Umfrage: In den Thüringer Dörfern ist die Zufriedenheit am höchsten

Erfurt  In Thüringen sind die Menschen auf dem Dorf zufriedener mit ihrem Leben als in der Stadt. Das ist ein Ergebnis einer Umfrage des Erfurter Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag dieser Zeitung. Insgesamt zeigten sich 82 Prozent zufrieden.

88 Prozent der Dorfbewohner sind mit ihrem Leben mehr als zufrieden. Symbolfoto: imago

88 Prozent der Dorfbewohner sind mit ihrem Leben mehr als zufrieden. Symbolfoto: imago

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Auf die Frage „Wie zufrieden oder unzufrieden sind Sie alles in allem mit ihrem Leben?“ bezeichneten sich 88 Prozent der Dorfbewohner als sehr oder eher zufrieden. Nur zehn Prozent zeigten sich in den Orten bis zu 1500 Einwohnern unzufrieden. In Mittelstädten zwischen 20.000 und 100.000 Einwohnern war der Anteil der Unzufriedenen hingegen doppelt so hoch.

Für die repräsentative Erhebung wurden Ende Mai mehr als 1000 Thüringer per Telefon oder online befragt. Insgesamt zeigten sich 82 Prozent zufrieden - und 19 Prozent sogar sehr zufrieden mit ihrem Alltag. Dies liegt jedoch unter den Werten des Thüringen-Monitors im vergangenen Jahr, in der sich 95 Prozent der Befragten als „insgesamt zufrieden“ bezeichnet hatten. Allerdings differierte die Fragestellung zwischen beiden Studien leicht.

Je älter, umso zufriedener

Aber es gibt nicht nur ein Land-Stadt-Gefälle. So gilt: Je älter die Thüringer, umso zufriedener sind sie. So sind nur 71 Prozent der Menschen in der Dekade von 30 bis 40 zufrieden. Der Wert steigt dann schrittweise bis zu den über 60-Jährigen mit 87 Prozent. Einzige Ausnahme: Auch 83 Prozent der ganz Jungen bis 30 äußern sich zufrieden.

Einen Unterschied zwischen und Frauen und Männern bei ihrem Grad der Zufriedenheit stellte die Insa-Studie nicht fest. Auffällig sind hingegen die Unterschiede nach Präferenz. Am zufriedensten sind die Wähler von CDU (93 Prozent) und Grünen (92 Prozent). Die meisten Unzufriedenen gab es bei der AfD: Hier zeigten sich nur 73 Prozent zufrieden - und 27 Prozent unzufrieden.

Die Wissenschaftler der Universität Jena, die seit dem Jahr 2000 im Auftrag der Thüringer Staatskanzlei mit dem Thüringen-Monitor die Zufriedenheit messen, hatten zuletzt mehrere begünstigende Faktoren aufgelistet. Dazu gehörten neben einem höheren Einkommen auch eine geringer empfundene sozioökonomische Benachteiligung.

Überwältigende Kritik am politischen Prozess

Dass jüngere Personen oft unzufriedener seien, liege offenbar daran, dass sie stärker „ungünstige materielle Vergleiche“ anstellen und vermutlich „noch mehr vom Leben erwarten“, interpretierten die Jenaer Wissenschaftler ihre Ergebnisse. Zudem stellten sie Forscher fest, dass die Befragten in den Landkreisen „statistisch signifikant zufriedener“ waren als in den kreisfreien Städten.

Der Thüringen Monitor zeigte zudem, dass die Situation komplex ist. Trotz der hohen allgemeinen Zufriedenheit, die in den vergangenen Jahren sogar noch stieg, gibt es eine überwältigende Kritik am politischen Prozess. Fast 70 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, „dass in unserer Demokratie die Anliegen der Menschen nicht mehr wirksam vertreten“ würden. Fast ebenso viele Menschen finden, dass mehr „für die Mehrheit der Leute“ getan werden müsse, „als sich um Minderheiten zu kümmern“.

Leitartikel von Martin Debes: Die Sorgen der Zufriedenen

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