Thüringens schönste Plätze: Ein Ort, der aus der Zeit fällt

In der Grundmühle bei Tiefthal kann der Wanderer die Seele baumeln lassen. Geschichte und Geschichten prägen die außergewöhnliche Gastwirtschaft.

Der frühere Klempner Matthias Eichhorn ist Wirt der beliebten Gastwirtschaft. Foto: Alexander Volkmann

Der frühere Klempner Matthias Eichhorn ist Wirt der beliebten Gastwirtschaft. Foto: Alexander Volkmann

Foto: zgt

Tiefthal. Hierher gelangt man zu Fuß. Über Obstwiesen, Waldstückchen, kleine Brücken und Lichtungen. Der Weg schüttelt den Alltag ab und jede Hast. Er ist eine gute Vorbereitung auf diesen Ort. Ein wenig verwunschen, ein wenig einsam und wenn es dämmert sogar ein wenig schaurig. Im Schankraum eine Einrichtung wie zu Uropas Zeiten, draußen unter dem Buchenblätterdach Bänke und Tische. Ein Ort, der aus der Zeit gefallen ist. Genauso ergeht es dem Gast.

Grundmüller Matthias Eichhorn, die Seele dieses Ortes, ist eigentlich kein Grundmüller und die Mühle längst keine Mühle mehr. 1794 erbaut, wurde hier 120 Jahre lang Korn und Öl gemahlen. Dann brach das altersschwache Mühlrad zusammen und es begann die wundersame Verwandlung zur Gastwirtschaft. An Sonntagen fanden sich aus den umliegenden Dörfern herausgeputzte Wanderer am Tresen ein.

Als Matthias Eichhorn in die Mühle zog, war das Geschichte. Aber keine vergessene. Bald standen die ersten durstigen Wanderer vor der Tür. So wurde aus dem Klempner Matthias Eichhorn der Grundmüller.

Die Abgeschiedenheit schafft Nähe. Man kommt schnell ins Gespräch hier. Wenn man will.

Man kann hier aber auch sehr gut schweigen. Nimmt ab und zu einen Schluck aus dem Bierglas, hört die Amseln in den Wipfeln. Wenn man Hunger bekommt, bestellt man sich hier manchmal mit Lust Dinge, von denen man schon fast vergessen hat, dass es sie gibt. Fettbrote oder Harzer Roller.

Manchmal singt ein Barde zur Gitarre, Folkbands fiedeln zum Tanz, es wurde hier auch schon ein Waldhorn geblasen.

Dann hat man Mühe, einen Platz auf den Bänken zu bekommen. Vor allem wenn es ein lauer Sommerabend ist.

Aber echte Fans kommen auch hierher, wenn es regnet, stürmt und schneit. Dann flackert im Schankraum der Kamin und die ausgestopften Vögel an den Wänden werfen mystische Schatten. Und wenn man Glück hat, ist Grundmüller Matthias Eichhorn in Plauderlaune. Dann kann man sich die Geschichte vom Kloster Orphal erzählen lassen, das einst oberhalb der Mühle gestanden hat. Und davon, wie die leichtgläubigen Mönche einst den Teufel einließen. Zur Strafe ließ der Herrgott das Kloster verschwinden. Seitdem, so die Sage, hört man gelegentlich die Stimmen der klagenden Mönche.

Man schaut hier nicht auf die Uhr. Und wenn man dann aufbricht, zurück durch den Wald und über die Obstwiesen, wundert man sich, wie schnell die Seele zur Ruhe kommen kann.

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