Warum Serien-Star Roy Peter Link in Erfurt Taxi-Chauffeur wird

Erfurt  Der Schauspieler, bekannt durch seine Hauptrolle als Dr. Niklas Ahrend in der ARD-Vorabendserie „In aller Freundschaft - Die jungen Ärzte“, drehte am Montag nicht wie sonst im Johannes-Thal-Klinikum im Kindermedienzentrum, sondern stand in der Rosa-Luxemburg-Straße vor der Kamera.

Roy Peter Link holt als Onkel Kurt stets seinen Neffen Matti (Mikke Rasch, Mitte) von der Schule ab. Dessen bester Freund Turo (Bendix Hansen) will mit ihm nach Finnland – doch der Familie fehlt das Geld.

Roy Peter Link holt als Onkel Kurt stets seinen Neffen Matti (Mikke Rasch, Mitte) von der Schule ab. Dessen bester Freund Turo (Bendix Hansen) will mit ihm nach Finnland – doch der Familie fehlt das Geld.

Foto: Marco Schmidt

Die Hose etwas hochgekrempelt kommt Onkel Kurt über den Schulhof geschlendert. Dann lehnt er sich lässig ans Taxi, plaudert mit Matti. Das ist sein Neffe und im echten Leben ist Kurt nicht Kurt sondern Roy Peter Link.

Der Schauspieler, bekannt durch seine Hauptrolle als Dr. Niklas Ahrend in der ARD-Vorabendserie, drehte gestern nicht wie sonst im Johannes-Thal-Klinikum im Kindermedienzentrum, sondern stand in der Rosa-Luxemburg-Straße vor der Kamera. Dort entstehen derzeit Szenen für den Kinofilm „Matti & Sami“. Heute ist er dann wieder Chirurg und Gynäkologe. „Es ist ein warmes Gefühl, mit Kindern zu drehen. Sie sind so unbelastete Kollegen und es macht alles lebendiger“, sagt der 35-Jährige. „Ich genieße den Dreh.“

Der Film, der voraussichtlich im Frühjahr 2018 in die Kinos kommt, erzählt eine urkomische Geschichte über das Flunkern, mit dem sich Erwachsene ganz selbstverständlich den Alltag erleichtern. Dass sich die Erwachsenen oft nicht an ihre eigenen Regeln halten, bringt das Universum des zehnjährigen Matti in Schieflage. Mikke Rasch spielt Matti und Matti hat den Willen, Neues anzugehen. Er glaubt an die Erfüllbarkeit von Träumen – und bastelt eine Gewinnbenachrichtigung für eine Reise nach Finnland. Denn von dort stammt sein Vater. Er und seine Frau könnten sich nie den Urlaub leisten, Mattis Mutter ist oft gestresst, traurig. Ihr Bruder indes, Onkel Kurt, ist eine Frohnatur, verbringt viel Zeit mit Matti und holt ihn jeden Tag mit seinem Taxi von der Schule ab. Am Taxi ist ein Hamburger Kennzeichen, und die Erfurter Johannesschule ist im Film die Rosa-Luisen-Schule.

„Wir covern Hamburg“, sagt Produzent Philipp Budweg von der „Lieblingsfilm GmbH“. Dort ist G20, hier der Kika und der MDR, die die Filmproduktion unterstützen. „Dieser Klinkerbau hat uns sehr gefallen – er stellt die Brücke zur Hansestadt dar.“ Die Johannesschule, die ab Ende des Jahres saniert werden soll, eigne sich besonders gut für die Szenen im Flur, im Klassenraum und auf dem Pausenhof. „Die Blickachsen auf den Pausenhof sind sehr günstig“, sagt Philipp Budweg.

Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung sei durchaus positiv gewesen, als die Produktionsfirma wegen der Dreharbeiten anfragte. „Wir erhielten auch große Unterstützung von Schulleiterin Sabine Iffarth und sind ihr sehr dankbar“, betont der Produzent.

Regie führt Stefan Westerwelle, der mit dem Film sein Kinderfilmdebüt gibt und auch das Drehbuch geschrieben hat. Vier Tage wird das Team vor und in der Johannesschule drehen, am Freitag ist es in einer weiteren Erfurter Schule zu Gast. Dort allerdings sind nur Innenaufnahmen geplant.

Hier, an der Johannesschule oder überhaupt in dem Viertel war Roy Peter Link noch nie. „In welcher Himmelsrichtung Erfurts sind wir gerade“, fragt er. In der Innenstadt Erfurts indes kennt sich der Wahl-Berliner mittlerweile recht gut aus. „Mein Lieblingsteil von Erfurt ist die Altstadt.“ An durchschnittlich drei Tagen pro Woche dreht er in Erfurt für „Die Jungen Ärzte“. „Erfurt ist wirklich niedlich, ich fühle mich hier sehr wohl.“

Texte lernen im Bordbistro

In dem Kinofilm spielt er den Taxi fahrenden Onkel Kurt, der mit seiner Gutmütigkeit das Herz von Neffe Matti auf seiner Seite hat. „Wie legitim ist es, etwas Schlechtes zu tun, wenn man etwas Gutes erreichen will“, fragt Regisseur Stefan Westerwelle. Nun, keine der Figuren im Film wisse eine klare Antwort, und das sei großartig, meint er.

Doch wie hält es Roy Peter Link mit den kleinen Alltagslügen, wollen wir von ihm am Set wissen. „Nun“, sagt er, „die Frage ist ja, wo fängt Lügen an. Schon dann, wenn man den Kindern vom Weihnachtsmann erzählt? Meine letzte große Lüge, wenn man es so nennen mag, war erst letzte Woche Donnerstag. Ich wollte einen Freund überraschen, sagte aber zu ihm, mein Zug habe Verspätung – und stand plötzlich vor seiner Tür. Die Überraschung war gelungen“, erzählt der Schauspieler. Und verrät noch, dass er die Texte für seine Rollen am besten im Bordbistro lernen könne. Dort lenke ihn nicht so viel ab wie zu Hause.

Die Drehpause ist zu Ende, das Taxi fährt vor und schon ist Roy Peter Link wieder Onkel Kurt und die Johannesschule die Rosa-Luisen-Schule – in der Rosa-Luxemburg-Straße.

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