33 Jahre nach Tschernobyl: Auch Thüringer Wildfleisch teils belastet

Erfurt  Wildschweine wühlen gerne im Waldboden und fressen Hirschtrüffel. Bis heute ist die radioaktive Belastung nachweisbar, die sie dabei aufnehmen - auch in Thüringen.

Auch 33 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl sind Wildschweine noch hoch radioaktiv belastet. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

Auch 33 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl sind Wildschweine noch hoch radioaktiv belastet. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

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Wegen zu hoher radioaktiver Belastung haben Jäger in Thüringen im vergangenen Jahr 81 erlegte Wildschweine nicht in den Handel bringen dürfen. Das geht aus der Antwort des Landwirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Babett Pfefferlein hervor. Damit war die Zahl fast so hoch wie im Jahr zuvor, als bei 82 geschossenen Schwarzkitteln so viel radioaktives Cäsium-137 nachgewiesen wurde, dass sie nicht weiterverwertet werden durften.

33 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl sind in manchen Gebieten Deutschlands bestimmte Pilz- und Wildarten noch immer stark mit Cäsium-137 belastet, wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) informiert. Überschreitet ein Lebensmittel einen bestimmten Wert davon (600 Becquerel - eine Maßeinheit für radioaktive Strahlung - pro Kilogramm), darf es nicht verkauft werden. Wildschweine sind demnach stärker als andere Wildtierarten betroffen, weil sie gerne den unterirdisch wachsenden Hirschtrüffel essen, der außergewöhnlich hoch belastet ist.

Gesundheitsschädlich ist das Wildfleisch aber in der Regel nicht. „Wenn Sie gelegentlich Wildfleisch essen, geht davon keine Gesundheitsgefahr aus“, sagte die Sprecherin des BfS, Anja Lutz. „Man sollte aber darauf achten, dass man seine Strahlenbelastung nicht unnötigerweise erhöht, indem man selbst erlegtes Wildbret nur in Maßen verzehrt oder Wildbret aus dem Handel bezieht.“

Zwischen April 2018 und März 2019 haben Jäger in Thüringen deutlich weniger Wildschweine geschossen als im Vorjahreszeitraum. Mit knapp 42.000 erlegten Tieren hatte es dem Ministerium zufolge 2017/18 ein Rekordjahr gegeben.

„Ein Rekordjahr hat natürlich Einfluss auf die Population“, sagte der Sprecher des Deutschen Jagdverbands. Zudem habe das Wetter des vergangenen Jahres Einfluss auf den Bestand genommen. Im Frühjahr sei es zunächst sehr kalt, dann schlagartig heiß und trocken gewesen. „Wir haben diesen Trend auch auf Bundesebene, dass im abgelaufenen Jagdjahr wahrscheinlich deutlich weniger Wildschweine erlegt wurden“, sagte der Sprecher.

Dauerhafte Regulierung mit Blick auf Schweinepest

Die Zahlen anderer erlegter Wildtierarten in Thüringen entsprachen demnach etwa den Werten der Vorjahre. Beim Rehwild stieg die Zahl der erlegten Tiere um zwei Prozent auf rund 40.100 Stück. Die Zahl der toten Waschbären lag bei knapp 10.800.

Jäger bekommen in Thüringen unter bestimmten Voraussetzungen eine Prämie von 25 Euro für jedes erlegte Wildschwein. Damit soll auch die Gefahr verringert werden, dass sich die Afrikanische Schweinepest in Deutschland ausbreitet.

„Mit Blick auf die Afrikanische Schweinepest bleibt die dauerhafte Regulierung des Schwarzwildes weiterhin die wichtigste Aufgabe“, teilte Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (Linke) mit. Das tödliche Virus wurde zwar bisher in Deutschland nicht nachgewiesen. Aus den Nachbarländern Polen und Belgien wurden aber neue Fälle gemeldet, so das Ministerium.

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