Theater steht hinter Schauspielchef in Altenburg-Gera

Altenburg/Gera  Mit klaren Worten stellen sich das Theater Altenburg-Gera als auch Landrätin Michaele Sojka (Linke) hinter Schauspieldirektor Bernhard Stengele, der in Altenburg den „Hauptmann von Köpenick“ mit einem farbigen Darsteller besetzt hat.

Schauspieldirektor Bernhard Stengele. Foto: Sabina Sabovic

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Weder die rassistische Anfeindungen beklagenden Schauspieler noch Spartendirektor Bernhard Stengele, der Carl Zuckmayers Komödie „Der Hauptmann von Köpenick“ in Altenburg inszeniert hat und den Titelhelden von dem ­Afrikaner Ouelgo Téné spielen lässt, haben die Stadt in Verruf gebracht. Das betonen sowohl die Geschäftsleitung des Altenburg-Geraer Theaters als auch die Altenburger Landrätin Michaele Sojka in gestern verbreiteten Stellungnahmen.

Sojka wirft Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) auf Facebook vor, Ursache und Wirkung zu verwechseln. Den Imageschaden für die Stadt habe nicht Stengele, sondern „eine Handvoll, zugegebenermaßen sehr lauter Aktivisten des Bürgerforums zu verantworten“. Sie sei „einigermaßen entsetzt“ über Wolfs Erklärung. Darin hatte er den Schauspielchef scharf kritisiert und ihm ein „Spiel mit dem Feuer“ vorgeworfen (OTZ berichtete). Ähnlich äußerten sich Theaterintendant Kay Kuntze und sein Geschäftsführer Volker Arnold in einer gemeinsamen Erklärung. Wolfs Behauptung, Stengele bringe auf der Suche nach medialer Aufmerksamkeit die Stadt Altenburg mit „rassistischen Denkweisen“ in Verbindung, ziele völlig ins Leere, heißt es da. „Dass Bernhard Stengele, der sich in den letzten Jahren sehr für ein weltoffenes Altenburg engagiert hat, mit seinen Antworten auf die vielen dadurch ausgelösten Interview-Anfragen der Stadt geschadet haben soll, können wir nicht nachvollziehen.“

Das Pikante: OB Wolf ist auch Aufsichtsratschef des Fünf-Sparten-Theaters. Seine zu Wochenbeginn verbreitete Stellungnahme habe er als Oberbürgermeister abgegeben – die Haltung sei nicht Position des Aufsichtsrates, heißt es klar von der Stadt Gera, die neben Altenburg und dem Kreis Altenburger Land Mitgesellschafter ist.

Nicht das Theater, sondern die Tatsache, dass Ensemblemitglieder über Anfeindungen und wachsende Fremdenfeindlichkeit in Altenburg klagen, hat die überregionalen Medien auf den Plan gerufen. Dabei wurde nicht immer ganz sauber recherchiert. So schrieb etwa die „Bild“: Nach Rassismus-Übergriffen: Mitarbeiter flüchten“. Die Süddeutsche Zeitung behauptete, die ausländischen Schauspieler würden „wegen Rassismus“ das Theater verlassen. Das ist nur ein Teil der Wahrheit. Der fehlende Teil: Es gehen noch andere und der Schauspielchef selbst. Was an einem Theater nicht unüblich ist. Zuvor wird Stengele noch „Cohn, Bucky, Levy – der Verlust“ aufführen, ein Projekt, das sich mit jüdischem Leben in Altenburg befasst.

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