Rudi Gast hat 500 Hämmer und ein magisches Naturmuseum

Frankenroda  Der Rentner in Frankenroda betreibt ein kleines Museum. Staunende Besucher sehen den Wald danach mit anderen Augen

Erst auf den zweiten Blick offenbaren viele der Exponate ihren Sinn, die allermeisten von ihnen hat Rudi Gast selbst gefunden. Hier beschriftet ein Besucher einen kleinen Ast und steckt ihn das „Holzgestrüpp“, das sich Gasts heute 14-jährige Enkelin Davina ausgedacht hat. Foto: Sascha Willms

Erst auf den zweiten Blick offenbaren viele der Exponate ihren Sinn, die allermeisten von ihnen hat Rudi Gast selbst gefunden. Hier beschriftet ein Besucher einen kleinen Ast und steckt ihn das „Holzgestrüpp“, das sich Gasts heute 14-jährige Enkelin Davina ausgedacht hat. Foto: Sascha Willms

Foto: zgt

Etwas ungläubig blicken Gäste, wenn sie in das private Holz- und Hammer-Museum von Rudi Gast eintreten. Wurzeln, Äste und seltsame Knollen hängen in jeder Ecke. Baumstämme, die wie tätowiert aussehen.

Hier in Frankenroda kommt es nicht auf den geschulten Blick für Denkmäler an, sondern auf die Fantasie der Betrachter. Und viele von ihnen verlassen das kleine Fachwerkhäuschen mit Scheune fasziniert. Dabei hat Rudi Gast früher etwas ganz anderes gemacht.

Als Bauleiter hat er etwa einen Teil des Eisenacher Bachhauses mitgebaut. Ein schlichter und moderner Bau, der eine stressige und arbeitsreiche Baustelle war. Zur Rente schaltet Rudi Gast dann um. Statt Baubesprechung und Zeitdruck, hängt er sich den Handwagen ans Fahrrad und fährt in den Wald. Nur seine Zielstrebigkeit ist irgendwie übrig geblieben.

Denn mittlerweile ist aus dem Hobby seines Sohnes seine neue Lebensaufgabe geworden. So hat er etwa einen Blick entwickelt für die Knollen an den Bäumen, die nach Verletzungen dort entstehen.

Unglaublich, staunen die Besucher

„Manchmal scheinen es auch keine Verletzungen gewesen zu sein, das ist noch nicht vollständig geklärt“, weiß der heute 74-Jährige, der auch gerne mal einen Professor konsultiert, um Gewissheit zu erlangen.

Einige waren auch schon hier, alle waren sie begeistert. Je nach Baumart, Gewicht und Maserung gehen mittlerweile Hunderte Euro für so ein Stück Holz über den Tisch. Allerdings nicht bei Rudi Gast, Kommerz passt nicht zur geheimnisvollen Atmosphäre seines Museums. Einen Baumstamm der deutschen Einheit hat er stehen, der sich an einer Stelle geteilt hat, um Jahrzehnte später oben wieder zusammenzuwachsen.

Unglaublich, staunen die Denkmaltagsbesucher. Was wie Tätowierungen aussieht oder mit einem kleinen Fräser kunstvoll ins Holz gearbeitet, sind tatsächlich Fraßbilder von Holzschädlingen. Holz-Rudi hat eine ganze Abteilung davon.

Jede Menge Tiere begegnen dem Besucher auf dem Weg durch die verwinkelte Scheune. Eine Fluggans und eine Schafherde etwa oder eine Astgabel, die wie Kaninchenschenkel gewachsen ist. Fast wie ein wissenschaftliches Präparat steht ein halb verrotteter Baumstamm da, in seinem Inneren sind nur die Astwurzeln stehen geblieben.

Selbst die Enkelin hat die Faszination schon angesteckt. Mit ihrem Baumgestrüpp ist Davina selbst kreativ geworden. Jeder Besucher kann seinen Namen auf einen der zahllosen krumm gewachsenen Stöckchen schreiben und zu den anderen in den Haufen stecken.

Im Fachwerkhäuschen nebenan liegen weitere Seltenheiten und kleine Kostbarkeiten und fast nebenbei noch eine Sammlung von rund 500 Hämmern aller Gewerke und aus sämtlichen Werkstoffen. Ein Lottogewinn wäre nötig, um hier mal Ordnung reinzubringen, scherzt der Rentner. Und um dem Holzwurm Herr zu werden, der mit ihm hier lebt. Draußen gibt es frisch gepressten Apfelsaft und die Führung geht weiter.

„Die Luftwurzeln zum Beispiel“, fährt er fort. „Da steht eine Reihe Bäume nebeneinander, und nur ein einziger bildet Luftwurzeln aus. Warum?“ Es ist das, was Rudi Gast nicht erklären kann und will, was den Besuch zu etwas Magischem macht. Ein Publikumsrenner sei er damit bisher nicht geworden. Selbst der MDR hat schon hier gedreht, viel mehr Besucher waren es aber danach auch nicht. Man müsse es eben selbst gesehen haben. Er stehe ja schließlich im Telefonbuch.

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