Thüringens starke Frauen: Ein Interview mit Katrin Katzung

Das Interview: Die Unternehmerin Katrin Katzung über weibliche Kommunikation, berufliche Selbstzweifel und die Frage, warum Frauen eigene Netzwerke brauchen

Katrin Katzung aus Weimar führt den Unternehmerinnenverband Thüringen. Foto: Marco Kneise

Katrin Katzung aus Weimar führt den Unternehmerinnenverband Thüringen. Foto: Marco Kneise

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Für einen jährlichen Preis bedarf es einer Auswahl an geeigneten Nominierungen. Wie ist es um die weibliche Führungskraft in Thüringens Wirtschaft bestellt?

Nicht sehr gut. Als ich im vergangenen Jahr mein Amt als Vorsitzende des Thüringer Unternehmerinnen-Verbands aufnahm, hat mich das schon überrascht. Wir haben viele selbstständige Frauen in Handwerksbetrieben, aber wenig Unternehmerinnen im produzierenden Bereich oder in großen Firmen.

Was soll dieser Preis in erster Linie leisten, Ermunterung?

Er soll ermutigen, aber auch in der Öffentlichkeit wirken: Seht her, hier gibt es gestandene Frauen die in der Wirtschaft mitreden und sich behaupten.

Frauen, heißt es häufig, stehen sich selbst im Wege, weil sie Verantwortung und Entscheidungszwänge scheuen und lieber in der zweiten Reihe stehen. Ein Klischee, oder können Sie das bestätigen?

Für Firmen, in denen sich Frauen nach oben arbeiten müssen, kann ich das hin und wieder bestätigen. Bei Unternehmerinnen stellt sich die Frage anders, weil sie bereits mit der Firmengründung Verantwortung übernommen haben. Aus diesen Reihen habe ich auch selten den Ruf nach der Quote gehört.

Schwierig wird es also dann, wenn sich Frauen in bestehenden Hierarchien durchsetzen müssen?

So erlebe ich es, vor allem in großen Firmen.

Wir stellen Bewerberinnen für Unternehmenspreis vor

Es sind demnach häufig subjektive Faktoren, die Frauen am Aufstieg behindern?

Die beeinflussen stark, das ist nicht wegzureden. Viele Frauen trauen sich tatsächlich nicht, ihr Selbstbewusstsein nach oben zu korrigieren. Ich habe das auch bei der Ausschreibung des Preises gespürt. Manche Frauen riefen mich an und sagten: Jetzt hat mich jemand vorgeschlagen, aber so toll bin ich doch gar nicht. Männer haben nicht so große Probleme, ihre Person ins öffentliche Licht zu rücken. Das betrifft natürlich auch nicht alle, ich bin keine große Freundin von Klischees. Aber es ist wahr, dass Männer entschlossener den Weg nach oben antreten, ohne sich dabei ständig infrage zu stellen und nachzudenken, wie sie auf andere wirken. Frauen neigen eher zum Selbstzweifel.

Mehr Kommunikation, flache Hierarchien – Frauen wird gern ein anderer Führungsstil nachgesagt. Leiten Frauen wirklich anders?

Es existieren viele Studien dazu, vermutlich gibt es darauf keine eindeutige Antwort. Meine Beobachtung ist, dass Frauen Probleme lieber harmonischer klären und in der Kommunikation integrativer wirken. Erfahrungsgemäß läuft die Kommunikation dort am besten, wo Männer und Frauen in gemischten Teams zusammenarbeiten. Frauen sind sogenannte weiche Faktoren in der Arbeit wichtiger als Männern. Es geht nicht unbedingt um mehr Geld oder mehr Macht. Sie interessieren sich für die Familienpolitik der Firma, das Klima unter den Kollegen. Frauen ist es wichtiger, dass sie ihr Kind rechtzeitig aus der Kita abholen können und ihnen noch Zeit und Energie für die Familie bleibt.

Ist das ein Hindernisgrund für den beruflichen Aufstieg?

In großen Firmen auf jeden Fall. Solange zum Beispiel die Betreuungsarbeit von Vätern nicht ausreichend anerkannt wird, ändert sich wohl auch nichts viel daran. Es ist nach wie vor so, dass mancherorts Kollegen, und auch Kolleginnen, mit den Augen rollen, wenn ein Mann Elternzeit ankündigt. Da muss sich noch vieles in den Köpfen ändern.

Sie sind Vorsitzende des Thüringer Unternehmerinnen-Verbandes. Warum brauchen Frauen eigene berufliche Netzwerke?

Weil Frauen anders miteinander kommunizieren, andere Erfahrungen machen und ein Podium für den Austausch darüber brauchen. Wir hatten kürzlich ein interessantes Seminar darüber, wie Männer nach Feierabend die eigentliche Firmenpolitik bestimmen in Runden, zu denen sich Frauen gar nicht mehr dazutrauen. Oftmals bekommen sie das auch gar nicht mit und wundern sich dann, dass ihnen wichtige Informationen über Entscheidungsprozesse fehlen. Gleichzeitig kam in dem Seminar zur Sprache, dass Frauen für viele Männer in Sachen Kommunikation eine Black Box sind. Das Kommunikationsproblem gilt für alle, auch Frauen haben Probleme, Männer zu verstehen.

Als Ingenieurin arbeiten Sie in einer Männerdomäne. Haben Sie das Gefühl, Sie müssen Ihre Kommunikation umstellen, wenn Sie auf einer Baustelle Anweisungen erteilen?

Für mich ist das kein Problem, ich beherrsche beide Sprachen. Männer brauchen eine klare Ansage, ein zwei Sätze, keine Debatte, keine langatmige Erörterung. Man muss seine Kommunikation anpassen, sich dabei aber selbst treu bleiben. Das rate ich auch den jungen Frauen, die ich als Mentorin betreue.

Ist für die junge Frauengeneration der Weg in die Chefetagen selbstverständlicher, als noch für ihre Mütter ?

Die jungen Frauen sagen, ihnen ist es egal ob es eine Quote gibt oder nicht, sie kämpfen sich hoch. Das gilt übrigens auch für die jungen Männer. Aber diese Frauen studieren noch oder stehen am Anfang ihres Berufslebens. Vor welchen Grenzen sie stehen werden, wenn sie einmal zwei Kinder haben und beruflich nach oben wollen, wissen wir heute noch gar nicht.

Trotzdem hört man von Ihnen, dass Sie keine große Verfechterin der Frauenquote sind, die im kommenden Jahr gelten wird. Warum?

Weil ich überzeugt bin, dass die Frauen, die das Zeug für eine Führungsposition haben, es auch so schaffen werden. Außerdem empfinde ich die Quote für alle Frauen, die es ohne diese Regelung in die Chefetagen geschafft haben, als eine Entwertung ihrer Leistung.

Sie können die Quote nicht als Krücke akzeptieren, weil sich ganz offensichtlich ohne sie nichts bewegt?

Ich werte sie als ein Signal, dass die Gesellschaft diese Frage endlich ernst nimmt und hoffe, dass wir die Quote in zehn Jahren nicht mehr brauchen.

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