Trinkwasser bedroht: Gemeinde Gerstungen klagt gegen K+S

Erfurt  Die Thüringer Gemeinde Gerstungen hat Klage gegen die umstrittene Entscheidung der hessischen Behörden erhoben, dem Kalikonzern K+S noch bis 2021 die Versenkung von Kalilauge in den Boden zu gestatten.

Die knapp 6000 Einwohner der Gemeinde im Wartburgkreis sorgen sich um ihr Trinkwasser – und fürchten Millionenkosten bei der Infrastruktur. Foto: Roland Weihrauch

Die knapp 6000 Einwohner der Gemeinde im Wartburgkreis sorgen sich um ihr Trinkwasser – und fürchten Millionenkosten bei der Infrastruktur. Foto: Roland Weihrauch

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Das Schreiben sei beim zuständigen Verwaltungsgericht in Kassel eingereicht worden, bestätigte der 1. Beigeordnete, Dieter Trümper, der Thüringer Allgemeinen.

Die knapp 6000 Einwohner der Gemeinde im Wartburgkreis sorgen sich um ihr Trinkwasser – und fürchten Millionenkosten bei der Infrastruktur. Mehrere Brunnen mussten bereits außer Betrieb genommen werden, weil das Wasser versalzen war. „Und das wird jetzt so weitergehen“, sagte Trümper. „Die Chlorid-Werte steigen seit Jahren.“

Nach Untersuchungen von Umweltbehörden ist ein Gebiet von mehr als 500 Quadratkilometern zwischen Gerstungen, Tiefenort und Bad Hersfeld betroffen. Als Hauptursache für die Versalzung gilt der Kalibergbau im thüringisch-hessischen Werra-Revier. Mehr als eine Milliarde Kubikmeter an Kalilauge wurden in den vergangenen Jahrzehnten in tiefere Gesteinsschichten verpresst.

4400 Arbeitsplätze in der Region

Die Regierungen von Thüringen und Hessen sind sich im Grundsatz einig, diese Praxis zu beenden. Dennoch erteilte kürzlich das Regierungspräsidium in Kassel K+S eine weitere Ausnahmegenehmigung. Bis Ende 2021 dürfen jährlich bis zu 1,5 Millionen Kubikmeter Kali-Lauge in tiefere Gesteinsschichten gedrückt werden.

Davor hatten der Konzern, Gewerkschaften und Arbeitnehmer massiven Druck aufgebaut. Eine Kette von mehr als 12.000 Menschen demonstrierte für den Erhalt der rund 4400 Arbeitsplätze in der Region. Wegen der ungelösten Entsorgungsprobleme musste zwischenzeitlich nahezu die Hälfte der Belegschaft in Kurzarbeit.

Wie Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) mitteilte, erarbeitet das Land gerade einen kritische Stellungnahme zu der Genehmigung. Sie könne die Entscheidung in Kassel „nicht nachvollziehen“, sagte sie der TA. Weitere Umweltschäden seien programmiert.

Im Gegensatz zu ihr hatte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) Verständnis für eine weitere Versenkung gezeigt. So werde es „nun Perspektiven bei voller Produktion geben“, teilte er mit.

Tatsächlich hat K+S in dieser Woche erstmals seit Monaten die Produktion im Werrarevier auf volle Leistung hochgefahren. Die etwa 1000 Mitarbeiter, die sich noch in Kurzarbeit befanden, sind jetzt wieder in den Gruben und Fabriken beschäftigt.

Der rechtliche Einspruch aus Gerstungen wird daran vorerst nichts ändern. Bislang kam es bei ähnlichen Klagen der Gemeinde nicht einmal zur Verhandlung in der Hauptsache. Die Gemeinde macht dafür eine Verzögerungstaktik des Unternehmens und des Regierungspräsidiums verantwortlich. „Dabei geht es doch um unser Wasser“, sagte Trümper.