Studie: Wer sich benachteiligt fühlt, neigt Rechtsextremismus zu

Erfurt  Erfurt. Der aktuelle „Thüringen Monitor“ misst bei den Menschen ein steigendes Gefühl der Diskriminierung als Ostdeutsche – parallel zu wachsender Ausländerfeindlichkeit.

Langzeitstudie misst Zunahme der fremdenfeindlichen Stimmung. Archivfoto: Matthias Balk/dpa

Langzeitstudie misst Zunahme der fremdenfeindlichen Stimmung. Archivfoto: Matthias Balk/dpa

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Es ist schon erstaunlich. Just in dem Moment, in dem sich das 25. Jahr nach der Wiedervereinigung vollendet, steigt die Zahl der Thüringer, die sich als Deutscher zweiter Klasse diskriminiert fühlen.

Noch erstaunlicher: Insbesondere die Altersgruppe, die gerade noch in der DDR geboren wurde, sieht sich durch ihre ostdeutsche Herkunft benachteiligt (siehe Grafik links). Noch verwirrender wird das Bild, wenn bei den ganz Jungen dann doch das gemessen wird, was erwartbar wäre. Sie fühlen sich am wenigsten diskriminiert – und dies mit abnehmender Tendenz.

Eine plausible Erklärung dafür liefern auch die Sozialwissenschaftler der Universität Jena nicht. Sie sind für die neueste Ausgabe des „Thüringen Monitors“ verantwortlich, der seit der Jahrhundertwende die Stimmung der Bevölkerung misst. Die Ergebnisse der Studie sollen Ende November im Landtag beraten werden und liegen unserer Zeitung bereits in Auszügen vor.

Auffällig ist auch diesmal der Zusammenhang zwischen dem Gefühl der Benachteiligung und rechtsextremen Einstellungen. Die beiden Kurven wachsen geradezu parallel. Die Regel, dass Menschen, die sich diskriminiert fühlen, eher vor der Diskriminierung anderer zurückschrecken, gilt hier nicht. ­

„Wichtigster Erklärungsfaktor“

Im Gegenteil. Das Gefühl der Zweitklassigkeit ist für die Soziologen einer der „wichtigsten Erklärungsfaktoren“ für den Anstieg des Rechtsextremismus und des Ethnozentrismus, mit dem die Voreingenommenheit gegenüber anderen Ethnien und Kulturen umschrieben wird. Die Abwehrhaltung gegenüber den Flüchtlingen lässt sich auch mit der eigenen, angenommenen Schlechterstellung erklären.

Rechtsextremistische Einstellungen wachsen in Thüringen wieder

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