Das Alperstedter Ried wird 2015 für Naturfreunde erschlossen

Alperstedt (Landkreis Sömmerda). Eine Perle des Naturschutzes macht den Bürgern von Alperstedt das Leben schwer. Die Rede ist vom Alperstedter Ried: eine Fläche von 101 Hektar, gelegen nördlich der Gemeinde, die sich bis Haßleben und Werningshausen zieht. Ein Kalkniedermoor, wie man es in Deutschland außer im Alpenvorland nicht findet. Mit Pflanzen und Tieren, die europaweit geschützt sind.

Romantisch-mystisch ist es im Bruch-Wald des Alperstedter Riedes. Der neue Weg sol ihn für Naturfreunde besser begehbar machen. Foto: Katrin Müller

Romantisch-mystisch ist es im Bruch-Wald des Alperstedter Riedes. Der neue Weg sol ihn für Naturfreunde besser begehbar machen. Foto: Katrin Müller

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Da ist beispielsweise der Sumpfengelwurz. Auch ein Schmetterling namens Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, ein europaweit gefährdetes Insekt, siedelt hier. Sogar ein Seeadler ließ sich unlängst in dem Areal blicken. Geplant ist daher, mit einem etwa 300 Meter langen Bohlenweg das Moor für Naturfreunde begehbar und erlebbar zu machen. Die Pläne dafür liegen bereits vor. "Denn nur was man schätzt, das schützt man auch", sagt Bürgermeister Peter Hehne (pl).

Von zwei Seiten vom Wasser bedrängt

Was von außen nur wie ein unbewirtschaftetes Sumpfgebiet aussieht, ist ein sogenanntes Durchströmungsmoor, in dem tief in der Erde ähnlich der Geysire mehrere Quellen entspringen und das Moor durchströmen. "So etwas ist selten und schützenswert. Deshalb ist das Alperstedter Ried auch schon seit 1963 Naturschutzgebiet", erklärt Ingrid Werres, bei der Stiftung Naturschutz Thüringen für dieses Areal zuständig.

Doch seit einigen Jahren macht diese Kostbarkeit der Natur den Alperstedtern Probleme. Zu DDR-Zeiten war das Gebiet mit Gräben durchzogen worden, um es trocken zu legen. Es wurde melioriert. Wasser wurde auch den umliegenden Kiesgruben entnommen. Landwirtschaft und Industrie brauchten viel Wasser. Damit sank der Grundwasserspiegel.

In den 90er-Jahren kam die Idee auf, das Moor in den alten Zustand zu versetzen. Seit Jahren wird der Natur nun wieder entsprochen. Der Grundwasserspiegel stieg. Hinzu kommt die Lage des Dorfes, zwischen Alperstedter See und Moorgebiet. Damit läuft das Wasser im Ernstfall von zwei Seiten in den Ort.

Auch die beiden Landwirtschaftsbetriebe der Region erhoben schon Einspruch dagegen, das Moor wieder zu renaturieren. Sie befürchteten den Ausfall von Flächen, auf denen ständig Wasser steht. Auch eine Reihe Alperstedter haben mittlerweile nasse Keller, vor allem in Häusern, die in den 1990er Jahren gebaut wurden, bestätigt Bürgermeister Peter Hehne. Die Stimmung sei inzwischen "einigermaßen gelassen, aber einige Ältere sind auch sehr kritisch", beschreibt er die Stimmung im Ort.

"Wir nehmen die Ängste ernst. Es wurde reagiert, auch wenn nach unserem Projekt der Renaturierung das Grundwasser eigentlich ganz ungefährlich zwei Meter unter dem Niveau des Ortes liegt", sagt dazu Ingrid Werres von der Stiftung Naturschutz. Hydrologische Gutachten sind erstellt worden. Es wurden Pegel am Randes des Sumpfgebietes eingerichtet, darunter ein sogenannter "Beweispegel", der im Minuten-Abstand den Wasserstand misst. "Es hat sich gezeigt, dass der Grundwasserstand sehr stark schwankt", erklärt Ingrid Werres.

Mit den Agrarbetrieben wurden mittlerweile in großem Stile Flächen getauscht. Aus Geldern der sogenannten Ausgleichsabgabe, die bei manchen Bauvorhaben zu zahlen ist, wurden Flächen angekauft. Sie wurden mit den Agrarbetrieben getauscht. Damit konnten etwa 40 Hektar Ackerland im Moor in Grünland umgewandelt werden, die nun in die Sumpflandschaft integriert werden soll. "Die Gemeinde wünscht sich aber noch ein Grabensystem mit zwei Gräben, die jeweils mit Schiebern reguliert werden können, um so das Wasser im Ernstfall vom Ort fernzuhalten", erklärt Bürgermeister Hehne. Baubeginn soll im nächsten Jahr sein.

300 Meter langer Bohlenweg ins Moor

"Wir brauchen aber auch mehr Akzeptanz für das Moor in der Bevölkerung", heißt es in der Stiftung Naturschutz. Immerhin führt bereits der Laura-Radweg durch das Areal. Nun wurde auf Anregung des Alperstedter Gemeinderates bei einem Leipziger Ingenieurbüro eine Studie für einen Bohlen-Rundwanderweg in Auftrag gegeben.

Rund 300 Meter lang soll er werden. An mehreren Stellen sollen Stichwege zu Aussichtspunkten abzweigen, auf denen man ins Moorgebiet hineingehen kann. Es sind Aussichtspunkte, Rastplatz und Schautafeln geplant. Auf den Grünflächen sollen Wildpferde weiden und Robust-Rinder. Ein Magnet für Naturfreunde. Die Gemeinde wäre bereit, die Pflege und Instandhaltung zu tragen. Aber: "Es soll nichts gebaut werden, was nicht im Falle einer Hochwasserlage weg genommen werden kann", heißt es im Ort. Im Gemeinderat ist das Thema ständig präsent.

"Es ist ein Spagat zwischen Interessen der Bürger und Rechten der Natur", sagt Peter Hehne und dass man keine Fronten wolle zwischen Naturschützern und Alperstedtern. Immerhin könnte jedoch auch für den Ort Nutzen entstehen, wenn die Pläne der Naturschützer aufgehen: Wenn Brachvogel und Weißstorch hier wieder waten, Kiebitze brüten, Orchideen blühen.

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