Weimar lädt zur Feier: 300 Jahre Befreiung Johann Sebastian Bachs

Weimar  Zwischen Bastille, Himmelsburg und Stadtkirche: Ein ganzer Tag im Zeichen des Hoforganisten und Konzertmeisters     

In der Bastille wurde Johann Sebastian Bach arrestiert.

In der Bastille wurde Johann Sebastian Bach arrestiert.

Foto: Michael Baar

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Nicht die Eisbahn und nicht der Weihnachtsmarkt – die Bastille wird am Sonnabend Ausgangspunkt einer Feier sein, wie sie Weimar noch nicht beging: Johann Sebastian Bach wurde an diesem Tag aus dem Weimarer Arrest entlassen. Weil das genau 300 Jahre her ist, organisiert der Verein Bach in Weimar ein klingendes Fest rund um die Befreiung des Hoforganisten, Konzertmeisters und Kammermusikus unter dem Titel „Kehraus Bach“.

Die Bastille als Arrestort, die Himmelsburg als ehemalige Hofkapelle, das Herderzentrum, die Stadtkirche St. Peter und Paul und das Hotel Russischer Hof sind Schauplätze und Klangorte des Feier-Tages. Die Musik nimmt Bezug dazu.

Die Tat- und Klangorte Bach‘scher Musik

Für Vereinsvorsitzende und Leiterin der Bach-Biennale, Prof. Myriam Eichberger, steht dabei Bachs Präludium C-Dur aus dem „Wohltemperierten Clavier“ in der ersten Reihe. Bach schrieb das Stück in seiner Weimarer Arrestzelle, weshalb es 300 Jahre später mehrfach erklingen wird. Mit Fu-Jung Chuang, Damian Poloczek und Estzer Szedmák spielen Studierende des Instituts für Alte Musik das wohl „berühmteste Klavierstück der Welt“ und andere Bach-Werke jeweils 15 Minuten lang am „MusikTatort“ – der Arrestzelle.

„Auf KlangWolken“ ist der Musizierort „Himmelsburg“, die 1774 abgebrannte Schlosskapelle, benannt. Hier erklingen ab 15 Uhr im Halbstunden-Takt Sonaten für Viola da gamba und Cembalo mit Hille Perl, Gernot Süßmuth und Dominik Beykirch. Im Part „Auf KlangWolken“ II widmen sich das junge Ensemble La Ninfea a und Hille Perl einem anderen berühmten Gefangenen: dem Mann mit der eisernen Maske, der 1703 in der Bastille von Paris starb.

Am Herderplatz lassen später Blechbläser der Staatskapelle vom Herderzentrum „Bach von oben“ erklingen, bis dieser zum Festkonzert in die Herderkirche zieht: Mitwirkende sind dann Myriam Eichberger, Friederike Vollert, Alfia Bakieva, das Ensemble Hofmusik, Cantus Thuringia, Michael Kapsner, Wolfgang Tiefensee, Elisabeth Gebhardt und Henrich Herbst. Zu den Höhepunkten sollen die Uraufführung von Michael Kapsners „B A C H 1717“ mit Orgel und Vokalensemble sowie eine Bach-Überraschung mit Minister und Bach gehören.

Im Russischen Hof klingt das fest mit „MusiCulinarik“ aus: ein Buffet, das Bachs gesegnetem Appetit nachempfunden ist, und Musik von Michael Kapsner und Bernhard Klapproth an zwei Cembali. Sie improvisieren Konzertantes, wie es Bach nach Ohrenzeugenberichten mit seinen Weimarer Söhnen zu Hause aus dem Stegreif erfunden hat.

Auf ein Happy-End in BACH-Dur

Mit dem „Kehraus Bach“ setzt der Verein Bach in Weimar auch ein Zeichen für einen neuen Umgang mit seinem Anliegen. Noch immer soll Bach am authentischen Wohnort eine Bleibe erhalten, wo er mit seiner Familie wieder einziehen kann. Das glückliche Erinnern an Bachs Befreiung „soll nach 300 Jahren ein Tor in eine klingende und ,BLEIBEnde‘ Zukunft Bachs in Weimar aufstoßen“, so Myriam Eichberger. Sie hofft auf „ein Happy-End in BACH-Dur“.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.