraucht oder in der Werbung entwürdigt. So sieht es Ullrich.

Dagegen wolle der Zwergenkongress und die 2006 gegründete Internationale Zwergenpartei mit derzeit etwa einhundert Mitgliedern vorgehen. „Geplant ist am Samstag eine Resolution an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.“

Der traditionell aus Ton und Keramik hergestellte deutsche Gartenzwerg gerate außerdem zunehmend zur Minderheit gegenüber neuen PVC-Formen, die zumeist aus dem Ausland und überwiegend aus Asien kämen.

Nach dem Wunsch der Gartenzwerg-Fans soll der deutsche Gartenzwerg deshalb auf die Unesco-Welterbeliste für immaterielles Kulturerbe der Menschheit gesetzt werden: Darauf stehen unter anderem der argentinische Tango, die Heilig-Blut-Prozession im belgischen Brügge und die Manden Charta in Mali, die als älteste Verfassung der Welt gilt.

Die Zukunft des traditionellen deutschen Gartenzwerges ist indes ungewiss. Es gebe nur noch einen großen deutschen Hersteller der einst massenhaft produzierten Figuren im thüringischen Gräfenroda. Das Familienunternehmen mit 140-jähriger Geschichte habe aber bislang keinen Nachfolger für Inhaber Reinhard Griebel, beklagte Ullrich, der im Zwergenpark etwa 2500 historische und moderne Figuren zeigt.

Die Geschichte der beliebten Zipfelmännchen mit aussagestarken Gesichtern und unterschiedlichsten Posen und Arbeitsgeräten begann Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Entstehen der Schrebergärten, wie Ullrich erläuterte. Nach landläufiger Meinung stand die Wiege des Gartenzwerges in Thüringen. Das könne aber nicht belegt werden. Der älteste, derzeit bekannte Nachweis eines Gartenzwerges stamme von 1886 aus einer Manufaktur in Neuwedel im damaligen Preußen, der älteste Nachweis in Thüringen aus dem Jahr 1893.

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