Diskussion um Dachwiger Speicher

Gotha/Dachwig  Gothaer Naturschutzbeirat beschäftigt sich mit der Baumfällaktion auf der Insel.

Kahlschlag im Vogelschutzgebiet Dachwiger Stausee: Die Insel mitten im Wasser ist abholzt. Sie ist ein beliebtes Vogelrevier

Kahlschlag im Vogelschutzgebiet Dachwiger Stausee: Die Insel mitten im Wasser ist abholzt. Sie ist ein beliebtes Vogelrevier

Foto: Ronald Bellstedt

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In der planmäßigen Sitzung des Naturschutzbeirates sollten die Baumfällarbeiten auf der Insel im Stausee Dachwig unter Punkt „sonstiges“ zur Sprache kommen. Tatsächlich war die Wellen schlagende Aktion des Landesanglerverbandes Thüringen dann als erster Tagesordnungspunkt anberaumt. Eine halbe Stunde sollte über Für und Wider debattiert werden – am Ende dauerte das mehr als doppelt so lang.

Am 24. Januar hatte der Landesanglerverband den Antrag bei der Unteren Naturschutzbehörde gestellt, auf der Insel Bäume fällen zu dürfen, nicht zum ersten Male übrigens. Wurden die vorangegangenen abgelehnt, gab es diesmal grünes Licht. Und zwar innerhalb kürzester Zeit. Genauso schnell rückten die Angler an und begannen mit der Arbeit. Die Aktion gehöre zum aktuellen Totholzprojekt des Anglerverbandes, informierte dessen Geschäftsführer André Pleikies. Nicht nur im Pachtgewässer Speicher Dachwig, auch in anderen werde auf diese Weise etwas für die Artenvielfalt getan. Wenn Totholz im Gewässer arrangiert werde, nutze das nicht nur Fischen, sondern auch Insekten wie Libellen und biete Vögeln Nistmöglichkeiten. Soweit ist es allerdings bislang nicht gekommen: Die Umweltbehörde beim Landratsamt Gotha stoppte am 13. Februar vorerst die Arbeiten.

Fällung nicht abgestimmt

Vor allem auch, weil die Aktion nicht mit einem wichtigen Partner, nämlich der Thüringer Fernwasserversorgung als Betreiber der Stauanlage, abgestimmt war. Dort sieht man es gar nicht gern, wenn ohne ihre Kenntnis Dinge verändert werden, die zum Sicherheitsrisiko auswachsen können.

Roland Mauden von der Thüringer Fernwasserversorgung sieht auf dem Wasser treibendes Totholz als Gefahr. In einer möglichen Hochwassersituation kann dadurch die Anlage beschädigt werden. Im schlimmsten Fall ströme das Wasser dann ungehindert in bebaute Gebiete. Allerdings ist das Unternehmen nicht per se gegen wasserstrukturverbessernde Maßnahmen durch Totholz. „Es muss allerdings gewährleistet sein, dass die Stämme bei Hochwasser ausreichend gesichert sind.“ Etwas, dass die Angler, so Pleikies, natürlich fest im Auge haben.

Die Naturschützer, allen voran den Vorsitzenden der Nabu-Ortsgruppe Großfahner Tino Sauer, bringt auf die Palme, dass die für das europäische Vogelschutzgebiet Speicher Dachwig geltenden Gesetzlichkeiten ignoriert wurden. Die Insel gehöre gar nicht zum Einzugsbereich der Angler, bemängelte er. Matthias Mehler, verantwortlich seit drei Jahren fürs Monitoring am Speicher, bedauerte, dass mit der Aktion ein wichtiger Rastplatz für Kormorane beseitigt wurde. Zwischen August und Oktober ziehen diese Vögel durch Thüringen und am Speicher Dachwig würden an manchen Tagen bis zu 400 Kormorane gezählt. Doch auch andere Vögel brüten auf der Insel.

Mit der Baumfällaktion seien zwei Graureiher-Horste vernichtet worden. Die Untere Naturschutzbehörde in Gotha ging bei ihrer Entscheidung davon aus, dass die meisten Bäume auf der Insel abgestorben sind – durch den Kot der Kormorane, der ihnen jahrelang zusetzte. Deshalb sind die wenigsten der Stämme fürs Totholzprogramm der Angler geeignet und müssen entsorgt werden.

Am Ende ist klar, die Fällung lässt sich nicht rückgängig machen. Ob allerdings die Pläne des Landesanglerverbandes, auf einem Teil der Insel mit einer Kiesfläche Brutmöglichkeiten für Lachmöwen zu schaffen und einen weiteren mit Büschen zu bepflanzen, der richtige Weg sind, darüber muss diskutiert werden. Und genau darauf einigten sich die Kontrahenten am Donnerstagabend. In einer kleinen Gruppe soll schon in naher Zukunft das weitere Vorgehen auf der Insel im Speicher Dachwig abgestimmt werden. Sicher ist, dass die lose treibenden Stämme schnellstmöglich aus dem Wasser entfernt werden müssen.

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