Wieder Schaf und drei Ziegen im Landkreis Gotha gerissen

Wechmar/Wölfis  Im Landkreis Gotha wurden ein Schaf und drei Ziegen gerissen. Die Halter gehen von erneuten Wolfs- oder Hybridattacken aus. Die Tatorte liegen auf einer Weide und am Dorfrand.

Bei Wechmar ist zum wiederholten Mal ein Schaf getötet worden.

Bei Wechmar ist zum wiederholten Mal ein Schaf getötet worden.

Foto: Gerd Steuding

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Im Gothaer Land sind erneut Tiere auf der Weide gerissen worden. Als am Mittwochmorgen Schäfer Gerd Steuding zu seiner Herde ging, lag dort ein Schaf mit aufgerissenem Bauch.

Wie jetzt bekannt wurde, sind Anfang voriger Woche am Ortsrand von Wölfis drei Ziegen getötet worden, nur gut 100 Meter vom Dorf entfernt. Seit dem Wiederauftreten des Wolfes in der Region sei der Übergriff so nah wie noch nie am Ortsrand erfolgt, berichtet Daniela Brückner, Halterin der Ziegenherde. Die Wölfiserin und Schäfer Steuding gehen davon aus, dass die getöteten Tiere Opfer von Wolf- oder Hybridattacken geworden sind.

„Gott sei Dank, es ist diesmal nur ein Schaf gerissen worden“, sagt Schäfer Steuding über den erneuten Vorfall. Die Herde mit rund 850 Tieren des Landwirtschaftsbetriebs Agrarprodukte Schwabhausen war etwa 500 Meter südlich der Autobahn zwischen Wechmar und Mühlberg eingepfercht. Sie sei mit wolfssicheren Netzen eingezäunt gewesen, 90 Zentimeter hoch, darüber eine Flatterband bis in 1,20 Meter Höhe. Der Zaun sei mit 6000 Volt Spannung unter Strom gesetzt gewesen. Steuding: „Alles nach Vorschrift. Das hat der Rissgutachter bestätigt.“ Aber geholfen hat es nicht. Für den Wolf stelle eine Höhe von 1,20 Meter kein Problem dar, um sie zu überwinden, wenn er Hunger habe, besagt Steudings Erfahrung.

Schäfer sieht Futterproblem kommen

Zu oft mussten er und seine Kollegen das in den vergangenen Monaten erfahren. „In der Wechmarer Gemarkung war es der dritte Übergriff“, sagt Steuding. Der letzte größere Vorfall hatte sich im August ereignet, als wegen eines vermeintlichen Wolfsangriffs Schafe und Ziegen auf die Autobahn A 4 gestürmt waren und einen Unfall verursacht hatten (wir berichteten am 21. August).

Diesmal halte sich der Schaden in Grenzen. Sonst sei manchmal eine halbe Ziegen aufgefressen worden. Rissgutachter Uwe Möller habe festgestellt, dass ein halbes Kilo des toten Tiers fehle. Das Bissmuster am Kehlkopf deute auf einen Wolf oder einen Hybriden. Die Auswertung der DNA-Probe stehe noch aus.

Schafhaltern stehen 150 Euro Entschädigung für jedes vom Wolf gerissene Nutztier zu. „Das Tier wird ersetzt, aber die Folgeschäden nicht“, beklagt Steuding.

Wegen des Stresses mit dem Wolf verlammen die Schafe häufig. Es komme vermehrt zu Fehlgeburten. „Die Mutterschafe sind trächtig im zweiten, dritten Monat. Wenn sie nach einer Fehlgeburt nicht noch einmal befruchtet werden, bringen sie nächstes Jahr kein Lamm zur Welt“, so die Überlegungen des Schäfers. „Dafür ist keine Entschädigung in Sicht.“ Das stehe auch in keiner Förderrichtlinie. Angesichts der Mühlen der Bürokratie glaubt Steuding auch nicht an eine schnelle Anpassung.

Im Hinblick auf die prekäre Futtersituation seien die Schaf-Halter jetzt darauf angewiesen, ihre Tiere so lange wie möglich im Freien grasen zu lassen, die „Pfennige zu suchen“. Anderswo gebe es kein Futter, für Silo und Heu sei der zweite Schnitt wegen der Trockenheit so gut wie ausgeblieben. „Das Raufutter fehlt uns in Größenordnung. Wenn wir die Tiere jetzt in den Stall nehmen, was sollen wir dann Weihnachten füttern?“, fragt sich Steuding.

So steht auch die elfköpfige Ziegenherde von Daniela Brückner im Freien am Ortsrand von Wölfis. Am Dienstagmorgen, 11. September, fehlten drei davon. Nur noch Köpfe und zwei Vorderläufe seien von den Tieren übrig gewesen. Sie habe daraufhin den Rissgutachter bestellt. Das Ergebnis der Untersuchung liege noch nicht vor.

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