Zukunftsstadt: Wie experimentell darf man in Nordhausen bauen?

Nordhausen. Architektin Pia Wienrich spricht im TA-Interview über die „Zukunftsstadt“ und die Frage, wie experimentell man in Nordhausen bauen darf.

Die Architektin Pia Wienrich liegt viel am Stadtumbau in der Rolandstadt. Sie möchte vor allem die Bürger mit einbeziehen. Foto: Thomas Müller

Die Architektin Pia Wienrich liegt viel am Stadtumbau in der Rolandstadt. Sie möchte vor allem die Bürger mit einbeziehen. Foto: Thomas Müller

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Was versprechen Sie sich von der Teilnahme an den Workshops zum Wettbewerb „Zukunftsstadt“?

Ich hoffe schon, dass ich mich als Architektin mit meinen Ideen einbringen kann, die ganze Sache tangiert mich also zum einen beruflich. Zum anderen interessiert mich, was aus Nordhausen wird. Ich denke, unter diesem Gesichtspunkt könnten auch noch mehr Bürger an den Workshops teilnehmen.

Wo liegt Ihr besonderes Interesse?

Am energetischen Stadtumbau. Wie werden wir künftig bauen, was sollten wir dabei berücksichtigen? Aus meiner Sicht müssen wir uns unserer Ziele beim Planen noch bewusster werden. Zum Beispiel steht für mich die Frage, ob man auch in der Altstadt innovativ oder gar experimentell bauen darf und kann. Können Architekten mit ihren Entwürfen künftig auch soziale Gemeinschaften befördern, Modelle wir Car- und Bikesharing oder neue Wohnkonzepte nach Nordhausen bringen? All das spielt ja hier eine Rolle.

Glauben Sie, dass das Car- und Bikesharing, bei dem sich Leute Auto oder Fahrrad teilen, hier funktionieren würde?

Das denke ich schon. Es gibt gerade junge Leute, die das Auto nicht mehr als Statussymbol betrachten.

Viele Menschen schrecken solche Workshops ab, es ist ihnen zu unkonkret.

Sicher sollte man den roten Faden nicht verlieren, alle denkbaren Dinge auch ein wenig mit den Gegebenheiten in Nordhausen abgleichen. Deshalb finde ich es gut, dass viele Studenten in den Workshops sind, die neue Perspektiven mitbringen. Aber alles, was jetzt besprochen wird, könnte irgendwann auch konkret werden.

Wie schätzen Sie das energetische Einsparpotenzial in Nordhausen ein?

Das ist schwer einzuschätzen. Unter anderem steht dahinter ja auch die Frage, unter welchem energetischen Einsatz Materialien hergestellt werden und wie sie entsorgt oder noch besser recycelt werden können.

Ist die Dämmung mit Styroporplatten denn immer noch so alternativlos?

Alternativlos nicht. Es gibt andere Möglichkeiten. Aber sie sind immer noch die preiswerteste Form der Dämmung. Das spielt bei der Entscheidung eine Rolle.

Was haben aus Ihrer Sicht die Bürger von diesem Wettbewerb mit all seinen Prozessen?

Die Teilnehmer der Workshops gewinnen viele Erfahrungen, die Studenten sicher auch Stoff für ihre Arbeit. Für die meisten Bürger wird der Wettbewerb aber wohl erst dann interessant, wenn unsere Stadt es in die nächste Auswahlstufe schafft.

Dann sollen ja unter anderem Planungen vom Bund finanziert werden. Sehen Sie Nordhausen denn in dieser nächsten Stufe?

Es wäre Nordhausen wirklich zu wünschen. Es gibt vieles, was eine Realisierung verdient.

Zur Person

Pia Wienrich (44) ist als Architektin für die Nordhäuser Firma Arko Bauplanung tätig. Unter anderem verantwortete sie die Neugestaltung der Wohnblöcke in der Conrad-Fromann-Straße in Nordhausen-Ost und der Töpferstraße 41/42 gegenüber dem Kino mit seinem Eiscafé in der Erdgeschosszone.

Sie plante den Bau der Kirche der evangelischen freikirchlichen Gemeinde in der Grimmelallee sowie die Sanierung des Gemeindesaals im Pfarrhaus in der Wallrothstraße. Seit Jahren bringt sich Wienrich in den Stadtumbau aktiv ein und ist auch im Denkmalbeirat der Stadt ehrenamtlich tätig.