Vorbereitung in Sömmerda auf jugendliche Flüchtlinge ohne Begleitung

Landkreis  Sömmerda. Gesucht werden vor allem Unterbringungs- und Ausbildungsmöglichkeiten sowie Fachpersonal.

Auch bei der Stiftung Finneck - hier das Franziskushaus in Rastenberg - wird die Situation der Betreuung unbegleiteter jugendlicher Flüchtlinge diskutiert. Foto: Ursula Tunze

Auch bei der Stiftung Finneck - hier das Franziskushaus in Rastenberg - wird die Situation der Betreuung unbegleiteter jugendlicher Flüchtlinge diskutiert. Foto: Ursula Tunze

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Das Thema für die Sitzung des Jugendhilfeausschusses klang sperrig: Informationen zum Umsetzungsstand und den Herausforderungen der Sicherstellung der kind- und jugendgerechten Versorgung, Betreuung und Unterstützung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge im Landkreis Sömmerda. Doch ist, beziehungsweise wird die Situation für den Landkreis ganz konkret.

Stiftung Finneck und Jugendhilfe Gebesee

Die Leiterin des Jugendamtes, Martina Weise-Watzek, bemühte sich seit längerem um Informationen vom Land. Minuten vor der Sitzung des Ausschusses bekam sie folgende Auskünfte. Etwa 700 solcher jugendlicher Flüchtlinge ohne Familien und Betreuer sind für Thüringen angekündigt. Das Sömmerdaer Jugendamt gehört zu den sogenannten Aufnahmejugendämtern. „Das heißt, wir werden dieser besonderen Gruppe an Kindern und Jugendlichen auch eine Unterbringung in Form von Heimerziehung bereitstellen“, so die Jugendamtsleiterin.

Man wollte sich gerne auf bestimmte Religionen und Nationalitäten besser vorbereiten. Doch auf diesbezügliche Nachfragen kamen noch keine erhellenden Auskünfte. „Wir rechnen also mit beinahe allen Nationalitäten. Wahrscheinlich kommen jedoch keine unbegleiteten Mädchen, sondern 14- bis 18-jährige Jungen“, informierte Martina Weise-Watzek. Etwa 25 junge Leute werden zuerst erwartet. Die Jugendlichen seien bereits in Inobhutnahmeeinrichtungen an Einreiseknotenpunkten wie in München und Hamburg. Und auch, wenn sie wohl erst zu Beginn des Jahres 2016 im Landkreis eintreffen, müssen jetzt die Voraussetzungen geschaffen werden.

„Wir müssen als erstes Plätze in Heimen suchen. Denn die jugendlichen Flüchtlinge haben das gleiche Recht auf Unterbringung und Betreuung wie unsere Jugendlichen“, unterstrich die Jugendamtsleiterin. Im Landkreis Sömmerda gibt es zwei Träger, die Heimerziehung bieten. Das sind die Stiftung Finneck und die Jugendhilfe Gebesee. Mit beiden Trägern gab es bereits erste Gespräche und die grundsätzliche Bereitschaft zur Aufnahme von jugendlichen Flüchtlingen, die ganz alleine hier her kamen.

Doch mit einem Bett alleine ist es lange nicht getan. Für eine wirkliche Integration braucht es neben der Aufnahme unter Gleichaltrigen unter anderem Schulbildung, Berufsausbildung (die Berufsschule Sömmerda signalisierte Unterstützung) und vor allem geeignetes Fachpersonal, das sich der jungen Leuten annehmen kann.

Gesucht werden Männer, die sich in Sprache, Nationalitäten, Religionen, psychologischer Aufarbeitung von Erlebnissen auskennen. Und dies wird keinesfalls einfach. Möglich wäre eventuell auch eine Weiterbildung von geeigneten Leuten.

Vereine wollen sich mit einbringen

Genaueres zu Zahlen, Kosten, Terminen etc. konnte die Jugendamtsleiterin jedoch dem Ausschuss noch gar nicht mitteilen. Der Vorschlag von Claudia Heber (CDU), dass eventuell Mitglieder des Vereines kinderreicher Familien bei der Betreuung von jugendlichen Flüchtlingen ohne Familien mit helfen würden, wurde erst einmal dankend vermerkt.

Einig waren sich die Ausschussmitglieder indes in einem: Das wird eine große und nicht leichte Aufgabe. Da kommt etwas auf uns zu.

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