Stadtmauer wird wieder aufgebaut: Großteil der Steine unbrauchbar

Mühlhausen  Auf einer Länge von 17 Metern wird saniert. Das Material stammt aus dem Firmenfundus. Bis Ostern ist das Fundament vorbereitet.

Der Teilabtrag der Mühlhäuser Stadtmauer ist bereits abgeschlossen. Aktuell wird in den nächsten Schritten das Fundament gegossen.

Der Teilabtrag der Mühlhäuser Stadtmauer ist bereits abgeschlossen. Aktuell wird in den nächsten Schritten das Fundament gegossen.

Foto: Alexander Volkmann

Das Loch in der Stadtmauer am Inneren Frauentor wird schrittweise größer. „Es wird nicht den Punkt X geben, an dem die Mauer komplett abgerissen ist. Da laufen mehrere Arbeiten parallel“, sagt Stefan Zeuch. Der Bauingenieur betreut im Mühlhäuser Rathaus die Sanierung der Stadtmauer.

Seit Anfang Februar laufen die Arbeiten. Vor dem Abriss der Mauer, wurde das angrenzende Frauentor mit vier Spannbändern umschlungen, um zu verhindern, dass es durch den Abriss Schaden nimmt.

Die Mauer muss auf einer Länge von 17 Meter saniert werden, denn in diesem Bereich hat sie sich jährlich um etwa einen Zentimeter geneigt – für jedermann sichtbar an einer Wölbung, einer Ausbeulung. Die Sanierung soll im November abgeschlossen sein und etwa 1,5 Millionen Euro kosten. 800 000 Euro gibt der Bund aus einem Denkmalschutz-Sonderprogramm, 570 000 Euro steuert das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie bei.

Ausgeführt werden die Arbeiten von der ortsansässigen Firma Denkmalpflege Mühlhausen Huschenbeth. Zugange ist laut Zeuch auch ein Bauforscher, der die Mauer, aber auch das Fundament untersucht. „Wir werden dadurch einen kompletten Schnitt durch die Mauer erhalten“, so Zeuch. Dass das Loch in der Mauer bereits jetzt, nach wenigen Wochen, so groß ist, das habe auch ihn überrascht. „Ich hätte mit mehr Zeit gerechnet, die der Abriss in Anspruch nimmt.“

Nicht alle der Steine, die schon abgetragen wurden und die noch abzutragen sind, werden auch wiederverwendet. In der Kalkulation war man davon ausgegangen, dass etwa zwei Drittel nicht wiederverwendbar sind – zu klein für eine erneute Verwendung, salz- oder gipsbelastet. Vor allem die Steine in der Mitte der Mauer seien „alles Bruch“ gewesen.

Die neuen Steine werden alte sein. Huschenbeth hat nach Aussage von Zeuch noch einige im firmeneigenen Fundus. Nicht nur aus Kostengründen eine gute Nachricht. „Bewitterter Stein sieht einfach besser aus.“ Die Steine für Bogen und Schießscharten wurden nummeriert und eingemessen.

Familie kann wohl wohnen bleiben

Es ist nicht das erste Mal, dass an diesem Abschnitt der Stadtmauer gearbeitet wird. So ist laut Zeuch der Bereich am Torbogen bereits um 1900 überarbeitet worden. Anfang der 1990er habe man Hohlräume verfüllt und Stabilität gebende Anker angebracht. „Die Arbeiten aber waren letztlich nicht fruchtbringend“, urteilt Zeuch.

Bis Ostern sollen das Fundament vorbereitet und weitere Steine abgetragen werden. Insgesamt sind 220 Kubikmeter Naturstein ab- und dann wieder aufzubauen.

Was den nördlichen Fußgängerdurchgang angeht, werde sich an den Einschränkungen bis zum Ende der Bauarbeiten nichts ändern: Er bleibt gesperrt. Zeuch appelliert noch mal an die Passanten, entsprechend vorsichtig zu sein und nicht den für Fahrzeuge vorgesehenen Torbogen zu nutzen.

Für die unmittelbar an der Baustelle lebende Familie wird die Stadt nach derzeitigen Stand der Dinge keine Ausweichwohnung bereitzustellen haben. „So wie es jetzt aussieht, können die Bewohner, anders als anfangs vermutet, in dem Haus bleiben“, sagt Stefan Zeuch.

Zahlen und Fakten zur Stadtmauer

  • Die innere, älteste Mühlhäuser Stadtmauer war knapp 2,8 Kilometer lang; sie umschloss rund 50 Hektar Fläche.
  • Zur Stadtmauer gehörten die vier Haupttore: Görmartor, Erfurter Tor, Felchtaer Tor, Frauentor.
  • Es gab wahrscheinlich vier Pforten: die Eselspforte und die Burgpforte auf der Nordseite sowie die – namentlich nicht bekannte – Pforte am Ausgang der Brunnenkreßstraße und eine weitere, nur erschlossene Pforte zur Spielbergstraße auf der Südseite.
  • Ob der ursprüngliche Hauptzugang zur Burg über die Breitenstraße bereits mit dem Bau der Mauer zwischen Burg und Stadt vor 1251 geschlossen wurde oder erst nach dem Abriss der Burg ab 1256, ist ungeklärt.
  • 2,2 Kilometer Stadtmauer sind bis heute erhalten.