Angst vorm Wolf: Thüringen bezahlt Schutzzäune

Ohrdruf  Ohrdurf. Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund weist 2800 Quadratkilometer großes Wolfsgebiet aus. Die Schäfer sind froh.

Im Tierpark Gotha kann ein Rudel Wölfe aus nächster Nähe beobachtet werden. Foto: Dirk Bernkopf

Im Tierpark Gotha kann ein Rudel Wölfe aus nächster Nähe beobachtet werden. Foto: Dirk Bernkopf

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Eine Woche nach dem Angriff auf eine Schafherde bei Gotha mit fünf toten Tieren verstärkt Thüringen den Wolfsschutz. Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) hat gestern eine 2800 Quadratkilometer große Fläche rund um den Truppenschießplatz Ohrdruf als Wolfsgebiet ausgewiesen. Dort liegt der Lebensmittelpunkt der ersten in Thüringen sesshaften Jungwölfin. Sie jagt dort seit einem Jahr. Die Ausweisung des Wolfsgebiets hatte sich wochenlang verzögert. Grund dafür waren unterschiedliche Rechtspositionen von Umwelt- und Finanzministerium.

„Mit dem Wolfsgebiet verstärken wir die Hilfe für Schafhalter, die ihre Tiere vor dem Wolf schützen wollen“, begründete Siegesmund die Entscheidung. Schäfer, die ihre Tiere mit speziellen Zäunen oder besonders geeigneten Herdenschutzhunden vor dem Wolf in Sicherheit bringen wollen, erhalten vom Land ab sofort eine 75-prozentige Förderung. Anspruch auf die Finanzspritze haben jedoch nur diejenigen Schäfer, die ihre Tiere im Wolfsgebiet weiden lassen.

„Wir sind froh, auch wenn die Entscheidung etwas spät kommt“, sagte Arno Rudolph vom Landesverband Thüringer Schafzüchter. Ursprünglich hatte der Verband die Schutzmaßnahmen bereits zu Beginn der neuen Weidesaison im April gefordert. Eine Attacke wie am Pfingstwochenende in Schwabhausen bei Gotha hätte durch besseren Schutz vermutlich verhindert werden können.

Weiteres Schaf nach Angriff gestorben

„Heute früh ist ein weiteres Schaf an seinen schweren Verletzungen gestorben“, sagte Schäfer Gerd Steuding gestern der TA. Aus 585 Tieren bestand die von einem Stromzaun geschützte Herde, in die vermutlich ein Wolf an zwei aufeinanderfolgenden Tagen einbrach. Fünf Schafe wurden totgebissen, eines davon, 55 Kilogramm schwer, wurde zu einem Drittel gefressen; acht Tiere wurden durch Bisse schwer verletzt. Weitere Schafe, die in ihrer Panik den 90 Zentimeter hohen Zaun übersprungen haben, werden noch vermisst. „Die Landesregierung will den Wolf, jetzt muss sie auch dafür sorgen, dass wir uns schützen können.“

Denn der Angreifer, davon geht Steuding fest aus, wird wiederkommen. „Der weiß jetzt, dass unter der Wolle auch leckeres Fleisch ist.“ Um Zeit zu gewinnen, hat der Schäfer die Herde an einen neuen Ort getrieben.

Ungewiss ist, ob es sich bei dem Angreifer um die Wölfin von Ohrdruf oder um einen fremden Wolf gehandelt hat. Ein Gentest soll Klarheit bringen. Das Untersuchungsergebnis wird wohl allerdings erst in einigen Wochen vorliegen, heißt es. Ministerin Anja Siegesmund geht es nicht nur um den Schutz vorm Wolf. „Der Schutz des Wolfes“, sagt sie, „kann nur erfolgreich sein, wenn die Gesellschaft bereit ist, dessen Anwesenheit in der Kulturlandschaft zu akzeptieren. Damit dies gelingt, müssen wir die von der Präsenz des Wolfes am meisten betroffenen Nutzergruppen finanziell unterstützen.“

Leitartikel: Der Wolf und die Politik

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